Neunter Brief.
Verlust eines Ochsen-Gespanns. — Errichtung eines Log-Hauses. — Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. — Beschreibung eines neuen Log-Hauses. — Spaziergang auf dem Eise. — Lage des Hauses. — See und umgebende Scenerei.
See-Haus, April 18, 1833.
Es wird Zeit, daß ich Ihnen endlich eine Beschreibung unsers Log- (Block-) Hauses gebe, in welches wir einige Tage vor Weihnachten eingezogen sind. Da manche unvorhergesehene Umstände seine Vollendung vor besagter Zeit verhinderten, so glaubte ich schon, daß es nie würde bewohnbar werden.
Der erste Unfall, welcher uns traf, war der Verlust eines Gespanns Ochsen, die wir zum Herbeiziehen der Baumstämme für das zu errichtende Haus gekauft hatten. Da sie den Busch nicht so angenehm finden mochten, als die gelichteten Weideplätze ihres vorigen Herrn, oder weil sie vielleicht harte Arbeit für sich voraus sahen, so kam es ihnen eines Morgens früh in den Kopf, durch den See, gleich da, wo die Stromschnellen ihren Anfang nehmen, zu setzen und sich davon zu machen, keine Spur ihrer Marschroute, außer einigen Fußstapfen am Wasser-Rande, zurücklassend. Nachdem wir einige Tage vergebens danach gesucht, blieb die Arbeit liegen, und einen ganzen Monat hindurch waren sie weg, so daß wir schon alle Hoffnung aufgaben, jemals wieder etwas von ihnen zu hören. Endlich erfuhren wir, daß sie etwa zwanzig (englische) Meilen von uns, in einem fernen Stadtbezirk (township) angelangt waren und ihren Weg durch Waldung und Moräste, Bäche und Seen zu ihrem früheren Besitzer zurückgenommen hatten, von einem Instinkte geleitet, der ihnen für den Mangel an Straßen und Compaß Ersatz leistete.
Man erzählt Fälle, wo dergleichen Thiere einen Strich wilden Landes dreißig oder vierzig (englische) Meilen weit, bis zu ihren alten Weideplätzen, in gerader Linie und auf unbekannten Pfaden, wo ihnen das Gedächtniß nicht zu Hülfe kommen konnte, durchwanderten. Beim Hunde betrachten wir Geruch und Gedächtniß als Führer, die ihn zu seiner fernen Heimath zurückleiten; wie aber soll man sich die fraglichen Wanderungen jener Ochsen erklären? Sie kehrten durch dichte endlose Wälder, wo der Mensch mit all seiner Vernunft und Kenntniß den rechten Weg gewiß verfehlt haben würde, nach Hause zurück.
Der October ging bereits zu Ende, und noch standen nicht einmal die Wände unsers Hauses. Letzteres zu bewirken, riefen wir »eine Biene« zusammen: sechszehn unsrer Nachbarn folgten mit großer Bereitwilligkeit unsrer Aufforderung; und obschon der Tag nichts weniger als günstig war, so führte unsre Biene ihr Werk doch so treulich aus, daß mit Einbruch des Abends die Außenwände aufgerichtet waren.
Die Arbeit schritt unter Mithülfe einer reichlichen Quantität canadischen Nektars (Branntweins), des Honigs, womit unsre Bienen gestärkt werden, rasch vorwärts. Einige tüchtige eingesalzne Schweinskeulen, ein Viertel Kartoffeln nebst einem Reispudding und ein Brod, so dick wie ein gewaltiger Cheshire-Käse, bildeten das Mahl, womit die fleißigen Leute regalirt wurden. Dies alles wurde in der Shanty, in einem ziemlich ländlichen Styl, aufgetischt. Kurz, wir lachten und nannten es einen Pic-nic in den Urwäldern; aber wie roh und einfach auch das Mahl war, so kann ich Ihnen doch versichern, daß sämmtliche Gäste, hohe und niedre, sehr damit zufrieden waren und unsre »Biene« als eine sehr wohl versorgte priesen. Trotz der Rangverschiedenheit derer, welche die Biene bildeten, herrschte doch unter allen die größte Harmonie, und die Gesellschaft ging wohl zufrieden mit ihrem Tagewerke und der Bewirthung auseinander.