»Nein, Gott sei Dank, das kenn' ich nicht. Das kennen vornehme Leute überhaupt nicht.«
»Bei Euch nicht! Aber bei uns arbeitet jeder, gleichviel, ob er vornehm ist oder nicht, ob er Millionen reich ist oder nicht.«
»Aber wenn er die Arbeit nicht nötig hat, wozu arbeitet er dann?«
»Um der Arbeit willen!«
Ettore lachte.
»Nun, dann arbeitet er eben zu seinem Vergnügen, genau so wie ich mich zu meinem Vergnügen amüsiere. Ich sehe den Unterschied nicht ein. Oder doch, ich sehe ihn ein, und ich muß Dir sagen, carissima, daß der Unterschied für Euch nicht gar so schmeichelhaft ist. Euch merkt man immerfort noch die arme Rasse an, die schuften musste und jetzt gewohnheitsmäßig weiterschuftet. Und wir, wir sind eben Aristokraten, die's schon lange nicht mehr nötig haben, sich zu quälen und durch ihrer Hände Arbeit das Nötige herzuschaffen.«
»Darum war eben auch das Nötige meist nicht da!«
Elisabeth hatte es fast wider ihren Willen gesagt, aber es wäre ihr nicht möglich gewesen, die naive Anmaßung Ettores ohne Entgegnung hinzunehmen. Sie war gefaßt auf eine zornige Antwort, aber er zuckte nur die Achseln und sagte gleichgültig:
»Du wirst nicht behaupten können, daß es bei uns je an irgend etwas gefehlt hat.«