»Wen haben Sie geheiratet?«

»Meine Frau ist eine Deutsche, eine deutsche Offizierstochter!«

»Nein, wie romantisch!«

Ettore meinte in diesen Worten einen spöttischen Vorwurf zu spüren und beeilte sich, der Amerikanerin klarzumachen, daß seine Frau Vermögen in die Ehe gebracht hätte. Die Herzogin hörte ihm aufmerksam zu und meinte:

»Also nicht nur Romantik, sondern auch noch Geld! Wahrhaftig, Conte, Sie haben Ursache, mit Ihrem Los zufrieden zu sein! Mir scheint aber, Sie sind es nicht –«

»Ich war es bis heute!«

Es war ein klein wenig wahre Empfindung in dem, was Ettore da sagte, zum größten Teil aber war es nur die galante Schmachterei, die er hübschen Frauen gegenüber gerne anlegte. Die Herzogin täuschte sich auch über die Tragfähigkeit seiner Antwort nicht, wie sie sich überhaupt von ihm und seinesgleichen viel weniger täuschen ließ, als er meinte. Wohl blieb sie immer noch in Venedig ihm zuliebe, weil es ihr Spaß machte, mit ihm zu flirten, aber sie kannte ihm gegenüber weder tiefere Zuneigung noch gar irgendeine Absicht. Der Ehrgeiz ihres Lebens war an dem Tage gestillt worden, da sie Herzogin von Bressières wurde, jetzt dachte sie nur daran, ihre junge Witwenschaft zu genießen und entweder durch ihre Eleganz oder durch ihr Kunstmäzenatentum von sich reden zu machen. Sie war fest entschlossen, ihren Titel nicht gegen einen geringeren einzutauschen und sich überhaupt nur wieder zu vermählen, wenn ein Prinz aus regierendem Hause in Frage kam. Ettore aber verstand diese einfache amerikanische Psychologie nicht. Er bildete sich ein, daß er heute einen ungleich tieferen Eindruck auf Maud machte als damals, und er verwünschte immer wieder seine Ehe, die ihn nun daran hinderte, sein wahres Glück zu erreichen.

Maud sagte:

»Kann man Ihre Frau nicht einmal sehen? Ich bin doch sehr neugierig auf sie und möchte sie gerne kennen lernen!«