»Aber natürlich! Wo mein Kind zu Hause ist, bin ich auch zu Hause. Oder geht's Dir nicht etwa ebenso?«

Elisabeth nickte und erwiderte nichts. Wozu den Vater beunruhigen, wozu Fragen, Antworten und Erklärungen heraufbeschwören, für die sie weder Erklärung noch Gegenrede gefunden, denen sie nichts entgegenzusetzen hätte als das dumpfe Gefühl, daß ihr Herz sich hier nimmer eingewöhnen konnte. – Eins nur hatte den Oberst peinlich berührt, die Hausgenossenschaft der Damen Priuli, gegen die er doch schon früher energisch protestiert hatte. Nicht als ob sie ihn durch Indiskretion oder aufdringliches Vorhandensein gestört hätten, nein, solange er da war, bekam er sie kaum zu Gesicht, aber er wunderte sich doch ein wenig, daß Elisabeth nicht über sie klagte, sondern sie als selbstverständlich hinnahm.

»Weißt Du, Liesel, allerhand Hochachtung vor Dir! Aber den Schwiegerdrachen beständig im Hause zu haben, wäre nicht mein Geschmack gewesen! Wäre auch nicht nach dem Geschmack der meisten Frauen!«

Elisabeth lächelte.

»O, die Mama ist gar kein Drache …«

»Und wenn auch nicht, ich weiß nicht, junge Eheleute sollten doch allein sein! Ewig und immerfort mit dritten am Tisch zu sitzen! Ihr habt doch kaum Zeit, Euch über alle möglichen Dinge miteinander auszusprechen …«

»Wir haben so viel Zeit, Papa, so viel Zeit, wie Du Dir gar nicht denken kannst! Und es gibt auch gar nicht so viel Dinge, über die man sich aussprechen muß!«

»So? Ich meine aber doch –«

Der Oberst brach ab. Nicht etwa, weil ihm das Thema heikel vorkam oder weil er in der Stimme seiner Tochter leise Bitterkeit spürte, sondern bloß weil er auf seine eigene Ehe hatte Bezug nahmen wollen und weil ihm dann einfiel, daß jede Aehnlichkeit zwischen seiner Ehe und der seiner Tochter fehlte. Er meinte also gutmütig:

»Ja, freilich, Ihr habt's gut. Deine arme Mutter hat's nicht so gut gehabt! Das war ein ewiges Rechnen und Sorgen und Erschrecktsein vor unerwarteten Ausgaben, und die gute Frau hat dann immer gemeint, es wird leichter, wenn sie's mit mir bespricht. Und ich – na, Du weißt ja, wie wenig Zeit unsereins hat und wie zuwider man ist, wenn man müd' und verärgert vom Dienst heimkommt! Du hast's besser, Gott sei Dank, und Du kannst wirklich als kleines Reugeld für Dein Glück den Schwiegerdrachen in Kauf nehmen, zudem er sich ja zivil benimmt, wie Du sagst!«