»Aber der Palazzo Priuli ist entzückend!« meinte Cesare Fabbriani, der ein wenig mit Kunstinteressen kokettierte. »Für seine Spitzbogen geb' ich den Loredan und den Cornèr und noch einen dazu!«

»Ja, mein Lieber, wenn Du glaubst, daß die Mädchen wegen des Spitzbogenstils heiraten!« beharrte Spatò. »Wenn man ihnen imponieren will, muß man am Canal Grande wohnen, wo alle Parvenüs täglich vorbeifahren, und wo die Aussicht lockt, daß der Name, den sie erheiraten, von jedem Gondoliere und Fremdenführer genannt wird! Aber in einer Calle –«

Massimo Fabbriani gab Spatò recht. Er war mit seiner blonden Häßlichkeit immer etwas neidisch auf Priuli, und es freute ihn, wenn man die Chancen des schönen Ettore gering einschätzte. Darum sagte er jetzt, nur um den Widerspruch der andern zu hören:

»Freilich hat Priuli etwas, was mehr wert ist als irgendein Palast. Er hat seine Gemäldegalerie mit der ›Dogaressa‹!« Einen Augenblick herrschte Schweigen. Die ›Dogaressa‹, das weltberühmte Bild, das sich seit Jahrhunderten im Besitz der Priuli befand und eines der köstlichsten Kleinode Venedigs darstellte, war jedem Venezianer so teuer, daß er nur mit Ehrfurcht davon sprach. Cesare Fabbriani meinte gedankenvoll:

»Ja, die ›Dogaressa‹ …! Was wären die Priuli, wenn sie das Bild nicht hätten! Es ist übrigens das einzige Wertvolle in der ganzen Sammlung. Der Rest ist nur Kitsch!«

Gaulo lachte.

»O, wenn die Priulis das Bild verkaufen könnten, das gäbe einen schönen Haufen Geld, was meint Ihr?«

Sie fingen an Summen zu nennen, Millionenziffern, die alle gleich möglich oder unmöglich sein konnten, weil der Wert des Bildes nicht abzuschätzen war. Schließlich meinte Cesare Fabbriani, der anfing sich zu langweilen:

»Wozu machen wir uns eigentlich die Köpfe mit all den Zahlen warm? Bei uns kann es doch keiner kaufen, und nach auswärts darf es ja nicht gehen!«

Sie nickten. Nun, da sie, scheinbar im Scherz und doch mit einem deutlichen Unterton von Ernst und Gier, das Bild abgeschätzt hatten, war ihr Interesse an ihm erschöpft, zudem sie jetzt Ettore auf ihren Tisch zukommen sahen. Er ging langsam, den Hut aus der Stirn geschoben, den Kopf ein wenig zurückgelegt, das Stöckchen schwingend, ganz und gar der scharmante, schöne Priuli, als den ihn Venedig kannte. Er setzte sich zu ihnen, tauschte mit ihnen die üblichen Redensarten über das Wetter von heute, gestern und morgen, bestellte sich eine Eislimonade, zündete eine Zigarette an und schien nichts zu empfinden als das Behagen des Lebens und die Helle dieses Tages. Gaulo fragte ihn neckend: