Elisabeth, die jetzt schon immer nervös wurde, wenn er ganz sinnlos seinen Spruch zitierte, sagte nichts mehr. Als sie aber an diesem Nachmittag zu ihrer Schwiegermutter kam, die gerade allein war, fing die alte Gräfin selbst von der Uebersiedlung zu sprechen an. Sie sah nicht freudig aus, eher bekümmerter noch als früher, und ihre Stimme jammerte, als wäre das Glück der Priuli nicht neu befestigt, sondern für immer verloren.
»Ja, das ist alles recht schön. Lissignolo ist auch ein guter Mensch, ein Kavalier … Aber hinziehen zu ihnen? Nun ja, wenn es sein muß, dann will ich's wohl tun, aber ich weiß schon, Eleonore hat keine große Freude davon, und ich auch nicht. Ich wahrhaftig auch nicht!«
Elisabeth tat die alte Frau leid, obgleich sie ihre trübe Stimmung nicht begriff. Sie meinte, die Gräfin fühle sich von Eleonore zurückgesetzt, sei eifersüchtig auf den Mann, der ihr plötzlich das Herz der Tochter abwendig machte, und sie wollte begütigen und die alte Frau erheitern:
»Du darfst das alles nicht so tragisch nehmen, liebe Mama! Eleonore hängt doch so sehr an Dir und wäre sicher sehr unglücklich, wenn sie sich von Dir trennen müßte. Aber nicht wahr, jetzt ist sie eben verlobt und, wie es scheint, auch verliebt, und da ist man wohl ein wenig rücksichtslos gegen alle andern Menschen … Aber sie liebt Dich doch ebenso wie früher, und Du wirst sehen, daß es wunderschön ist, wenn Du bei ihr wohnst …«
Die Gräfin schüttelte den Kopf, Tränen traten ihr in die Augen. Sie murmelte:
»Lisa, Du verstehst das nicht!« Sie machte eine Pause, öffnete wieder die Lippen, als wollte sie mehr sagen, etwas, was sie ängstigte und bedrängte, aber sie bezwang sich, schüttelte nochmals den Kopf und schwieg. Elisabeth streichelte ihr die runzligen Hände, nannte sie mit zärtlichen Worten, die sie über die vermeintliche Lieblosigkeit der Tochter forttrösten sollten. Nach einer Weile hub die Gräfin wieder an, sprach abgerissen, mehr zu sich, als zu der jungen Frau.
»Nein, Lisa, Du verstehst es wirklich nicht. Es ist alles ganz anders als Du meinst. Das ist nun einmal so mit den Kindern, wenn Du erst so alt bist wie ich, wirst Du's auch noch merken … Man sorgt und denkt sein ganzes Leben lang nur für sie, und wenn sie dann groß sind, hat man nichts von ihnen als Kummer und Undank …«
»Aber, Mama, Ettore macht Dir doch wirklich keinen Kummer und hängt so sehr an Dir, daß ich früher beinahe eifersüchtig auf Dich war! Und auch Eleonore –«
Aber die Gräfin beharrte.
»Kummer und Undank, – das ist alles, was sie einem geben. O, man ist nicht umsonst eine Priuli! Die Priuli haben kein Glück mehr! Sie dürfen anfangen, was sie wollen, alles wendet sich zum Schlechten! Du wirst es später noch an Dir und Deinen Kindern sehen!«