»Niemand, mein Freund, dürfte Sie gezwungen haben, in ihrem Vaterlande höflicher zu sein, als in Canada. Gewiß hätten Sie, wofern es Ihnen so beliebte, Ihren Hut ebenfalls aufbehalten können. Kein Gentleman, glauben Sie mir, würde Ihnen denselben vom Kopfe geschlagen haben.

»Was den gerühmten Vortheil in Betreff roher Sitten in Canada anlangt, so würde ich etwas davon halten, wenn er Ihnen nur im geringsten nützte, oder einen Dollar mehr in die Tasche brächte; allein ich habe Grund, zu zweifeln, daß er diese wünschenswerthe Wirkung hat.«

»Es ist aber doch tröstlich, sollte ich meinen, sich einem Gentleman gleich zu achten.«

»Besonders wenn Sie den Gentleman zu denselben Gedanken bestimmen können.« Dies war ein Punkt, der unsern Gleichheits-Candidaten etwas in Verlegenheit zu setzen schien; denn er begann mit verdoppelter Energie zu pfeifen und die Füße zu schleudern.

»Jetzt,« sagte sein Peiniger, »nachdem Sie mir Ihre Begriffe von canadischer Unabhängigkeit erklärt, haben Sie die Gefälligkeit, mich mit dem Mechanismus Ihrer Maschine vertraut zu machen, die Sie so genau zu kennen scheinen.«

Der Mann sah meinen Gatten eine Minute lang halb trotzig, halb durch das seiner Geschicklichkeit gezollte Compliment geschmeichelt, an, ging darauf zur Maschine setzte alles mit großer Geläufigkeit auseinander und behandelte uns seit dieser Zeit mit vollkommner Achtung. Die Erwiederung meines Gatten auf seine in einem höchst unhöflichen Tone gethane Frage: »was macht denn eigentlich einen Gentleman, ich bitte Sie, beantworten Sie mir das?« »Feine Sitten und gute Erziehung. — Ein reicher oder hochgeborner Mann, der sich roh und ungesittet benimmt und unwissend ist, hat eben so wenig Ansprüche auf den Titel: Gentleman, als Sie selbst,« hatte auf ihn einen starken Eindruck gemacht.

Wir standen seitdem auf einem ganz andern Fuße miteinander; der Maschinen-Meister hatte so viel gesunden Verstand, daß er einsah, rohe Vertraulichkeit mache den Gentleman noch nicht aus.

Allein es wird Zeit, daß ich Ihnen einige Nachrichten über Peterborough mittheile, welches, hinsichtlich der Lage, jedem andern Ort, den ich bis jetzt in der obern Provinz gesehen habe, überlegen ist. Es nimmt ziemlich den Mittelpunkt zwischen den Stadt-Bezirken Monaghan, Smith, Cavan, Otanabee und Douro ein, und dürfte nicht unpassend als die Hauptstadt des Newcastle-Distrikts gelten.

Es liegt auf einer hübschen erhabnen Ebne, gerade über einem kleinen See, wo der Fluß durch zwei niedrige bewaldete Eilande getheilt ist. Der ursprüngliche oder Gouvernements-Theil der Stadt ist in Halbacker-Parcellen[21] angebaut; die Straßen, welche sich jetzt schnell mit Gebäuden füllen, bilden rechte Winkel mit dem Flusse und erstrecken sich gegen die Ebnen nach Nordosten zu. Diese Ebnen bilden einen schönen natürlichen Park, in welchem Thäler und Hügel anmuthig mit einander abwechseln; überall stößt das Auge auf liebliche, grüne, mit den mannigfaltigsten und schönsten Blumen geschmückte Auen, gleichsam von der Hand der Natur mit Gruppen von stattlichen Fichten, Eichen, Balsam-Pappeln, italienischen Pappeln und Silber-Birken bepflanzt.