»Es ist ein gutes Land für den rechtschaffnen fleißigen Handwerker. Es ist ein schönes Land für den armen Arbeiter, der nach wenigen Jahren harter Arbeit sich in seinem eignen Log-Hause niederlassen und sein Auge auf seinen eignen Grund und Boden schweifen lassen kann, und seine Kinder für die Zukunft wohl versorgt und unabhängig weiß. Es ist ein großes wichtiges Land für den reichen Speculanten, der eine beträchtliche Summe in Ankauf trefflichen ergiebigen Bodens anlegen kann; denn verfährt er nur einigermaßen klug, so kann er für sein Geld nach Verlauf einiger Jahre hundert Procent Zinsen gewinnen. Aber es ist ein böses Land für den armen Gentleman, den seine Lebensweise und Gewohnheiten untüchtig zur Handarbeit gemacht haben. Er bringt Gesinnungen mit sich, die nicht zu seiner neuen Lage passen; und selbst wenn ihn die Noth zur Anstrengung seiner Kräfte treibt, ist seine Arbeit von geringem Werth. Sein Fortkommen fällt ihm äußerst schwer. Die nicht zu umgehenden Arbeits-Löhne und Ausgaben für den erforderlichen Lebensunterhalt sind beträchtlich, und er muß, will er sich aufrecht und schuldenfrei erhalten, manche Entbehrungen erdulden. Hat er eine zahlreiche Familie und erzieht er sie auf eine vernünftige, seinen Umständen angemeßne Weise, das heißt, macht er sie frühzeitig für das Ansiedlerleben geschickt, so erzeigt er ihnen eine wahre Wohlthat und wird bald der guten Folgen für sein Grundeigenthum inne; allein ist er selbst müßig und faul, seine Frau verschwenderisch und unzufrieden, und lehrt er seine Kinder mit Verachtung auf anstrengende Arbeit herab zu blicken; so eilt er seinem Verderben mit Riesenschritten entgegen. Mit einem Wort, das Land ist ein gutes Land für diejenigen, für welche es paßt; wer sich aber nicht der Nothwendigkeit fügen, wer keine Entbehrung dulden und nicht arbeiten will, der thäte besser, er bliebe davon entfernt. Es liegt am Tage, daß Canada nicht jeder Klasse von Leuten zusagen kann.«
»Nun für mich und meine Familie paßt es durchaus nicht,« erwiederte die Dame verächtlich.
»Sehr wahr!« lautete die laconische Antwort, und so endete das Zwiegespräch.
Allein indem ich diese Bemerkungen nieder geschrieben, bin ich ganz von der Hauptsache abgekommen und habe mein armes Log-Haus in unvollendetem Zustande gelassen. Endlich wurde mir gesagt, daß es fertig und bewohnbar sei, und ich sah mich bald mitten in die mit dem Aus- und Einzuge verbundne Unruhe und Arbeit versetzt. Wir erhielten allen nöthigen Beistand von S—, der stets bereit und willig ist, uns zu helfen. Er lachte und nannte unsre kleine Versammlung eine bewegende Biene (moving bee); ich sagte es sei eine feststellende Biene, (fixing bee) und mein Gatte gab ihr den Namen ordnende Biene (settling bee); gewiß waren wir, ehe alles zu Stande kam, uneingerichtet genug. Welch eine wüste Höhle ist ein kleines Haus oder überhaupt jedes Haus unter solchen Umständen. Der Begriff von Chaos muß vom Aus- und Einräumen entlehnt worden sein, denn ich glaube, daß die Alten so gut hiermit zu thun hatten, als die Neuern.
Von irdnem Geschirr ging mancher werthvolle Artikel auf seiner kurzen aber holperigen Wanderung durch die Wälder in Stücke. Friede und Ruhe ihren Manen! Ich hatte eine gute Hülfe an meinem irischen Mädchen, die bald ein tüchtiges Feuer auf dem neuen Herde anzündete und alles im Hause ordnete.
Wir fühlen uns jetzt in unsrer neuen Wohnstätte recht behaglich; ich will Ihnen eine Schilderung von dem kleinen Häuschen geben. Was fertig da steht, ist blos ein Theil von dem ursprünglichen Plan, das Uebrige muß im nächsten Frühjahr oder Herbst, wie es die Umstände erlauben, hinzugefügt werden.
Ein niedliches kleines Wohnstübchen mit Vorrathskammer, Küche, Speise- und Schlafkammer bilden das Erdgeschoß; dazu kommt ein hübsches obres Stockwerk, welches drei Schlafgemächer abgeben wird.
»Welche Nußschale,« höre ich Sie im Geiste ausrufen; eine solche ist es vor der Hand wirklich, allein wir gedenken einen schönen Vorbau daran zu fügen, und warten hierzu nur auf Breter von der Mühle; dies wird uns noch eine Stube, einen langen Saal und ein Schlafzimmer für vorkommende Fälle verschaffen. Die Fenster und Glasthüre unsers jetzigen Wohnstübchens gewähren eine angenehme Aussicht auf die Seen im Westen und Süden. Nach Vollendung des Hauses werden wir vorn und nach der Südseite eine Verandah (Vorhalle) haben, eine angenehme Hinzufügung für den Sommer, da man sie als eine Art Vorgemach benutzen, darin speisen und die frische Luft, geschützt gegen die Sonne, genießen kann. Die Canadier nennen diese Verandahs »Stoups,« da sie nur aus Scheiten oder Bretwerk bestehen, so entbehren nur wenige Häuser derselben. Die Pfeiler oder Säulen, umwunden von üppigen Hopfen-Ranken, der Scharlach-Bohne und der Morgen-Glorie[35], nehmen sich sehr hübsch aus. Gewiß sind diese Stoups eine vorzügliche Zierde, da sie zum großen Theil die rohen Scheite verbergen und das scheunenartige Aeußre der Häuser maskiren.
Unser Wohnstübchen wärmt ein hübscher eiserner Ofen mit messingener Gallerie und einer Schutzplatte. Das Hausgeräth besteht in einem mit Messingblechen beschlagnen Sopha, das gelegentlich auch als Bett gebraucht wird, canadischen angestrichnen Stühlen, einem gefleckten Tisch von Tannenholz, grünen und weißen Vorhängen und einer schönen indianischen Matte, welche den Fußboden bedeckt. Eine Seite des Zimmers nehmen unsre Bücher ein. Einige große Landcharten und verschiedne gute Kupferstiche verstecken so ziemlich die rohen Wände und bilden die Decoration unsrer kleinen Wohnung. Unser Schlafzimmer ist auf dieselbe einfache Weise ausmöblirt. Indeß fühlen wir uns gar nicht unbehaglich in unserm schlichten Häuschen; und wiewohl es keineswegs so beschaffen ist, um unsern Wünschen vollkommen zu genügen, entspricht es doch unter den bestehenden Umständen seinem Zwecke.
Ich harre sehnsüchtig dem Frühling entgegen, um vor dem Hause ein Gärtchen anlegen zu können; denn ich beabsichtige, einige der im Lande einheimischen Früchte und Blumen darin anzupflanzen, die meiner Ueberzeugung nach durch Cultur einer beträchtlichen Veredlung fähig sind. Die auf unsern Triften und gelichteten Waldstellen wild wachsenden Erdbeeren gehören verschiednen Varietäten an und tragen sehr reichlich, zum Einmachen eignen sie sich trefflich, und ich gedenke einige Beete in meinem Garten damit zu bepflanzen. Auf unserm See befindet sich ein allerliebstes waldiges Inselchen, Erdbeer-Eiland und ein andres Raspberry island (Brombeer-Eiland) benamt; sie enthalten einen Ueberfluß an allerlei Früchten — wilden Trauben, Brombeeren, schwarzen und rothen Johannis-Beeren; eine wilde Stachelbeere und eine schöne kleine rankende Pflanze, welche weiße Blumen trägt, wie die Brombeere, desgleichen eine dunkel purpurfarbne Frucht, bestehend aus einigen Samen von angenehmem, lebhaft säuerlichem Geschmack, der Thaubeere nicht unähnlich, aber nicht ganz so süß. Die Blätter dieser Pflanze sind glänzend hellgrün und ungefähr wie die Blätter der Brombeere gestaltet, mit der sie (obgleich nicht so buschig und dornig) in einiger Hinsicht so große Aehnlichkeit hat, daß ich sie die kriechende (rankende Brombeere) getauft habe.