»Schön,« sagte meine Wirthin, »sie sind mir weder gegeben noch verkauft worden, und doch habe ich sie auch nicht gestohlen. Ich fand den ursprünglichen Stamm auf folgende Weise. Eine alte schwarze Henne erschien eines Morgens ganz unerwartet vor unsrer Thür; wir begrüßten den Ankömmling mit Staunen und Freude; denn wir konnten zu dieser Zeit unter unsrer kleinen Colonie keinen einzigen Haus-Vogel aufweisen. Wir haben nie recht erfahren können, wie die Henne in unsern Besitz kam, vermuthen aber, daß eine landeinwärts reisende Auswandrer-Familie dieselbe unterwegs verloren haben muß; diese Henne legte zehn Eier und brütete sie glücklich aus; die kleine Brut war der Stamm von unsern Hühnern, und wir konnten bald unsre Nachbarn mit dergleichen Geflügel versorgen. Wir schätzen diese Vögel nicht blos wegen ihrer vorzüglichen Größe, sondern auch wegen der eigenthümlichen Weise, auf die wir sie erhalten haben, und die uns als ein Beweis von Gottes Fürsorge für unsre Angelegenheiten erschien.«
Sehr viel Unterhaltung gewährte mir die leichte Skitze, welche uns der Prediger eines Abends zum besten gab, als wir alle um ein prasselndes Holzfeuer herum saßen, das in dem, mit seinem steinernen Mauerwerk weit vorspringenden und zu beiden Seiten ziemlich tiefe Winkel bildenden Kamin hoch emporloderte.
Er bezog sich auf seine erste Ansiedlung und bemerkte Nachstehendes: —
»Es herrschte eine trostlose Wildniß von finstern dichtstehenden Waldbäumen, als wir zuerst unser Zelt hier aufschlugen, zu dieser Zeit war noch keine Axt an die Wurzel auch nur eines einzigen Baumes gelegt worden, noch kein Feuer, außer von umherstreifenden Indianern, war in diesen Wäldern angezündet worden.
»Ich kann immer noch den Ort zeigen, wo mein Weib und meine Kleinen ihr erstes Mal verzehrten und ihre schwachen Stimmen mit dankerfüllten Herzen zu jenem allmächtigen und barmherzigen Wesen erhoben, welches sie glücklich und wohlbehalten mitten durch die Gefahren des Oceans hierher geführt hatte.
»Wir glichen einer kleinen, in einer großen Wüste, unter dem besondern Schutze eines mächtigen Hirten, wandernden Heerde.«
»Ich habe Sie meine liebe junge Freundin,« (diese Worte galten meiner Gefährtin,) von den Entbehrungen und Mühseligkeiten im Busche sprechen hören; aber glauben Sie mir, Sie haben im Vergleich mit denen, die vor einigen Jahren hierher kamen, nur wenig davon erfahren.
»Fragen Sie nur meine ältern Kinder und meine Frau, wie beschaffen die Beschwerden und Mühseligkeiten des Buschsiedler-Lebens noch vor zehn Jahren waren, sie werden Ihnen sagen, daß sie Hunger und Kälte, und alle damit verbundne Uebel zu erdulden hatten, daß es zu Zeiten an jedem nöthigsten Nahrungs-Artikel fehlte. Was die feinen Lebensgenüsse und Luxus-Artikel anlangt, so wußten wir nichts davon; und wie konnten wir auch? wir waren weit von jeder Gelegenheit entfernt, dergleichen Dinge zu erlangen; Kartoffeln, Schweinfleisch und Mehl waren unsre einzigen Vorräthe, und oft gingen uns die beiden letztern aus, und es dauerte eine ziemliche Weile, ehe wir neue erlangen konnten. Die nächsten Mühlen waren dreizehn (englische) Meilen von uns entfernt, und der Weg dahin führte durch blos angedeutete Wald-Pfade; und überdies hatten wir keinen einzigen Ansiedler in der Nähe. Jetzt sehen Sie uns in einer gelichteten, völlig urbar gemachten Gegend, umgeben von blühenden Meiereien und entstehenden Dörfern; aber zu der Zeit, wovon ich spreche, war es nicht so; damals gab es weder Gewürzläden, noch Vorraths-Häuser, wir hatten keine Fleischbänke, keine gelichteten Meierein, keine Milcherei, keine Obstgärten; auf diese Dinge mußten wir geduldig warten, bis Fleiß und Betriebsamkeit sie herbeiführen würden.
»Unsre Kost bestand in nichts anderm, als eingepöckeltem Schweinfleisch, Kartoffeln und bisweilen in Brod zum Frühstück; Schweinfleisch und Kartoffeln bildeten unser Mittagsmahl, Kartoffeln und Schweinfleisch unsern Abendtisch, nebst einem Brei aus indianischem Korn für die Kinder. Bisweilen mußten wir uns mit Kartoffeln ohne Schweinfleisch, bisweilen mit Schweinefleisch ohne Kartoffeln begnügen; dies war unsre tägliche Kost im ersten Jahre. Nach und nach erhielten wir etwas Korn von unserm eignen Boden, woraus wir uns mittels einer Handmühle ein grobes Mehl bereiteten; denn wir hatten weder Wasser- noch Wind-Mühlen in unsrer Colonie, und gutes Brod war in der That ein Luxus-Artikel für uns, den wir nicht oft hatten.