In den Vorstädten von Cumana und auf der Halbinsel Araya leben zweitausend Guayquerier. Unter den übrigen genannten Stämmen sind die Chaymas von den Bergen von Caripe, die Cariben von Neu-Barcelona, und die Cumanagatoer in den Missionsanstalten von Piritoo die zahlreichsten.

Die Sprache der Guaraounoer, so wie die der Cariben, Cumanagatoer und Chaymas werden am allgemeinsten gesprochen und scheinen einer und derselben Wurzel anzugehören.

Obgleich die zu den Missionen gehörigen Indianer sämmtlich Ackerbau treiben, die nehmlichen Pflanzen cultiviren, ihre Hütten auf dieselbe Weise erbauen, und die nehmliche Lebensweise führen, so bleiben doch die Nüancen, wodurch sich die verschiedenen Stämme von einander unterscheiden, unverändert. Es giebt nur sehr wenige Dörfer, worin die Familien nicht verschiedenen Stämmen angehörten und nicht verschiedene Sprachen sprächen.

Die Missionäre haben in der That verschiedene Gebräuche und Ceremonien verboten und manchen Aberglauben verbannt, allein sie sind nicht im Stande gewesen, den wesentlichen Charakter, welchen alle amerikanische Racen von der Hudsons Bay an bis zur Magellanschen Straße mit einander gemein haben, zu verändern.

Der unterrichtete Indianer, welcher sicherer auf seinen Unterhalt zählen kann, als der ungezähmte Eingeborne, und weniger der zügellosen Wuth feindlicher Nachbarn oder dem Ungestüm der Elemente ausgesetzt ist, führt ein einförmigeres Leben, besitzt die Charaktermilde, welche aus der Liebe zur Ruhe entspringt, und nimmt eine ruhige und geheimnißvolle Miene an; allein sein Ideenkreis hat keine große Erweiterung erfahren, und der Ausdruck von Melancholie, den seine Gesichtszüge darbieten, ist einzig und allein die Folge der Trägheit und Unempfindlichkeit.

Die Chaymas, wovon mehr als funfzehntausend die spanischen Dörfer bewohnen und die gegen Westen an die Cumanagatoer, gegen Osten an die Guaraounoer, und gegen Süden an die Cariben stoßen, haben einen Theil der hohen Berge Cocollar und Guacharo, so wie auch die Ufer des Guarapiche, Rio Colorado, Areo und den Cano von Caripe inne.

Der erste Versuch, sie der Cultur zu unterwerfen, wurde in der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts vom Pater Francisco aus Pamplona, einem sehr eifrigen und unerschrockenen Mann, gemacht. Die nach und nach unter diesem Volke errichteten Missionsanstalten erlitten in den Jahren 1681, 1697 und 1720 durch die Einfälle der Cariben bedeutende Verluste; von 1730 an wurde die Bevölkerung durch die Verheerungen der Bocken vermindert.

Sie haben von Natur sehr wenig Haar am Kinn, und das wenige, welches erscheint, wird sorgfältig ausgerissen. Dieser geringe Bartwuchs ist der amerikanischen Rasse gemein, wiewohl es Stämme giebt, z. B. die Chipewas und Patagonier, bei denen der Bart eine bedeutende Größe erreicht.

Die Chaymas führen ein sehr regelmäßiges und einförmiges
Leben. Sie gehen um sieben Uhr zu Bett und stehen halb fünf Uhr auf. Das Innere ihrer Hütten halten sie äußerst rein, und ihre Hängmatten, Geräthschaften und Waffen befinden sich in der größten Ordnung. Sie baden sich jeden Tag, und da sie im Allgemeinen nackt gehen, so sind sie von dem Schmuze frei, welcher hauptsächlich durch die Kleidung verursacht wird. Außer ihrer Hütte im Dorfe haben sie gewöhnlich an einem einsamen Orte in den Wäldern eine kleinere, die mit Palmen- oder Pisangblättern bedeckt ist, und in welche sie sich, so oft als es nur immer geht, zurückziehen, und so stark ist in ihnen der Wunsch, die Aehnlichkeiten eines wilden Lebens zu genießen, daß die Kinder oft Tage lang in den Wäldern umherziehen, und wirklich sind die Städte oder Dörfer bisweilen ganz verlassen. Wie bei allen barbarischen Nationen ist das weibliche Geschlecht Entbehrungen und Beschwerden ausgesetzt, der schwerste Theil der Arbeit fällt ihm zu.

[18] »Not loud but deep,« eine sprüchwörtliche Redens-Art.