»No, no! Für uns gibt es nichts mehr! Die Priuli haben kein Glück mehr, sie mögen anfangen, was sie wollen!«

»Sag' solche Sachen nicht, Mutter! Das Glück kommt doch immer wieder, wenn man es nur erwarten kann! Siehst Du, auch zu mir ist es ja noch gekommen, und ich war genau so verzweifelt, wie Eleonore jetzt wohl ist!«

Aber die Gräfin ließ sich nicht zureden.

»Du hast gut reden, erwarten! Meinst Du, meine anderen Töchter haben nicht auch gewartet, Tag um Tag und Jahr auf Jahr? Misericordia, was haben die armen Dinger geweint und zum Himmel gebetet, daß er ihnen einen Mann schicken soll! Sie haben's nicht erwarten können und haben ins Kloster müssen. Nein, nein, die Priuli haben kein Glück mehr!«

Eigensinnig beharrte sie mit ihrer jammernden Stimme bei dem Vernichtungsspruch, den sie ihrem eigenen Blut sprach, und Elisabeth war so bewegt, daß sie überhörte, wie wenig schmeichelhaft er für sie selbst war. Sie sah, daß hier mit Worten nichts getan war, sagte darum nur noch:

»Liebe Mutter, Eleonore wird und soll ganz gewiß heiraten, und zwar glücklich heiraten. Und wenn es nur am Geld hängt, dann laß das meine und Ettores Sorge sein. Wir können natürlich Eleonore nicht so ausstatten, daß sie eine glänzende Partie wird, aber eine Offizierskaution bringen wir schon auf. Und wenn's sein muß, schränken wir uns lieber ein wenig ein – mir ist ohnehin alles zu großartig angelegt –, aber Deine letzte Tochter soll das Los haben, das ihr gehört, soll einen Mann nehmen, den sie liebt, nur freilich nicht einen Schuldenmacher oder Abenteurer!«

Sie wartete, daß die Miene der Gräfin sich ein wenig aufhellen, daß sie zuversichtlicher werden und wieder an eine Glücksmöglichkeit glauben sollte, aber das Gesicht der alten Dame blieb sorgenvoll wie es war, und sie dankte Elisabeth nur so nebenhin, als ob doch alles ganz zwecklos und unfähig sei, dem geschlagenen Hause der Priuli wieder Glanz und Glück zu verleihen.

Elisabeth ließ einige Tage verstreichen, dann trat sie einmal, ehe sie zu dem Nachmittagsbesuch bei der Schwiegermutter ging, zu Eleonorens Zimmer hin. Wie sie die Türe öffnen wollte, ließ sie die Hand plötzlich untätig auf der Klinke ruhen, lauschte und zögerte einzutreten. Denn aus dem Zimmer ertönte halblauter Gesang, die Stimme Eleonorens, die irgendein kleines Volkslied vor sich hin sang. Weder der Text noch die Melodie waren irgendwie bedeutsam, aber in dieser Mädchenstimme klang so viel Süße, verhaltener Schmerz und verhaltene Lust, daß Elisabeth ganz vergaß, warum sie eigentlich gekommen war, und immer noch vor der Türe stehen blieb, bis der Gesang drinnen verstummte.

Eleonore sprang auf, als sie die Schwägerin sah, schob ihr einen bequemen Stuhl herbei, stopfte ihr Kissen in den Rücken und unter die Füße, tat völlig unbefangen und war auch heute nicht bereit, ihr Herz zu erschließen. Elisabeth erzählte ihr von dem Gespräch, das sie mit der Gräfin gehabt hatte, wiederholte ihr Anerbieten und bat Eleonore, die Geschichte mit dem Offizier genau zu überlegen und sie dann mit ihr und Ettore zu besprechen. Eleonore aber schüttelte lächelnd den Kopf.