Ettore zerpfückte eben sorgsam und sachverständig eine in Oel gesottene Artischocke. Er hob jetzt die Augen vom Teller, sah seine Frau vergnügt an.

»Aber nein, laß nur! Bis morgen ist es sicher vorbei! Sie hat nur ein wenig Verdruß mit Eleonore gehabt, aber es ist nichts, wirklich gar nichts!«

Er häufte sich zum zweitenmal Artischocken auf, sprach mehr und liebenswürdiger mit Elisabeth, als es sonst seine Art war, schien überhaupt aufgeräumt und von innen heraus zufrieden.

Elisabeth konnte nicht recht aus ihm klug werden, verstand vor allem nicht, daß er so guter Laune war, während er sonst doch alles miterlebte und mitteilte, was seine Mutter und seine Schwester betraf. Als Elisabeth sich wie immer nach der Mahlzeit in ihr Zimmer zurückzog, um ein wenig Zeitungen zu lesen, kam Ettore ihr nach, setzte sich behaglich in einen Lehnstuhl, zündete eine Zigarette an und blies vorsichtig und geschickt Rauchkringel ins Zimmer hinein. Elisabeth saß ihm gegenüber, nahm bald eine deutsche, bald eine italienische Zeitung zur Hand, wollte lesen oder wenigstens lesend scheinen und war doch innerlich unruhig, ergriffen von einer plötzlichen Angst, daß irgend etwas passiert sei, daß Ettore ihr am Ende wieder eine ähnliche Beichte ablegen könne wie damals, in jener Nacht … Sie versuchte einen Zusammenhang zu finden zwischen der Szene bei der Gräfin und der Aufgeräumtheit Ettores und meinte nicht anders, als daß er sie durch seine Heiterkeit und Freundlichkeit im vorhinein für irgend etwas gefügig machen wolle. Sie saß hinter ihrem Zeitungsblatt, wartete, daß er endlich sprechen sollte, und meinte in diesen Minuten, daß kein Wort von ihm, auch nicht das schwerste, ärger sein könne als dies Warten. Ettore aber blies immer noch seine Rauchkringel so bedacht, als wären sie der Inhalt und der Zweck seines Daseins, rekelte sich ein wenig in seinem Sessel, sah über das Zeitungsblatt weg seine Frau an und lächelte ihr zu, wie im Triumph. Er lehnte sich in seinen Stuhl zurück, atmete tief und sagte:

»Gott sei Dank, endlich sind wir ihn los!«

Elisabeth ließ das Blatt sinken, sah ihn verständnislos an.

»Los? … Wen? … Ich verstehe nicht …«

Ettore lachte hell auf.

»Du bist kostbar! Wenn ich sage ›wir sind ihn los‹, so kann ich doch nur einen meinen.«