»Durchaus zivil, ich kann nicht über sie klagen!«

Sie überlegte einen Augenblick, ob sie ihren Vater in die Intimitäten der Familie Priuli einweihen, ihm etwa von Eleonorens aussichtsloser Liebe, ihrer schönen Stimme und ihrer Trägheit sprechen sollte, aber sie unterließ es. Sie dachte sich, daß in gewissen Dingen ihr Vater, so verschieden er sonst auch von den Priuli sein mochte, mit der alten Gräfin übereinstimmen würde, daß er besonders deren Abneigung gegen ein Heraustreten der Tochter aus dem häuslichen Kreis verstehen und billigen konnte. War doch auch nach der Beendigung des großen Erbschaftsstreites beinahe sein erstes Wort so gewesen:

»Liesel, jetzt hört das blödsinnige Kopieren und Sich-ums-Geld-schinden auf! Jetzt machst Du's wie andere junge Mädchen, suchst Dir einen Mann, der Dir gefällt, und wirst eine brave Hausfrau und Mutter. Das ist doch allemal das Beste auf der Welt, da können sie sagen und probieren, was sie wollen!«

Auch als er jetzt einmal mit ihr in der Galerie vor dem Bild der ›Dogaressa‹ stand, meinte er lachend:

»Wahrhaftig, Du bist jetzt fein heraus! Du mußt doch heilfroh sein, daß Du Dich nicht mehr mit dem Farbenklecksen quälen mußt, nur um ein paar Groschen zu verdienen, sondern malen kannst, was Du willst und wann Du willst und wie Du willst!«

Elisabeth sagte zögernd:

»Ich weiß nicht, Papa, wenn ich jetzt an die Zeit denke, kommt sie mir eigentlich sehr schön vor!«

Der Oberst lachte.

»Jawohl, in der Erinnerung ist Misere ganz hübsch. Aber wenn man sie durchlebt – – Bei Dir hat sie eben gerade zur rechten Zeit aufgehört, darum bewahrst Du ihr so ein freundliches Gedenken, aber ich sage Dir, dank Deinem Schöpfer, daß Du heraus bist, und wenn Du Zeit hast, dann kannst Du ja für mich einmal das Bild kopieren und mir schicken. Dann kann ich mir, so oft ich es ansehe, einbilden, daß ich in Venedig und bei Dir bin!«