Abermals sollte ich in meiner Erwartung, das Ufer zu betreten, getäuscht werden. Der besuchende Arzt rieth meinem Gatten und mir, ja nicht ans Land zu gehen, indem die immer noch in der Stadt herrschende Sterblichkeit dies sehr gefährlich mache. Er gab uns eine traurige Schilderung von dem Platze. »Oede und Wehe und große Trauer, — Rahel beweint ihre Kinder, denn sie sind nicht mehr!« sind Worte, die man passend auf diesen von der Seuche heimgesuchten Ort anwenden kann.
Nichts ist wohl imposanter als die Lage von Quebek, welche die Seiten und den Gipfel eines großartigen Felsen einnimmt, auf dessen höchstem Punkte (Cap Diamant) das Castell steht, welches den Fluß beherrscht und eine treffliche Aussicht auf die umgebende Gegend gewährt. Die Einbuße dieses edeln Anblicks war mir in der That sehr unlieb, und gewiß dürfte mir nie seines Gleichen vorkommen; er würde noch lange in meiner Erinnerung fortgelebt und, nachdem ich bereits Jahre lang in der Einsamkeit der canadischen Wälder begraben gewesen, meinen Augen vorgeschwebt haben.
Die Anhöhen gegenüber, die sogenannte Point Levi-Seite, sind höchst malerisch, jedoch weniger gebietend als der Felsen, vorauf die Stadt steht. Das Ufer ist steinig, abschüssig und mit Bäumen bekleidet, die sich bis an den Rand des Wassers erstrecken, ausgenommen da, wo sie gefällt worden sind, um weißübertünchten Hütten, Gärten und Obstpflanzungen Platz zu machen. Allein meiner Ansicht nach würde diese höchst romantische Lage eine noch weit schönere Wirkung hervorbringen, wenn man auf die Gebäude und Anlage des Bodens mehr Geschmack verwendet hätte. Wie reizend und anziehend würde ein solcher Platz in England oder Schottland geworden sein. Die Natur hat hier alles gethan, der Mensch aber nur wenig, und die hier und da von ihm errichteten plumpen hölzernen Häuser, welche eben so elend als geschmacklos sind, geben ihm eben keine Ansprüche auf Lob. Es ist indes möglich, daß weiter aufwärts hübsche Dörfer und Häuser vorkommen, die jedoch durch die dazwischen liegenden Wäldchen dem Auge entzogen werden.
Von Point Levi bis zu den Landungsstufen unterhalb des Zollhauses in Quebek soll der Fluß gerade eine englische Meile breit sein; es war sehr unterhaltend für mich, die Fährböte zwischen den beiden Ufern spielen zu sehen. Wie mir der Capitain sagte, sind hier nicht weniger als zwölf dergleichen seltsam aussehende Maschinen im Gange. Sie haben jedes seine bestimmten Stunden, so daß man sie in fortwährender Aufeinanderfolge kommen und gehen sieht. Die Zusammengruppirung von allerlei Passagiren macht ihren Anblick ebenfalls eigenthümlich; schlecht- und gutgekleidete, alte und junge, arme und reiche Leute;
Rinder, Schafe, Pferde, Schweine und Hunde, Geflügel, Marktkörbe, Gemüse, Früchte, Heu, Korn, kurz Alles, was man sich nur denken kann, gleiten darauf über den Fluß.
Die Fährböte sind flach, rings herum mit Gitterwerk als Brustwehr versehen, und haben an jedem Ende ein Weiden-Flechtwerk zur Aufnahme der lebendigen und leblosen Ladung; die Mitte des Bootes, wenn man es so nennen kann, nehmen vier magre, abgetriebne Pferde ein, die im Kreise gehen, wie bei einer Dreschmaschine, und die Ruderschaufeln zu beiden Seiten in Bewegung setzen. Für das Vieh ist eine Art Hürde da.