Wütend blieb er stehen.
»Ettore, o Ettore, was hast Du getan!« äffte er sie mit verzerrtem Gesicht nach. »Glaubst Du vielleicht, daß das Geld davon wieder herkommt? Ah, ah, le brutte bestie, dieser Gaulo, dieser Nicco Fabbriani! Hat man je so etwas gesehen? Ausgeplündert, ausgeraubt haben sie mich wie Banditen. Aber ich werd's ihnen schon zeigen, diesen Halunken, diesen Griechen! Bei der Polizei müßte man sie anzeigen und ihnen das Handwerk legen. Wie sie's gemacht haben, weiß der Kuckuck, aber mit rechten Dingen ist es nicht zugegangen, das schwör' ich bei allen Nothelfern und bei meiner ewigen Seligkeit!«
Er wetterte und fluchte noch eine Weile fort, kam dann langsam zu Elisabeth hin, setzte sich auf den Rand ihres Bettes, umfaßte sie mit beiden Armen und fing an zu schluchzen.
»Carina, ich bin so unglücklich, Du weißt gar nicht, wie mir zumute ist! Sei nicht böse, bitte, bitte, Liebste, sei nicht böse, wenn ich abscheulich und roh gegen Dich war. Aber wenn Du wüßtest, wie diese Bestien zugesetzt haben …«
»Scht, scht!«
Elisabeth bezwang den Ekel, der ihr im Halse saß, glitt leise tröstend über Ettores wirres Haar, versuchte ihm zuzureden, seine Anklagen zu ersticken, aber sie brachte kein Wort heraus. Sie hielt ihn nur an ihrer Brust und weinte lautlos, stoßweise über seinen Kopf hin, weinte viel weniger über das Bekenntnis, das er abgelegt, als über alles, was zwischen ihnen in Scherben lag …
Als Ettore eine Weile wie ein Kind an der Brust seiner Frau gestöhnt und geschluchzt hatte, war er auch müde wie ein verweintes Kind, legte sich zu Bett und schlief bis in den Mittag hinein einen bleischweren Schlaf. Als er aufwachte, fühlte er sich wohl und erquickt, und als er gar erst die Sonne am Himmel stehen sah, kam ihm diese ganze Nacht nur wie ein unwahrscheinlicher Spuk vor. Er machte sorgfältig Toilette, frühstückte behaglich und spürte nur eine leise Verlegenheit, als er des Geldes wegen in das Zimmer seiner Frau gehen mußte. Elisabeth hatte auf den ausdrücklichen Wunsch ihres Vaters hin die Verwaltung ihres Vermögens in Händen behalten, und wenn auch Ettore stets jede Summe hatte erheben können, die er wollte, so bedurfte er doch jedesmal die Unterschrift seiner Frau. Um die ganze Geschichte ihrer Wichtigkeit zu entkleiden und sie nur wie ein kleines peinliches Abenteuer darzustellen, gab er sich Mühe, recht sorglos auszusehen, legte sein scharmantes Lächeln auf und spazierte heiter, Hut und Stöckchen in der Hand, zu seiner Frau hinein.
Wie er sie erblickte, wurde ihm unbehaglich zumute. Er merkte, daß sie wieder das Gesicht trug, das er schon auf der Hochzeitsreise an ihr gesehen hatte und später noch einmal, nach der Heimkehr von den Gütern, – das Gesicht der fremden Frau, die er nicht kannte. Er küßte ihr die Hand, erkundigte sich teilnehmend, wie sie geschlafen habe. Dann mit leiser, schmelzender Stimme:
»Carina, möchtest Du mir nicht den Scheck ausfüllen? Ich will diese leidige Angelegenheit doch so bald wie möglich in Ordnung bringen!«
Sie stand an ihrem Schreibtisch, reichte ihm den Scheck, der schon seit heute morgen ausgestellt dalag. Sie kämpfte noch mit sich, denn es war ihr peinlich, dem Manne Vorwürfe zu machen oder Verhaltungsmaßregeln zu geben, aber sie bezwang sich und sagte, während sie ihm den Scheck reichte: