»Ach nein, da ist nichts zu machen, das sitzt ihr zu tief im Blut! Das verstehen Sie nicht! Nicht wahr, Sie verzeihen, daß ich das offen sage! Aber Eleonore ist ganz anders. – Sie kann von diesem Menschen in alle Ewigkeit nicht lassen …«

»Aber was will sie denn neben ihm machen? Er kann sie ja doch nie heiraten und auch sonst – – Es ist eine trostlose Situation, in die sie sich da gestürzt hat.«

Lissignolo nickte.

»Trostlos! Und sie hat es doch, weiß Gott, schön bei mir gehabt; jeden Wunsch habe ich ihr an den Augen abgelesen und ihr alle Freiheit gelassen, die sie gewollt hat, und ihr jeden Tag die Hände mit Gold gefüllt, ohne je zu fragen, wofür sie es verbrauchte! Verbraucht hat sie ja auch genug, denn die Priuli können alle nicht sparen … An ihr hing ja auch nicht nur der Mensch da in Pisa, sondern noch – –«

Er brach ab, merkte trotz seinem Schmerz, daß er mehr gesagt hatte, als er dieser Frau sagen durfte. Elisabeth war es, als habe ihr jemand einen Schlag auf das Herz versetzt, und mit jener schreckhaften Hellseherei, die uns gerade im ersten Augenblick einer peinvollen Ueberraschung befällt, wußte sie sogleich, wie alles zwischen Ettore, seiner Schwester und seinem Schwager gewesen war. Ganz deutlich wußte sie nun, daß Ettore all die Zeit über durch die Hand der Schwester Lissignolo in Anspruch genommen hatte, und daß er, um sich Eleonoren für ihre Vermittlung dankbar zu bezeigen, stets allerlei Dienste bei ihren Heimlichkeiten geleistet hatte. Sie verstand jetzt auch, daß Eleonorens Flucht ihn nur darum so tief empörte, weil mit der Schwester ihm die Goldquelle entschwand, geradeso wie ihn die Versetzung des Leutnants nur deshalb so sehr entzückt hatte, weil er auf diese Weise den fordernden Andern erledigt glaubte. Wie sie das alles dicht aneinandergereiht vor sich stehen sah, fiel sie einen Augenblick Schwindel an, so als ob nichts um sie her fest an seinem Platze bliebe, sondern sich in surrendem Kreisen mit ihr drehe, um sie schließlich hinunterzuwerfen, in ein unfaßbares Nichts … Und während sie so saß, empfand sie mehr als sie dachte:

»O, wenn ich nie wieder die Augen aufmachen müßte, wenn ich so regungslos sitzenbleiben dürfte, bis ich in Asche zerfalle!«

Ein paar Minuten blieb es bedrückend still. Dann öffnete Elisabeth langsam die Augen, errötete, als sie auf Lissignolo fielen, ließ sie über ihn weggehen in die Weite des Zimmers hinein und fragte voll tiefer Beschämung:

»Wieviel? Wieviel ist …« (sie stockte, konnte sich kaum entschließen, die Frage zu tun) »wieviel ist Ettore Ihnen schuldig?«

»Ich weiß es nicht!«

Elisabeth beharrte aber leise und eindringlich: