Aber Wehe und Verderben den irdnen Waaren, welche zufällig über die holprichten Straßen wandern. Glücklich kann man sich in der That preisen, wenn in Folge vorzüglicher Geschicklichkeit und Sorgfalt des Packers, mehr als die Hälfte unzertrümmert anlangt. Gegen dergleichen Unfälle haben wir keine Abhülfe. Der Waarenhändler schiebt die Schuld auf den Fuhrmann, und der Fuhrmann auf die schlechten Straßen, sich wundernd, wie er selbst während seiner Fahrt durch den Busch mit heiler Haut und ganzen Gliedmaßen davon gekommen.

Wir leben jetzt in der schlimmsten Jahres-Zeit, der Eintritt und Ausgang des Winters machen dem Ansiedler viel zu schaffen. Kein andres Fuhrwerk als ein mit Ochsen bespannter Wagen, und auch dieser nicht ohne Schwierigkeit, kann die Straße passiren und braucht zur Vollendung seines Weges zwei ganze Tage; das Schlimmste dabei ist, daß man die nöthigsten Artikel bisweilen um keinen Preis erlangen kann.

Sie sehen aus allem, daß ein Busch-Siedler nicht blos auf alle Luxus-Gegenstände und Leckereien der Tafel, sondern bisweilen sogar auf die nöthigsten Lebensbedürfnisse Verzicht leisten muß.

Zu einer Zeit ist kein Schweinfleisch zu haben; zu einer andern herrscht Mangel an Mehl, vielleicht in Folge eines Umstandes, der die Mühle außer Gang gesetzt hat, oder weil es an Weizen zum Mahlen fehlt; oder Witterung und schlechte Wege hindern die Ankunft des Wagens oder den Abgang von Leuten zur Herbeischaffung des Nöthigen. In diesem Falle muß man seine Zuflucht zu einem Nachbar nehmen, vorausgesetzt, daß man so glücklich ist, einen solchen in der Nähe zu haben, — und im schlimmsten Fall muß man sich mit Kartoffeln begnügen. Die Kartoffel ist hier in der That ein großer Segen, neue Ansiedler würden ohne sie oft in eine unangenehme Lage gerathen, und der arme Mann und seine Familie, die ohne andre Hülfsmittel sind, müßten, hätten sie die Kartoffel nicht, verhungern.

Einmal war unser Thee-Vorrath ausgegangen, und wir konnten nirgends dergleichen erhalten. In dieser Verlegenheit würde Milch oder Kaffee ein treffliches Ersatzmittel gewesen sein, wofern wir im Besitz davon gewesen wären; allein wir hatten weder das Eine noch das Andre, und so mußten wir zu Yankie-Thee — einem Absud von Schierlings-Tannen-Sprossen, unsre Zuflucht nehmen. Dies war für meinen Geschmack ein sehr schlechtes Getränk, wiewohl ich ein Kraut in dem Thee entdeckte, welches in London das Pfund zu fünf Schilling verkauft wird, und nichts anders sein kann als getrocknete und pulverisirte Schierlings-Tannen-Blätter.

S— lachte über unsre sauren Gesichter und erklärte den Trank für vortrefflich; auch ging er uns allen mit einem guten Beispiel voran, indem er sechs Tassen von diesem ächten Wald-Thee hinterschlürfte. Doch gelang es seiner Beredtsamkeit nicht, einen von uns zu bekehren, wir mochten seiner Versicherung, daß er blos jungen Hyson-Thee nachstehe, keinen Glauben beimessen und erwiederten auf seine Bemerkung, daß derselbe mit seinen andern guten Eigenschaften medicinische Tugenden verbinde, er sei wie alle Arzneien, dem Gaumen sehr zuwieder.

»Nach allem,« sagte S— mit einer gedankenvollen Miene, »verdanken sowohl die Segnungen als die Uebel dieses Lebens ihre Hauptwirkung der Stärke des Contrastes und müssen demnach hauptsächlich geschätzt werden. Wir würden die Genüsse, deren wir uns erfreuen, nicht halb so hoch schätzen, wenn wir ihrer nicht zuweilen entbehrten. Wie groß dürften uns die Annehmlichkeiten einer völlig gelichteten und gut angebauten Meierei erscheinen, wenn uns außer den nöthigen Lebensbedürfnissen noch manche Luxus-Gegenstände zu Gebote stehen werden.«

»Und wie wird uns grüner Thee nach diesem abscheulichen Getränk behagen,« bemerkte ich.

»Sehr wahr, und ein bequemes Haus, ein niedlicher Garten, schöne Weiden nach diesen dunkeln Wäldern, Loghäusern und völligem Mangel an Gärten.«

»Und das Nichtvorhandensein der abscheulichen Baumstummel,« fügte ich hinzu. »Gewiß! glauben Sie mir meine Theure, Ihr canadisches Landgut wird Ihnen mit der Zeit, nach vollendeter Cultur des Bodens, als ein wahres Paradies erschienen, und Sie werden mit desto größerm Vergnügen und Stolz darauf blicken, wenn Sie sich erinnern, daß es einst eine Wüstenei war, die sich durch die Wirkungen von Fleiß und wohl angewendeten Mitteln in fruchtbare Felder verwandelt hat. Jede Annehmlichkeit, die Sie um sich her erzeugen, wird Ihr Glück vermehren; jede Verbesserung in oder außer dem Hause wird ein Gefühl von Dankbarkeit und Entzücken in Ihrem Herzen erzeugen, wovon diejenigen, welche stets in Ueberfluß und Wohlleben schwelgen oder auch nur die gewöhnlichsten Vortheile der Civilisirung genießen, nichts wissen. Mein Wahlspruch ist, »Hoffnung! Entschlossenheit! und Ausdauer!«