»Sie wissen es wohl, Sie wollen es mir nur nicht sagen! Aber ich bitte Sie, nehmen Sie wenigstens diese Last von mir. Sie müssen doch begreifen, wie schrecklich mir der Gedanke ist, daß … Hätte ich eine Ahnung gehabt, daß Ettore von Ihnen Geld nimmt, so hätte ich lieber mein ganzes Vermögen darangesetzt oder wäre auf und davongegangen.«

Lissignolo, mit seinem eigenen Schicksal beschäftigt, fand Elisabeths Erregung nicht recht verständlich.

»Lassen Sie doch, Frau Lisa, lassen Sie doch! Das Geld hat mir nicht wehe getan und ist nun doch fort, gleichviel ob für den oder für jenen.«

Elisabeth senkte das Haupt und schwieg. Lissignolo meinte es gut und ahnte nicht, wie er sie erniedrigte, da er den Liebhaber seiner Frau und ihren Mann mit seinen Worten zusammenkoppelte.

Als Ettore mittags nach Hause kam, gab es zwischen dem Ehepaar eine heftige Szene. Elisabeth war vor Beschämung und Zorn außer sich, warf Ettore gleich die leidenschaftliche Frage entgegen:

»Warum hast Du mir nie gesagt, daß Du bei Deinem Schwager bettelst? Ich meine, Du hättest das wahrhaftig nicht nötig gehabt!«

Ettore war etwas verblüfft, ließ sich aber gar nicht aus der Fassung bringen. Er entgegnete gelassen, mit jener Geringschätzung im Ton, die er jetzt fast immer annahm, wenn er mit Elisabeth sprach:

»Carissima, das sind doch meine Angelegenheiten, die Dich nichts angehen. Eleonore ist meine Schwester und nicht die Deine, Lissignolo ist mein Schwager und nicht der Deine, – also! Was wir untereinander abmachen, geht dritte Personen nichts an, merke Dir das gefälligst! Uebrigens was hätt' ich denn tun sollen? Ein Priuli kann nicht so leben, wie Du Dir es in Deiner Kleinbürgerlichkeit einbildest, und wie ein kleiner, deutscher Leutnant lebt. Du hast das nie einsehen wollen, Du hast Deinen Geldschrank zugeschlossen, – ja, meine Liebe, da darfst Du Dich nicht wundern, wenn ich zu meinesgleichen gehe und bei denen das Verständnis suche, das meine Frau nicht für mich hat!«

»Das Verständnis? Du willst wohl sagen, das Geld, das Deine Frau nicht verspielen und vertun läßt!«