»Nun ja, das war der erste Sturm, vielleicht kommen noch drei oder vier nach, aber dann wird Ruhe! Nur sich nicht ängstigen und den Dingen ruhig ihren Lauf lassen, l'Italia farà da sè!«
Wie häufig, so zuckte auch jetzt Elisabeth nervös mit den Augenbrauen, als er die gewohnte Redensart siegessicher hinschleuderte. Er sah die Bewegung und wurde ärgerlich.
»Du hast ein Talent, einem jede frohe Stimmung zu verleiden!«
Er war ein paar Minuten lang ärgerlich, als ob sie ihm ein wirkliches Glück gestört hätte, schnell aber war seine gute Laune wieder da, er zündete eine frische Zigarette an und blies abermals seine prachtvollen Rauchkringel.
»Es ist ein wahres Vergnügen, daß diese verdammte Geschichte jetzt so zu Ende geht! Der Kriegsminister hätte uns kein größeres Vergnügen machen können als diese Versetzung! Wenn ich bedenke, was aus Eleonore geworden ist, seitdem sie sich an diesen Gauner gehängt hat! Nichts mehr hat für sie existiert als er, rein nichts. Dabei hat sie Summen in Händen gehabt, Summen, von denen Du Dir nichts träumen läßt. Aber alles nur für ihn.«
Elisabeth hatte ihm zugehört, ohne allzusehr auf seine Worte zu achten. Sie tat jetzt eine Frage, über die sie schon manches Mal nachgedacht und auf die sie doch nie die richtige Antwort gefunden hatte.
»Sage, Ettore, hat Lissignolo nie etwas erfahren? Sie war doch oft so unvorsichtig, und es muß ihm doch aufgefallen sein, wenn sie so viel Geld vertan hat.«
Ettore zuckte die Achseln.
»Chi lo sà! Ich nicht. Es geht mich auch nichts an. Wie's sein mag, er kann froh sein, daß er diesen Ausbeuter endlich vom Halse kriegt!«
Sie sprachen noch eine Weile hin und her, dann verabschiedete sich Ettore liebenswürdig und heiter, wie ihn Elisabeth seit langem nicht gekannt hatte. Sie blieb allein und dachte noch über diese ganze unerquickliche Geschichte nach. Auch sie war froh, daß nun alles zum Ende gediehen schien, und ihr Staunen über Ettores Glücksempfindung wandelte sich in ein wärmeres Gefühl. Sie hatte ihm also doch wohl unrecht getan, wenn sie ihn für ganz oberflächlich, ja für sträflich leichtsinnig gehalten hatte! Heute merkte sie aus seiner überströmenden Heiterkeit, daß ihm die Sache doch näher gegangen war als es schien, daß er nur nach außen hin das Einverständnis mit der Schwester gewahrt hatte, während er sie in seinem Herzen verurteilte, wie jeder anständige Mensch sie verurteilen mußte. So dachte Elisabeth und fühlte sich ihrem Manne wieder näher, schämte sich sogar ein wenig, daß sie ihm im stillen unrecht getan hatte.