Ueberhaupt sind dies eingebildete Uebel und können schwerlich als ein Grund zum Mißfallen in dem Lande gelten, und unter Leuten gewöhnlichen Schlages erregen sie wenig Sympathie, wiewohl sie jedenfalls für die Gebildeten und nach geistigen Genüssen verlangenden Glieder der Gesellschaft nicht ohne Gewicht sind; denn diese müssen natürlicher Weise trauern, wenn Geschmack, Gelehrsamkeit und Genius aus ihrer Sphäre gerückt werden.
Was mich anlangt, wiewohl ich leicht in die Gefühle des Dichters und des enthusiastischen Liebhabers wilder und wundervoller Sagen und Mährchen eingehen kann, so sehe ich doch schon, daß ich in diesem Lande recht glücklich und zufrieden sein werde. Bietet auch jetzt der für seine Geschichte bestimmte Band nur leere Seiten dar, so liegt doch das Buch der Natur offen da und zeigt beredtsam für das Wirken des mächtigen Schöpfers, und ich kann, wenn ich an den Ufern der Seen und Flüsse oder durch die Wälder wandre, aus ihm tausend Freuden und stets neuen Stoff zur Unterhaltung und Belehrung schöpfen.
Doch ich muß Ihnen jetzt etwas von unsrer Zucker-Fabrikation sagen, woran ich thätigen Antheil nehme. Unsre Versuche waren auf einen geringen Maßstab beschränkt, da wir blos einen Kessel und zwei eiserne Dreifüße hatten; indeß reichten sie hin, um uns in die Kunst und das Geheimniß, betreffend die Einsiedung des Ahorn-Saftes zu Molasse, und die endliche Verwandlung der letztern in Zucker einzuweihen.
Die erste hierzu erforderliche Arbeit ist das Anzapfen des Ahorns und die Auffangung des aus der Wunde hervorfließenden Saftes in kleinen rohen Trögen, die in weiter nichts als mit der Art ausgehöhlten Fichten-Scheitchen bestehen. Um den Baum anzuzapfen, macht man einen Einschnitt in die Rinde oder bohrt mit einem Bohrer ein Loch hinein; ersteres ist das leichtere und üblichere Verfahren. Ein leicht ausgehöhltes Stück Ceder- oder Hollunder-Holz wird dann mit dem freien Ende etwas abwärts geneigt, in die Oeffnung gesteckt und in den Trog gerichtet, so daß der Saft durch dasselbe in letztern fließt. Bisweilen habe ich einen blosen flachen Span als Leiter des Saftes dienen sehen. Wie Sie sich wohl denken können, verfuhren wir ganz nach der Regel. Nach einer frostigen Nacht, worauf ein heller warmer Tag folgt, fließt der Saft ziemlich frei und reichlich; man muß ihn während des Tages in einem Fäßchen oder Troge sammeln, und diese Gefäße müssen hinreichend geräumig sein, um alles zu fassen, was am Abend desselben Tages gesotten werden kann; man darf den aufgefangnen Saft nicht über vierundzwanzig Stunden stehen lassen, weil er andernfalls in Gährung übergeht und dann nicht mehr zur Zuckerbildung taugt.
Mein Gatte begann mit Beihülfe eines irischen Knaben in der letzten März-Woche den Saft zu sammeln. Eine Stange wurde über zwei in die Erde befestigte Holzgabeln gelegt, welche stark genug waren, das Gewicht des schweren Kessels zu tragen. Die Arbeit während des Tages bestand in Entleerung der Tröge und Fällung von Brennholz. Des Abends wurde das Feuer angeschürt, und das Sieden oder Kochen des Saftes nahm seinen Anfang.
Es war ein recht erfreulicher und malerischer Anblick, die Zuckersieder bei ihrem helllodernden Feuer, zwischen den Bäumen, zu sehen, wie sie bald den brennenden Holzstoß anfachten, bald den Saft in den Kessel entleerten und mit einem gewaltigen Löffel umrührten. Als das Feuer recht lustig brannte, fing der Saft im Kessel an zu kochen und zu schäumen, und es mußte von Zeit zu Zeit frischer Saft nachgegossen werden, um sein Ueberlaufen zu verhindern.
Sobald sich der Saft zu Molasse eindickt, wird er zur Vollendung in den Zuckerkessel gebracht. Der Proceß ist einfach; er fordert blos aufmerksames Abschäumen und Verhinderung des Ueberlaufens der Masse, bis sie den zur Zuckerbereitung erforderlichen Grad erreicht hat, was man erkennt, indem man etwas davon in kaltes Wasser tropfen läßt. Hat sie ziemlich die erwünschte Consistenz erlangt, so füllt sich der Kessel oder Topf mit gelbem Schaume, bildet Gruben und vom Boden aufsteigende Blasen. Letztre platzen mit Entleerung von Dampf, ist die Molasse so weit gediehen, so kann sie bald in Zucker verwandelt werden. Diejenigen, welche mit großem Fleiße die Flüssigkeit vom Schaume frei erhalten und den zur Verwandlung der Molasse in Zucker erforderlichen Grad genau kennen, liefern einen Artikel, welcher der Muscovade nicht nachsteht[37].
Gewöhnlich sieht man den Ahorn-Zucker in großen Broden oder Kuchen, so dicht und derb wie Wachsscheiben, und ohne Spur von Krystallisation; allein am besten nimmt er sich aus, wenn er grobkörnig und glänzend ist, er bricht dann in rauhen ungleichen Massen, wie Zuckerkant.
Zum Gebrauch im Thee wird er geraspelt oder mit einem Messer klar geschabt, weil er sich anders zu langsam auflößt.
Ich beaufsichtigte den letzten Theil des Vorganges, nämlich das Einkochen der Molasse zu Zucker; und ich muß sagen, daß mir diese Arbeit, als ein erster Versuch, ohne einen erfahrnen Rathgeber zur Seite und ohne alle Anweisung, außer der, welche S— mir ertheilt hatte, ziemlich gut gelang; ich erhielt einen Zucker von funkelndem Korn und guter Farbe. Außer dem Zucker, bereitete ich drei Galonen Molasse, die uns sehr zu statten kam, und eine angenehme Ingredienz in Kuchen so wie eine treffliche Sauce an Puddings bildet.