»Das klingt nicht enthusiastisch!«

»Wenn der Mensch acht Jahre lang verheiratet ist, blaßt der Enthusiasmus allmählich ab. Und dann müssen Sie wissen, meine Frau ist ein sehr merkwürdiges Wesen. Sehr kompliziert, sehr … sehr … ja, ich weiß nicht recht, wie ich Ihnen das beschreiben soll! Sie hat eine Seele, verstehen Sie?«

Maud sah ihn überrascht an.

»Natürlich hat sie eine Seele, die haben wir doch alle!«

»Ach nein, nicht so. Wissen Sie, was bei meiner Frau, bei einer deutschen Frau diese sogenannte Seele ist, das verstehen weder Sie noch ich. Das ist ein Vorwand, um einen bei jeder Gelegenheit zu hofmeistern, von oben herab zu nehmen oder gar mit tränenvollen Augen entsetzt anzusehen, selbst wenn man gar nichts getan hat. So eine Seele wird auf die Zeit einfach unerträglich, für mich wenigstens, und ich glaube, Maud, auch Sie könnten nicht mit einem Mann leben, der solch eine Seele hat!«

»Gott bewahr' mich davor! Ich habe so etwas zwar nie aus der Nähe gesehen, aber ich kann es mir schon ungefähr vorstellen. Ich hätte übrigens nicht geglaubt, daß die Deutschen sich immer noch mit solch antiquierten Dingen abgeben.«

Sie hätte gerne noch mehr von Ettores Ehe gehört, aber er ließ sich nicht auf diesem Thema festhalten. Die Stunde bei Maud war immer so schön, so heiter, daß er sie sich durch nichts verkümmern lassen wollte und alle peinlichen Gedanken draußen, vor dem Portal des Hotel Danieli, warten ließ. Und trübe Gedanken mehrten sich bei ihm von Tag zu Tag, denn aus Pisa kamen Jammerbriefe, und es gab fast unausgesetzt Streit zwischen Elisabeth und Ettore, denn Elisabeth fand, daß man sich von der verblendeten Eleonore endgültig losmachen müsse, während Ettore stets die Partei der Schwester nahm, sie entschuldigte und beklagte und immer wieder Geld für sie von seiner Frau forderte. Freilich sah er ein, daß es ihm auf die Länge nicht möglich sein würde, die Schwester samt ihrem Ausbeuter über Wasser zu halten, und sein ganzer Wunsch ging jetzt dahin, eine große, eine ungeheuer große Summe zu besitzen, so daß er für Jahre hinaus imstande gewesen wäre, die Hände der Schwester zu füllen, wann immer sie zu ihm kam. Wenn er jetzt in dieser Stimmung die Herzogin von Bressières sah, hätte er am liebsten höhnisch aufgelacht über sein eigenes Mißgeschick und seine eigene Torheit. Da saß die Frau vor ihm, die den unermeßlichen Reichtum in Händen hielt, und er war doch für immer getrennt von ihr, weil er damals nicht verwegen und stark genug gewesen war, sie zu halten, weil er, statt mit ihr um sie selber zu ringen, sie willig ausgegeben hatte, wegen einer sentimentalen Grille, die er selbst nicht mehr verstand. Weil ihm das Herz sehr voll war und man mit Maud über praktische Dinge gut reden konnte, erzählte er ihr auch von dem Schicksal seiner Schwester und jammerte über die trostlose Lage, in der sie sich befand, und in die sie auch allmählich ihre ganze Familie hineinzog. Maud meinte ruhig:

»Bieten Sie dem Menschen doch Geld, damit er außer Landes geht, weit fort, wo Ihre Schwester ihn nicht erreichen kann!«

»Eleonore liefe ihm nach, bis ans Ende der Welt!«

»Bis ans Ende der Welt, – das ist nur eine Redensart! Bleiben wir bei der Wirklichkeit, Conte! Wenn er sich morgen nach Südamerika einschifft, und sie erfährt es erst zwei Tage später, ist die Sache mit dem Nachlaufen schon bedeutend erschwert!«