Wir hatten so viel von den gehässigen Sitten der Yankies in diesem Lande gehört, daß ich mich durch die wenigen Beispiele von eingebornen Amerikanern, die mir zu Gesicht kamen, viel mehr angenehm überrascht fand. Sie waren größtentheils höfliche, anständige Leute. Die einzigen Eigenheiten, die ich an ihnen bemerken konnte, waren ein Nasen-Ton beim Sprechen und einige wenige seltsame Phrasen; allein diese sind blos unter den niedrigeren Klassen gebräuchlich, die etwas mehr rathen und calculiren[20] als wir. Einer ihrer merkwürdigsten Ausdrücke ist das Zeitwort »Fix,« (festsetzen, befestigen, bestimmen). Alles, was zu thun oder zu verrichten ist, muß fixirt (fixed) werden. »Fix the room,« bedeutet: das Zimmer in Ordnung bringen. »Fix the table,« (decke den Tisch), »Fix the fire,« (schüre das Feuer an), sagt die Hausfrau zu ihren Mägden, und alles geschieht dem Befehle gemäß.

Viel Spaß machte es mir, als ich eines Tages eine Frau zu ihrem Mann sagen hörte, daß der Schornstein fixirt werden müsse (wanted fixing). Ich hielt ihn für fest und sicher genug und war nicht wenig überrascht, als der Hausherr einen Strick und einiges Cedern-Reisig herbeiholte, und damit den in der Esse angehäuften Ruß entfernte, welcher das Feuer rauchen machte. Der Schornstein war bald fixirt (gereinigt), und das Rauchen hatte ein Ende. Diese seltsame Art, sich auszudrücken, herrscht nicht allein unter den niedrigen Klassen, sondern hat, weil man dergleichen so oft hört, allgemeine Aufnahme gefunden, und wird sogar von den in letztrer Zeit hier angesiedelten Emigranten aus unserm Vaterlande gebraucht.

Mit Ausnahme einiger befremdenden Ausdrücke, und eines Versuchs, feine Redens-Arten in ihre gewöhnliche Conversation einzuführen, behaupten die Yankies, was grammatische Richtigkeit anlangt, einen entschiednen Vorrang vor unsern englischen Bauern. Sie sprechen ein besseres Englisch, als man von Leuten desselben Standes in irgend einem Theile von England, Irland oder Schottland hört; obwohl man, meines Bedünkens, dies zu Hause nicht gern zugeben möchte.

Wenn mich Jemand fragen sollte, welche Züge mir an den Amerikanern, auf die ich bis jetzt gestoßen, am meisten auffallen, so dürfte ich antworten: »Kälte, die sich der Apathie nähert.« Ich will damit keineswegs behaupten, daß es ihnen an Gefühl und wahrer Gemüthlichkeit fehle; allein sie lassen ihre Bewegung nicht sehen. Sie sind nicht so verschwenderisch mit ihren Freundschaftsbezeugungen und Begrüßungen, wie wir, obwohl vielleicht eben so aufrichtig. Niemand bezweifelt ihre Gastfreundschaft; allein man verlangt doch bei alle dem nach einem herzlichen Druck der Hand oder einem freundlichen Wort, wodurch man sich willkommen fühlt.

Neue Ankömmlinge in diesem Lande sind sehr geneigt, die alten brittischen Ansiedler mit den eingebornen Amerikanern zu verwechseln, und, wenn sie auf rohe ungeschliffne Leute stoßen, die sich in ihrer Rede gewisser Yankie-Worte bedienen, und mit ihrer, den aristokratischen Begriffen der vornehmen Engländer zuwiederlaufenden Unabhängigkeit prunken, sogleich annehmen, daß sie es mit wirklichen Yankies zu thun haben, während dieselben doch in der That blose Nachahmer sind; und Sie wissen wohl, Beste Mutter, daß eine schlechte Nachahmung stets schlechter ist, als das Original.

Sie würden sich nicht wenig wundern, wenn Sie sähen, wie bald die neuen Ankömmlinge in diese widrigen Maniren und Affectation von Gleichheit verfallen; was vorzüglich von den Irländern und Schotten niedriger Abkunft gilt; die Engländer machen schon eher eine Ausnahme. Das Benehmen eines jungen Schotten, des Maschinenmeisters auf dem Dampfboote, als ihn mein Gemahl über die Handhabung der Maschine befragte, machte uns gewissermaßen Unterhaltung. Seine Maniren waren grob, ja sogar beleidigend. Er vermied sorgfältig jede Hinneigung zu Höflichkeit oder äußerem Anstand; ja er ging so weit, daß er sich auf die Bank dicht neben mich setzte und bemerkte, er halte unter den vielen Vortheilen, welche dieses Land Ansiedlern, wie er sei, darbiete, es nicht für den geringsten, daß er nicht verbunden sei, seinen Hut abzunehmen, wenn er mit Leuten (people) (Personen unsers Standes meinend) spreche, und daß er sie nicht anders als bei ihren Namen anzureden brauche; dazu könne er seinen Sitz neben jedem Gentleman und jeder Dame nehmen und sich ihnen völlig gleich achten.

»Sehr wahr,« erwiederte ich, kaum vermögend, mein Lachen über diesen Ausfall zu unterdrücken; »allein ich glaube Sie überschätzen den Vortheil solcher Privilegien um ein Bedeutendes; denn Sie können die Dame oder den Mann von Stande nicht zwingen, dieselbe Meinung von Ihrer Persönlichkeit zu hegen oder, wofern sie sich nicht dadurch geschmeichelt fühlen, neben Ihnen sitzen zu bleiben.« Mit diesen Worten stand ich auf und verließ den unabhängigen Gentleman, offenbar ein wenig verwirrt über dieses Manövre, indeß gewann er seinen Selbstbesitz bald wieder, schwang die Axt, welche er in der Hand hatte, und sagte: »Es ist, denke ich, kein Verbrechen, von armen Aeltern geboren zu sein.«

»Nein! wahrlich nicht,« antwortete mein Gatte, »kein Mensch kann sich seine Geburt selbst wählen, er hat es nicht in seiner Gewalt, arm oder reich geboren zu werden; und eben so wenig kann es einem Gentleman zur Last gelegt werden, daß er von Aeltern geboren worden, die einen höhern Rang in der Gesellschaft einnehmen, als sein Nachbar. Ich hoffe Sie geben dies zu.«

Der Schotte sah sich, wiewohl ungern, zur Bejahung dieses Ausspruchs genöthigt; schloß aber nachmals damit: er sei sehr froh, daß er vor Gentlemen, wie sie sich zu nennen beliebten, den Hut nicht abzunehmen, noch in seiner Rede sich demuthsvoll zu zeigen brauche.