»Das will ich wohl, vorausgesetzt, daß Dein Mann nicht eifersüchtig ist!«
Elisabeth zuckte die Achseln. Carlo verstand, daß Ettore sich um das Tun und Treiben seiner Frau gar nicht bekümmerte. Er dachte bei sich:
»Wie töricht ist er, und wie unvorsichtig ist sie! Sie bedenkt offenbar gar nicht, daß ich ihre Aufforderung mißverstehen und mißbrauchen könnte. Dieser Bengel Ettore verdiente es wahrhaftig nicht besser, als daß seine Frau ihm ein paar schöne Hörner aufsetzt …«
Sie sprachen noch dies und jenes, aber nicht mehr gar zu viel, denn die Gegenwart der Gondolieri störte sie, und Venedig war auch schon so nahe, daß ein längeres Gespräch durch die Landung unterbrochen werden mußte.
Elisabeth dachte noch lange über ihr Gespräch mit Carlo nach, besonders über seine Behauptung, daß sie selbst mit verantwortlich sei für ihr Los. Dachte nach und sträubte sich immer noch, ihre Schuld einzugestehen, wenn es auch nur die Schuld eines schwärmerischen Herzens war. – – –
13.
Wie Ettore eines Mittags auf dem Markusplatz umherschlenderte, um die Fremden und die Auslagen der Geschäfte zu betrachten, fiel ihm schon von weitem eine Dame auf, die von der Riva herkam. Sie war groß und schlank und von jenem sicheren Auftreten, das ein ausschließliches Eigentum der Töchter Englands und Amerikas ist. Sie trug eine sehr elegante, helle Toilette, über dem phantastisch großen Hut einen flatternden, weißen Schleier und auf dem Arm einen winzigen, weißen King Charles, der ausschließlich aus glänzenden Hängeohren und einer rosa Atlasschleife zu bestehen schien. Ettore, dem ihre vom Schleier umflatterte Silhouette gefiel, faßte sie scharf ins Auge und bemerkte mit Vergnügen, daß sein Blick alsbald die gewünschte Wirkung tat.
Die Dame wandte den Kopf nach ihm, kniff die Augen ein wenig ein, als wolle sie ihn deutlicher sehen, und begann mit ihrem Hündchen eindringlich und zärtlich zu sprechen. Ettore lächelte und schritt mit der lässigen Eleganz, die ihn nie verließ, langsam der Fremden entgegen. Wie er näher kam, war's ihm plötzlich, als sei sie ihm gar keine Fremde, als müsse er irgend einmal diese Silhouette und dies Gesicht schon gesehen haben. Auch über die Dame ging es wie eine Erinnerung, sie faßte ihn ohne jede Koketterie, nur mit dem deutlichen Wunsch des Erkennens fest mit dem Blick, und so gingen sie Auge in Auge aneinander vorüber. Als jeder den andern etwa zwei Schritte hinter sich hatte, wurde es plötzlich klar in ihnen. Sie blieben stehen, machten kehrt, gingen mit ausgestreckten Händen, wenn auch noch ein wenig zögernd, aufeinander zu: