Eleonore ergriff den Arm ihres Bräutigams, schmiegte sich an ihn.

»Ich weiß nicht … Denk' nur, wenn Du es auch recht garstig findest, ich habe gar keine so große Freude davon, daß die mamma mit uns wohnen soll. Ich weiß doch, wie sie zu Anfang bei meinem Bruder gestört hat …«

Lissignolo lächelte beglückt. Er war dankbar, daß seine Braut darauf sann, mit ihm allein und ungestört zu bleiben. Weil er aber nicht mehr so jung wie sie und auch ein braver Mensch war, meinte er überredend:

»Sie wird uns nicht stören, liebe Liebste! Aber wo soll sie hin, wenn nicht zu uns? Es ist doch Deine Mutter, und die gehört zur Tochter eher als zum Sohn, als zu einer fremden Frau. Und wenn sie auch mitunter da sein wird, wenn man sie gerade nicht wünscht, – ich bin so glücklich, daß ich Dich habe, daß ich drei böse Schwiegermütter willig in den Kauf nähme, geschweige denn die gute, alte Gräfin Priuli!«

Eleonore senkte die Augen. Sie war beschämt von der Güte dieses Mannes und hatte eine Sekunde lang das Verlangen, sich an seine Brust zu werfen, ihm zu sagen: »Halte mich, rette mich, sonst bin ich verloren!« Es war aber nur eine Sekunde. Im nächsten Augenblick hob sie schon wieder die Augen, lachte und sagte fröhlich:

»Aber natürlich, Du hast ganz recht! Es war nur so eine Idee von mir!«

Das war gleich in den ersten Tagen nach der Verlobung. Im Laufe der Wochen, die nun folgten, wunderte sich Elisabeth zuweilen im stillen, daß gar nie ernsthaft von einer Uebersiedlung der alten Gräfin gesprochen wurde. Sie fragte Ettore einmal:

»Wird Deine Mutter nun bei uns wohnen bleiben, oder zieht sie zu Eleonore?«

Ettore zuckte die Achseln.

»Ich weiß nicht, ich denke wohl, daß sie zu den Lissignolos zieht, aber man kann sie doch nicht direkt fragen! Das sähe aus, als ob man sie vor die Türe setzen wollte. Warten wir's ab, in ein paar Monaten wird sich's von selber klären. L'Italia farà da sè!«