Vierter Brief.

Landung zu Montreal. — Erscheinung der Stadt. — Verheerungen der Cholera. — Wohlthätigkeits-Anstalten zu Montreal. — Katholische Cathedrale. — Unter- und Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. — Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. — Abreise von Montreal im Postwagen. — Einschiffung zu Lachine an Bord eines Dampf-Schiffes. — Abwechselndes Reisen in Dampfschiffen und Postwagen. — Erscheinung des Landes. — Manufacturen. — Oefen, in einiger Entfernung von den Hütten. — Zieh-Brunnen. — Ankunft zu Cornwall. — Bedienung im Gasthause. — Abreise von Cornwall, und Ankunft zu Prescott. — Ankunft zu Brockwille. — Dasiger Stapelplatz. — Reise durch den See Ontario. — Ankunft zu Cobourg. —

Nelson Hotel, Montreal. August 21.

Wieder einmal auf festem Grund und Boden, Theuerste Mutter! welches eigenthümliche Gefühl ist es doch, das feste Land wieder zu betreten, erlößt von der schwankenden Bewegung des Schiffes auf dem wogenden Wasser, dem ich jetzt wirklich mit Freuden Lebewohl sagte.

Mit Tagesanbruch war Jedermann an Bord aus dem Bette und traf geschäftig alle Vorbereitungen, ans Land zu gehen. Der Capitain selbst gab uns verbindlichst das Geleite und ging mit uns bis zum Gasthof, wo wir jetzt logiren.

Es machte uns einige Schwierigkeit, ans Ufer zu gelangen, wegen der schlechten Beschaffenheit des Landungsplatzes. Der Fluß war mit treibenden Baumstämmen gefüllt, zwischen welchen das Boot hindurchzusteuern, einige Geschicklichkeit erforderte. Es wird jetzt ein Kai gebaut[6], dessen Nothwendigkeit sich nur zu fühlbar gemacht hat.

Zunächst fielen uns die schmuzigen, engen, schlecht oder gar nicht gepflasterten Straßen der Vorstädte auf, und zugleich betäubte uns der niedrige, aus einem tiefen, offnen, längs der Straße hinter dem Kai verlaufenden Graben aufsteigende Dunst. Dieser Graben schien zur Aufnahme jedes Unflathes bestimmt und an sich allein hinreichend, die ganze Stadt mit bösartigen Fiebern zu inficiren[7].

Bei meiner ersten Bekanntschaft mit dem Innern von Montreal, einem Orte, wovon Reisende so viel gesagt haben, fand ich mich sehr getäuscht. Ich verglich es in Gedanken mit den Früchten des todten Meeres, die schön und lockend anzuschauen sind, aber blos Asche und Bitterkeit geben, wenn sie der durstige Reisende kostet[8].