Gepaart mit einer eigenthümlichen Zurückgehaltenheit und ernstem Temperament zeigen die Indianer in einigen Stücken zu gleicher Zeit einen Grad von kindischem Wesen. Ich gab dem Jäger und seinem Sohne eines Tages einige colorirte Kupferstiche, die ihnen viel Spaß zu machen schienen, denn sie lachten gewaltig über die modisch gekleideten Figuren. Nachdem sie das Haus verlassen, setzten sie sich auf einen gefallenen Baum, versammelten ihre Hunde um sich und breiteren vor jedem besonders die Gemälde aus.

Die armen Thiere, anstatt die bunt gekleideten Herren und Damen aufmerksam zu betrachten, streckten ihre Köpfe in die Höhe und leckten ihren Herren Hände und Gesicht; allein der alte Peter hatte sich einmal vorgenommen, daß die Hunde das Vergnügen der Gemäldeschau theilen sollten, daher drückte er sie mit der Nase auf die Kupferstiche, und hielt sie an ihren langen Ohren fest, wenn sie Miene machten, zu entweichen. Ich hätte den alten ernsten Indianer eines so kindischen albernen Benehmens kaum für fähig gehalten.

Diese halbcivilisirten Wilden scheinen gegenwärtig nicht mehr so eingenommen für bunten glänzenden Putz wie früher, und beobachten in ihrer Kleidung mehr einen europäischen Styl; es ist nichts Ungewöhnliches, einen Indianer in einen feinen Tuchoberrock und Pantalons gekleidet zu sehen, wiewohl ich gestehen muß, daß die weiten Ueberhemden, womit die Regierung sie versorgt, und die einen Theil ihrer jährlichen Geschenke bilden, ihnen weit besser stehen und bequemer sind. Die Squaws ziehen baumwollene oder wollene Röcke, Schürzen und Tücher, und andre dergleichen nützliche Artikel vor; wiewohl sie ihre Kleinen gern recht herausputzen, und ihre Wiegen-Decken mit Seide und Perlen sticken und an ihren Schultern Flügel von Vögeln befestigen. Wie viel Vergnügen machte mir die Erscheinung eines dieser indianischen Cupidos, der mit den Fittigen des amerikanischen Streitvogels, eines sehr schönen Thieres, geschmückt war. Der erwähnte Vogel ist unserm brittischen Buchfinken nicht unähnlich, nur daß die Farben seines Gefieders lebhafter sind; Brust und Unter-Federn der Flügel schmückt das glänzendste Carminroth, das mit Schwarz und Weiß schattirt ist. Man hat diesen Vogel deshalb Streit- oder Kriegs-Vogel genannt, weil er zuerst während des letzten amerikanischen Krieges in Canada erschienen ist, ein Umstand, der, meines Bedünkens, wohl verbürgt ist oder wenigstens allgemein Glauben gefunden hat.

Ueber Ihre Bemerkung, daß wir in den Urwäldern leicht zu einer Leibibliothek unsre Zuflucht nehmen dürften, konnte ich mich kaum des Lächelns enthalten. In einer Hinsicht, sind Sie in der That nicht so weit von der Wahrheit entfernt; denn die Bibliothek eines jeden Ansiedlers kann eine circulirende genannt werden, insofern die Bücher von einem Freund zum andern wandern; und glücklicher Weise haben wir einige recht wohl bestellte und reichhaltige Bibliotheken in unsrer Nachbarschaft, die uns stets offen stehen. Zu York ist eine öffentliche Bibliothek, allein von dieser können wir eben so wenig Gebrauch machen, als wenn sie sich auf der andern Seite des atlantischen Ozeans befände.

Ich weiß recht gut, wie sich die Sache verhält; in der Heimath hat man dieselbe Vorstellung von der Leichtigkeit, in diesem Lande zu reisen, die ich ehemals hatte; jetzt aber weiß ich, was Busch-Straßen sind, eine Reise von nur wenigen Stunden scheint ein abentheuerliches verhängnißvolles Unternehmen. Erinnern Sie sich wohl meines Berichtes von einer Tagereise durch den Wald? Es thut mir leid, sagen zu müssen, daß sich die Wege seitdem nur wenig verbessert haben. Ich habe nur noch einmal eine ähnliche Fahrt gewagt, die mir mehre sehr beschwerdevolle Stunden verursachte, und mehr durch gutes Glück als in Folge eines andern Umstandes langte ich ganzbeinig an dem Orte meiner Bestimmung an. Ich mußte dabei über die häufigen Betheuerungen des Wagenlenkers, eines schlauen Burschen aus Yorkshire, lachen: »— O! wenn ich nur seine Excellenz den Gouverneur über diese Straße zu fahren hätte, wie wollte ich die Pferde über diese Stummel und Steine traben lassen;« aber bald darauf schrie er wieder: »Ich wette, er würde alles dafür thun, ehe er wieder darauf führe.«

Unglücklicher Weise haben wir auf dieser Seite des Flusses keine von der Regierung angelegte Straße; sie ist blos von den Ansiedlern zu größrer Bequemlichkeit durch den Wald gehauen worden, daher ich fürchte, daß nichts zu ihrer Verbesserung gethan werden dürfte, wofern die Einwohner nicht selbst Hand anlegen.

Wir hoffen bald einen nähern Markt für unser Getraide zu haben, als Peterborough ist; eine Kornmühle ist erst kürzlich in dem neuen Dorfe errichtet worden. Dies wird ein großer Vortheil für uns sein. Die Herbeischaffung von Mehl auf den schlechten Fahrwegen verursacht großen Kostenaufwand, und der Zeitverlust, den diejenigen erleiden, welche ihren Weizen zum Mahlen nach der Stadt senden müssen, ist ein großes Uebel; allein das wird bald anders werden, zur großen Freude der ganzen Nachbarschaft.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig dergleichen Verbesserungen sind, und welchen Einfluß sie auf Ermuthigung des Emigranten haben, wozu noch kommt, daß sie den Werth seines Besitzthums in keinem geringen Grade vermehren; wir haben uns bereits von den Vortheilen überzeugt, welche die Nähe der Sägemühle für uns hat, indem wir nunmehr nicht nur billiger bauen sondern auch rohe Stämme gegen zugeschnittnes Holz austauschen können. Die großen Fichtenstämme, welche unter andern Umständen nichts als ein Hinderniß bei Lichtung des Bodens sein würden, sind, wenn sie in der für die Behandlung auf der Sägemühle erforderlichen Form gefällt werden, was sich leicht thun läßt, wo sie in der Nähe des Wassers stehen, sehr gewinnbringend, die Stämme müssen eine gewisse Länge haben und werden von Ochsen während des Winters, wenn der Boden fest gefroren ist, hart an den Rand des Sees geschleift; sobald das Eis aufbricht, schwimmen die Baumstämme mit der Fluth stromabwärts und gelangen so in den Mühlgraben; ich habe den See unsern Fenstern gegenüber mit dergleichen schwimmenden, auf seinem Wege zur Sägemühle begriffnen Holze bedeckt gesehen.

Wie schätzbar würden die großen Eichen und riesenhaften Fichten in einem englischen Besitzthum sein; während man sie hier nicht mehr achtet, als man in der Heimath kleine unbedeutende Bäumchen achtet. Einige Jahre später dürfte man indeß die gewaltigen Stämme welche jetzt verbrannt werden, im Bauwesen vermissen. Die Eichen eignen sich vorzüglich zu Umpfählungen und Gitterwerk, weil ihr Holz sehr dauerhaft ist; Fichten, Cedern und weiße Aeschen werden vorzüglich zu Schlagbäumen und dergleichen verwendet; Ahorn und Buchen liefern das beste Brenn-Holz; weiße Aesche brennt gut. Zur Bereitung von Seifenlauge nimmt man keine andre, als Asche von hartem Holz: als Eiche, Aesche, Ahorn und Buche; alle harzhaltige Bäume taugen nicht zu diesem Behuf, die Lauge von dergleichen Asche verbindet sich beim Sieden nicht mit dem Fett, zum großen Verdruß des nicht eingeweihten Seifensieders, der, hätte er den eben erwähnten Umstand gekannt, viel Zeit und Mühe, und, was das Wichtigste ist, viel von dem seit Monaten sorgfältig gesammelten Material erspart haben würde.

Die Frau eines amerikanischen Ansiedlers erzählte mir dies und rieth mir, bei Bereitung meiner Seifenlauge sorgfältig alle Fichten-Asche auszuschließen. Und hier muß ich bemerken, daß unter allen Ansiedlern die Yankies, wie sie genannt werden, die fleißigsten und erfindungsreichsten sind; sie sind nie wegen eines Auskunftsmittels in Verlegenheit; wenn ihnen der eine Plan fehl schlägt, so ergreifen sie mit einer Gedankenschnelligkeit, die mich mit Staunen erfüllt, während sie bei ihnen ganz natürlich zu sein scheint, einen andern. Sie scheinen eine Art angeborner Geistesgegenwart zu besitzen, und, anstatt ihre Energie in Worten darzuthun, handeln sie.