Eleonore blieb, durch die Treppe von der Schwägerin getrennt, stehen. Jetzt, im elektrischen Licht, sah Elisabeth, daß das Mädchen totenbleich und erregt war, daß unter dem Schleier ihr Haar zerwühlt und nur flüchtig aufgesteckt hing, während in ihren dunklen Augen ein seltsamer, verträumter Glanz lag. Sie zog das schwarze Fransentuch fester um sich, wie sonst ihren Schlafrock, warf den Kopf zurück, preßte die Lippen aufeinander und sah über die Treppe hinauf herausfordernd die Schwägerin an.

Elisabeth winkte sie heran.

»Komm herauf, Eleonore, komm in mein Zimmer. Wir wollen nicht hier stehen bleiben, wo uns jeden Augenblick ein Dienstbote überraschen kann!«

Eleonore entgegnete nichts. Sie folgte Elisabeth, die ihr voranschritt, und wußte selbst nicht, warum sie ging, wohin die andere wollte. In Elisabeths Zimmer stand Eleonore in derselben Haltung an der geschlossenen Tür, wie sie vorhin unten an der Treppe gestanden war. Elisabeth, die sich nicht mehr auf den Füßen halten konnte, ließ sich in einen Stuhl fallen, drückte die Handflächen gegeneinander und fragte noch einmal leise, angstvoll, als scheue sie die Antwort

»Wo kommst Du her?«

Eleonore reckte sich in die Höhe.

»Ich bin Dir keine Rechenschaft schuldig!«

»Rechenschaft nicht, aber – aber – –«

Die junge Frau wirkte so hilflos und eigentlich so bedauernswert, daß Eleonore sich selbst und alles, was in diesen letzten Stunden geschehen war, mit ungestümer Lebensfreude empfand. Und nicht als ob sie von Unrecht, sondern von Triumph berichtete, brach es aus ihr hervor, wie ein ungestümes Bekenntnis der Lust und der Leidenschaft: