Am folgenden Tage machte ich einen Ausflug, um das neu errichtete Gebäude in Augenschein zu nehmen; allein ich fand mich sehr unangenehm überrascht, da es keineswegs das Ansehn eines Hauses hatte. Es war ein bloses Rechteck von über einander befestigten Scheiten, mit offnen Räumen zwischen jeder Scheit-Reihe. Die Oeffnungen für Thüren und Fenster waren noch nicht geschnitten, und die Dachbalken lagen noch nicht. Mit einem Wort, es war ein seltsamer Bau, und ich kehrte etwas niedergeschlagen nach Hause zurück, mich nicht wenig wundernd, daß mein Gatte mit den gemachten Fortschritten so zufrieden war. Einen oder zwei Tage darauf stattete ich dem Neubau abermals einen Besuch ab. Die Tragbalken zur Aufnahme der Fußböden waren gelegt, und die Oeffnungen für die Thüren und Fenster waren in das feste Holz geschnitten, so daß derselbe nicht mehr so sehr wie zuvor einem Vogelkäfig glich.
Nach Beschindelung des Dachs mußten wir wieder pausiren, da Breter nicht näher als in Peterborough zu haben waren, und mithin bedurfte es einer langen Tage-Reise über schreckliche Straßen. Zu dieser Zeit war noch an keine Sägemühle zu denken, jetzt aber ist eine dergleichen, nicht weit von uns, im Entstehen begriffen. Unsre Dielenbreter mußten alle mit der Hand gesägt werden, und es währte ziemlich lange, ehe wir Jemand zur Verrichtung dieses nothwendigen Werkes finden konnten, und das zu einem hohen Lohne, ein Shilling und Sechspence für den Tag. Die Breter langten endlich an, aber natürlicher Weise von unabgepaßtem Holze; dies war unvermeidlich, und da sie nicht gehobelt werden konnten, mußten wir uns ihr rohes häßliches Ansehn gefallen lassen; denn es waren keine besseren zu haben. Ich erinnerte mich jetzt an die Bemerkung des alten Herrn, mit welchem wir von Cobourg nach dem Reis-See fuhren. Wir trösten uns mit der Aussicht, daß mit dem nächsten Sommer sämmtliche Breter abgepaßt sein werden, freilich bedarf es hierzu einer völligen Umkehrung des Hauses; denn die Breter müssen von neuem gelegt, gehörig an einander gefügt und gehobelt werden.
Der nächste Unfall, welcher uns betraf, war, daß das Gemisch von Lehm und Kalk, womit das Haus von innen und außen zwischen den Fugen der Baum-Scheite berappt werden sollte, in einer einzigen Nacht so hart wie Stein fror; das Werk war kaum zur Hälfte gediehen, als plötzlich Frost eintrat und der Arbeit auf einige Zeit ein Ende machte, denn der gefrorne Mörtel thauete weder im Feuer noch in heißem Wasser auf; letzteres fror ebenfalls, ehe es noch eine Wirkung auf die Masse geäußert, und machte die Sache eher schlimmer. Alsdann verwundete sich der Zimmermann beim Glatthauen der Wände im Innern mit der breiten Axt und ward hierdurch auf einige Zeit zur Fortsetzung seiner Arbeit untüchtig.
Ich führe alles dies blos darum an, um die Schwierigkeiten zu zeigen, welche uns in Vollführung unsrer Pläne hindern, und dies erklärt zum großen Theil die schlechten Wohnungen, womit sich Ansiedler der achtbarsten Klasse bei ihrer ersten Ankunft in diesem Lande begnügen, und dies keineswegs aus Neigung sondern aus Nothwendigkeit; ich könnte Ihnen Schilderungen der Art geben, die Sie in Erstaunen setzen würden. Jedenfalls dient es dazu, uns zufriedner und gleichgültiger zu machen, wenn wir um uns her nur wenige in bessern, ja viele, die mit uns von gleichem oder vielleicht noch höherem Range sind, in noch schlimmeren Verhältnissen erblicken, als dies, verhielte sich die Sache anders, der Fall sein würde.
Jedermann in diesem Lande muß selbst den Glaser machen; Sie werden darüber lachen, allein, will er keine zerbrochnen Fensterscheiben sehen und die davon herrührenden Unannehmlichkeiten fühlen, so muß er lernen, sie mit eigner Hand in seine Fensterrahmen einzuziehen. Handwerker sind, gerade wenn man sie braucht, in den Urwäldern nicht immer leicht zu haben, und es hieße sehr verkehrt handeln, wenn man zur Ausbesserung seiner Fenster einen Glaser theuer bezahlen und auf seine Unkosten eine zweitägige Reise von der nächsten Stadt machen lassen wollte. Glastafeln von verschiedner Größe kann man bei den Vorrathshändlern sehr wohlfeil kaufen. Mein Gatte machte sich ein Vergnügen daraus, das Glas in seine Fenster, ehe diese eingehängt wurden, selbst einzuziehen.
Eine genaue Bekanntschaft mit dem Gebrauch der Werkzeuge des Zimmermanns ist hier, glauben Sie mir, viel werth, und ich empfehle jedem jungen Mann, der nach Canada auswandern will, sich mit diesem schätzbaren Metier so viel als möglich bekannt zu machen, da er andern Falls oft in große Verlegenheit gerathen dürfte.
Höchst lächerlich erschienen mir die Bemerkungen einer superfeinen Dame, der unwilligen Theilnehmerin an der Auswanderung ihres Gatten, als sie den Sohn eines See-Offiziers von einigem Range im Dienste ämsig mit Fertigung einer Axt-Handhabe aus einem Stück Felsen-Ulme beschäftigt sah.
»Ich wundre mich, daß Sie George sich so erniedrigen lassen,« bemerkte sie, sich an dessen Vater wendend.
Der Capitain blickte sie mit Verwunderung an, »Sich erniedrigen! Auf welche Weise Madam? Mein Sohn schwört nicht, trinkt keinen Branntwein, und sagt keine Lügen.«
»Allein Sie lassen ihn Arbeiten der niedrigsten Art verrichten. Um was ist er jetzt besser als ein gemeiner Zimmermann; und ich glaube, daß sie ihn auch Holz fällen lassen?«