Unsre Fahrt war höchst angenehm; das Wetter war mäßig warm, und die Luft völlig rein und heiter. Wir haben während der letzten wenigen Tage eine kalte, feuchte Atmosphäre, wie wir sie oft während des Frühlings in England erfahren, mit einem wonnevollen, durch leichte, vom Flusse her wehende Lüftchen gekühlten Sommer vertauscht.

Je weiter wir landeinwärts kommen, desto fruchtbarer erscheint die Gegend. Die Saaten reifen unter einem milderen Klima, als das unterhalb Quebek ist. Wir sehen Felder mit indianischem Korn in voller Blüthe; eine stattliche Getraideart, mit schöner federartiger, reich purpurfarbiger Aehre, unter welcher sich Büschel von blaßgrünen, seidenähnlichen Blättern im Winde hin- und herbewegen. Nachdem diese Pflanze ihre völlige Reife erlangt hat, soll es ein schöner Anblick sein, die goldnen Körner aus ihrer Silber-Scheide hervorbersten zu sehen; zugleich ist dieselbe dem Froste sehr ausgesetzt und hat manche Feinde: als Bäre, Racuns (Waschbäre), Eichhörnchen, Mäuse, Vögel u. s. w.

Wir sehen längs den Ufern des Flusses mehre Tabacks-Felder, welche einen gesunden und gedeihlichen Anblick zeigen. Wie ich glaube, wird in beiden Provinzen Taback in ziemlicher Ausdehnung erbaut; allein der canadische Taback wird nicht so hoch geschätzt, als der virginische.

An der Vereinigungsstelle des Richelieu Flusses mit dem St. Laurence liegt eine blühende Stadt, vormals Sorel, jetzt aber Fort William Henry genannt. Ihre Lage ist vortrefflich. Sie hat mehre Kirchen, ein Castell mit Mühlen und andern öffentlichen Gebäuden, und darunter einige schöne massive Häuser. Der Boden in der unmittelbaren Nähe der Stadt indeß scheint leicht und sandig zu sein.

Ich hatte sehr gewünscht ein Log-Haus oder eine Shanty (Hütte) in der Nähe zu sehen, und fand mich hinsichtlich der wenigen, längs den Ufern des Flusses errichteten Gebäude dieser Art etwas in meinen Erwartungen getäuscht; es war nicht sowohl die Rohheit des Materials als vielmehr die scheunenartige Form derselben, und die geringe Rücksichtsnahme auf malerische Wirkung in ihrer Anlage, welche mir mißfielen. In England besitzt selbst der Bauer so viel Geschmack, einige Rosen- oder Geisblatt-Sträucher vor Thür und Fenster zu pflanzen, wozu noch ein kleines eingefriedigtes schmuckes Gärtchen kommt; aber hier gewahrt man keinen solchen Versuch zur Verschönerung der Hütten. Wir sehen keinen lachenden Obstgarten oder Strauch, der die nackten Holz-Wände verdeckte; und was die kleinen Meiereien anlangt, so sind sie noch häßlicher und ohne allen Geschmack dicht an den Wasserrand gebaut.

Weiter nach hinten erscheint ein verschiedner Bau- und Cultur-Styl: die Meiereien und hölzernen Häuser sind recht hübsche, von gutem Geschmack zeigende Gebäude, mit hier und da ausgestreuten Baumgruppen zur Unterbrechung der Einförmigkeit.

Das Land ist eine fast ununterbrochne platte Ebne, und augenfällig fruchtbar und gut angebaut, aber zu flach, um eine malerische Wirkung hervorzubringen. Die Gegend zwischen Quebek und Montreal hat ganz das Ansehen eines seit langer Zeit unter Cultur befindlichen Bodens, vorzüglich auf dem rechten Flußufer. Indeß ist noch ein großer Theil Wald übrig, dessen Lichtung noch vieljährige Arbeit erheischen wird.

Wir kamen an einigen grasreichen Eilanden vorbei, worauf manche Viehheerde weidete. Ich zerbrach mir den Kopf, wie sie dahin kämen; der Capitain erklärte mir aber, daß es Brauch der Meierei-Besitzer sei, ihr Vieh auf diese futterreichen Inseln in Nachen mit flachen Böden zu transportiren oder, wo es nicht zu tief sei, hinüber schwimmen, und es so lange, als das Futter gut befunden werde, dort zu lassen. Werden Kühe auf ein Eiland, innerhalb einer angemeßnen Entfernung von der Meierei, versetzt, so geht täglich jemand in einem Kahne dahin ab, um sie zu melken. Als er mir dies erzählte, ruderten eben ein Knabe und ein stämmiges Mädchen, mit zinnernen Gelten, in einem kleinen Nachen vom Ufer her quer durch den Fluß, um ihre Heerden zusammen zu rufen.

Auf unsrer Weiterfahrt bemerkten wir zur Rechten einige höchst anmuthige Dörfer, aber unser Lootse war etwas einfältig und konnte oder wollte uns ihre Namen nicht nennen. Es war Sonntags früh; wir konnten eben das Läuten der Kirchthurm-Glocken vernehmen, und es zeigten sich lange Reihen von Caleschen, leichten Wagen, Reitern und Fußgängern, welche durch die zum Kirchhof führende Allee vorübereilten; außer diesen glitten Boote über den Fluß, welche demselben Friedens-Hafen zusteuerten.

In einem Theil des St. Laurence, wo Untiefen und Sandbänke die Fahrt durch das Flußbett schwierig machen, gewahrt man kleinen Wassermühlen ähnelnde Leuchtthürme, auf hölzernen Pfählen, die sich über die flachen Ufer erheben, auf welchen sie errichtet sind. Diese drolligen Thürme oder Hüttchen waren bewohnt, und von einem derselben herab sahen wir eine lustige Gesellschaft, in ihrem Feststaate, mit einer andern in einem unten haltenden Kahne zur Kurzweil plaudern. Ihrem Aeußern nach waren sie wohl, und in der That recht vergnügt, indeß beneidete ich ihnen ihre Lage nicht, die, meines Bedünkens, der Gesundheit nicht anders als nachtheilig sein kann.