Die alten Ansiedler, welche lange unter ihnen gewesen, scheinen sich dieselben Gewohnheiten anzueignen, so daß es schwer hält, sie von den Yankies zu unterscheiden. Ich habe die Amerikaner ein geschwätziges Volk nennen hören; allein, so weit meine Bekanntschaft mit ihnen reicht, möchte ich sie vielmehr für laconisch halten, und wenn ich sie nicht recht leiden kann, so ist vielmehr ihr kaltes kurzangebundnes Benehmen daran schuld, welches eine Schranke zwischen uns zu ziehen scheint.
Die Bemerkungen eines wandernden Uhrmachers, aus dem Staate Ohio gebürtig, befremdete mich ein wenig. Nachdem er nämlich die Vorzüglichkeit des Ohio-Klimas in Vergleich mit dem unsrigen (in Canada) gerühmt, sagte er, in Beantwortung einiger von meinem Gatten an ihn gerichteten Fragen; er wundre sich, daß alle Leute von feiner Bildung Canada, besonders den Busch, wo sie manches liebe Jahr hindurch alle höheren Annehmlichkeiten und verfeinerten Genüsse des Lebens entbehren müßten; den reichen, halbcultivirten und fruchtbaren Ohio-Staat, wo man noch dazu Land, sowohl wildes als gelichtetes, weit billiger kaufen könne, vorzögen.
Hierauf antworteten wir, daß erstens brittische Unterthanen lieber unter brittischer Botmäßigkeit ständen, und daß dieselben überdies den Sitten seiner Landsleute abgeneigt wären. Er erkannte freimüthig den ersten Einwurf als richtig, bemerkte aber hinsichtlich des andern daß man die Amerikaner im Allgemeinen nicht nach den einzelnen, in den brittischen Colonien vorkommenden Beispielen beurtheilen dürfe. Da letztere in der Regel Leute von eben nicht sonderlichem Ruf wären, viele derselben hätten sich Schulden oder andrer schlechter Streiche wegen, nach Canada geflüchtet; »es wäre hart,« fügte er hinzu, »wenn man die Engländer nach den nach Botany-Bay transportirten Verbrechern beurtheilen wollte.«
Nun war nichts Ungefälliges oder Rohes in dem Benehmen dieses Fremden, und die Vertheidigung seiner Nation war ruhig und vernünftig, mit einem Wort von der Art, daß jeder Vorurtheilsfreie ihn deswegen nur achten mußte.
So eben unterbricht mich ein Freund und sagt mir, daß er Gelegenheit habe, eine portofreie Sendung nach London oder Liverpool zu machen, und daß er in der Kiste, die er für England packe, ein Packet von mir einschließen wolle.
Das Anerbieten ist mir sehr willkommen, nur bedaure ich, daß ich nichts als einige Blumen-Samen, einige indianische Fabrikate und etliche Schmetterlinge zu senden habe — die letzten sind für Jane bestimmt. Ich hoffe, daß nicht alle das Schicksal der letzten theilen werden. Sarah hat mir geschrieben, daß sie von der grünen Nacht-Eule, die ich das letzte Mal in der kleinen Schachtel mitgeschickt, nichts weiter gefunden habe, als etwas Staub und einige rothe Füße. Es ist mir, jedoch nicht ohne Schwierigkeit geglückt, ein andres und schöneres Exemplar zu erlangen; aber, aus Furcht, daß ihm ein ähnliches Schicksal widerfahren könnte, will ich wenigstens durch nachstehende Beschreibung das Andenken seiner Schönheit zu erhalten suchen.
Er mißt von einer Flügelspitze zur andern gerade fünf Zoll; der Leib ist so dick, wie mein kleiner Finger, schneeweiß und mit langem seidnen Haar bedeckt; die Beine und Fühlhörner sind hellroth, letztere sind auf den beiden Seiten gezahnt wie ein Kamm; beide Flügel, Ober- und Unter-Flügel zeichnen sich durch schönes Blaßgrün aus, und haben an den Rändern goldne Franzen; jeden Flügel schmückt ein kleiner Halbmond von Blaßblau, Roth und Orangenfarben; das Blau nimmt die Mitte ein, wie ein halbgeschloßnes Auge; die untern Flügel sind tief ausgeschnitten, sie bilden dergestalt zwei lange Schwänze, wie bei dem sogenannten Schwalbenschwanz (Schmetterling) von ungefähr einem vollen Zoll in Länge, und sind tief gefranzt; mit einem Wort, dieser Schmetterling ist das reizendste Insekt, welches ich je gesehn habe.
Wir besitzen eine große Mannigfaltigkeit an Pfauenaugen (Schmetterlinge), die sich durch Farbenpracht und unzählige Augen auf den Flügeln auszeichnen. Der gelbe Schwalbenschwanz, der schwarz und blaue Admiral, und der roth, weiß und schwarze Admiral, nebst manchen andern prächtigen Varietäten, die ich nicht beschreiben kann, sind ebenfalls sehr gemein. Der größte Schmetterling, den ich bis jetzt gesehn, zeichnet sich durch ein muntres Vermilion aus, welches durch ein über seine großen Schwingen verbreitetes Netz von schwarzen Linien noch mehr hervorgehoben wird.
Das Libellen-Geschlecht anlangend, so haben wir dergleichen von jeder Größe, Gestalt und Farbe. Vorzüglich erfreute mich ein Pärchen prächtig blauer, die ich häufig auf meinen Spaziergängen sah, wenn ich meine Schwester besuchte. Sie waren so groß wie Schmetterlinge, mit schwarzen Flor-Flügeln, auf jedem Flügelpaar prangte ein mit Scharlachroth schattirter Halbmond vom glänzendsten Azurblau; der Leib dieser schönen Thierchen war ebenfalls blau. Außerdem bin ich auf scharlachfarbne und schwarze, gelb und schwarze, kupferfarbne, grüne und braune gestoßen; letztere sind große Feinde der Musquitos und andrer kleiner Insekten und schwärmen des Abends in Aufsuchung von Beute in großen Schaaren überall umher.
Die Feuerfliegen dürfen nicht vergessen werden, denn unter allen andern sind sie die merkwürdigsten, ihre Erscheinung kündet gemeiniglich Regen an; man sieht sie oft, nach Eintritt der Dunkelheit, an milden feuchten Abenden, zwischen den Cedern am Saume der Wälder, und besonders in der Nähe von Lachen und Sümpfen umherschwärmen, und sie erleuchten die Luft mit ihrem glänzenden tanzenden Lichte. Bisweilen sieht man sie in Gruppen, gleich Sternschnuppen in der mittlern Luftregion schweben, oder so tief herabsteigen, daß sie in die Zimmer gerathen und um die Bett- und Fenster-Vorhänge herumgaukeln; das Licht, welches sie verbreiten ist heller und glänzender als das des Johanniswürmchens, aber es geht auf dieselbe Weise, wie bei diesem von dem untern Theile des Leibes aus. Auch das Johanniswürmchen ist keine seltne Erscheinung, man sieht es sogar noch im September, versteht sich in milden, warmen, thauigen Nächten.