Sah sie ihn dann mit erstaunten, hilflosen Augen an, als rede er von etwas, was ihr nie eingefallen war, so trällerte er ihr das hübsche Liedchen des Medici vor:
»Quant' è bella giovinezza
Che si fugge tuttavia!
Chi vuol esser lieto sia
Di doman' non c'è certezza.«
Sie kannte es schon, sprach unwillkürlich die letzte Zeile leise mit, dann fiel ihr ein, daß irgendwo, in einem Winkel ihres Gedächtnisses, vier deutsche Zeilen hafteten, die ungefähr dasselbe, nur ungleich wuchtiger als der Mediceer, ausdrückten. Nach ein paar Sekunden fielen sie ihr ein, und sie versuchte, Ettore die Verse zu übersetzen:
»Um das Roß des Reiters schweben,
Um das Schiff die Sorgen her.
Morgen können wir's nicht mehr,
Darum laßt uns heute leben!«
Er hörte sie an, nickte bejahend.
»Aber schwerfällig ist alles, was Eure Dichter sagen. Warum muß nun da schon wieder die Rede von Sorgen sein, die um alles herschweben? Ich mag den Medici lieber, der ganz einfach sagt:
»Heut sei fröhlich, wer es mag,
Denn vom Morgen weißt Du nichts.«
Und er rekelte sich in der Sonne wie ein schönes, träges Tier, küßte seine Frau und verstand nicht, daß sie sich mit einer angstvollen Hast in seine Arme flüchtete, als ob ihr vor dem Morgen graute, dessen Ungewißheit er und sein Dichter so leichthin nahmen …