Ruhig und freundlicher als sonst gingen jetzt die Tage im Palazzo Priuli dahin. Auch aus den Gemächern der Gräfin vernahm man keine Szenen und kein Toben mehr. Eleonore kam entweder nicht zur Mutter, oder wenn sie kam, dann beherrschte sie sich oder begann vielleicht wirklich ruhig zu werden … So vergingen Wochen. Ettore blieb in seiner guten, befreiten Stimmung, besuchte seine Schwester öfters und erzählte seiner Frau jedesmal, daß Eleonore einen durchaus vernünftigen Eindruck mache.

»Das heißt, ganz wie sonst ist sie noch nicht, aber das wird schon noch kommen. Jedenfalls ist's ein Glück, daß mein Schwager diesen Blutsauger los ist! Der hätte den guten Lissignolo noch ruiniert!«

Eines Abends, als Ettore just ausgehen wollte, ertönte das Telephon. Ettore, in der sicheren Erwartung, daß irgendein Klubfreund ihn anrief, nahm den Hörer und schmetterte vergnügt seinen Namen in das Schallrohr hinein. Er war etwas erstaunt, als anstatt des Klubfreundes sein Schwager sich meldete.

»Hallo, was gibt's denn? Was ist denn geschehen?«

Er fragte es gedankenlos und heiter, denn er konnte sich gar nicht vorstellen, was Lissignolo um diese Stunde von ihm wollte. Lissignolos Stimme antwortete:

»Ist Eleonore bei Euch oder bei ihrer Mutter?«

»Bei uns ist sie nicht! Aber vielleicht sitzt sie noch bei der mamma; warte einen Augenblick, ich lasse nachfragen!«

Er schickte den Diener zu der alten Gräfin und erfuhr, daß Eleonore heute überhaupt nicht gekommen war. Lissignolos Stimme zitterte, als er fragte:

»Ettore, kannst Du nicht für eine Viertelstunde zu mir kommen?«