Das Licht von oben macht die Gegenstände unter der Wasserfläche deutlich sichtbar. Einer von den Fischern steht in der Mitte der Barke, mit seiner Harpune — einer Art eisernem Dreizack — bereit, den Fisch, welchen er in dem stillen Wasser unter seinen Augen vorbeigleiten sieht, zu durchbohren, während ein andrer mit der Ruderschaufel das Fahrzeug behutsam vorwärts steuert. Diese Jagd erfordert ein scharfes Auge, eine feste Hand und große Vorsicht von Seiten derer, die ihr nachhängen.
Mir macht es großes Vergnügen, diese Fischer-Nachen mit ihrem lodernden Feuer so still die ruhige Wasserfläche durchschneiden zu sehen, welche auf mehre Schritte im Umkreise von einem hellen Lichtschimmer erleuchtet ist, der die Figur des in der Mitte des Bootes stehenden, bald nach der einen, bald nach der andern Seite blickenden und seine Waffe zum Stoß bereit haltenden Speermanns deutlich unterscheiden läßt. Zeigen sich vier oder fünf dieser erleuchteten Fahrzeuge zu gleicher Zeit auf dem Wasser, so ist die Wirkung überraschend und prächtig.
Die Indianer sind in dieser Art Fischerei sehr geübt und erfahren; die Squaws rudern ihre Nachen mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit. Außerdem giebt es noch ein andres Verfahren zu demselben Behuf, worin diese Leute sich ebenfalls auszeichnen: ich meine das Fischen auf dem Eise, wenn die Seen zugefroren sind — ein Geschäft, welches viel Geduld erheischt.
Der Indianer, mit einem Tomahawk zur Oeffnung des Eises, einem Speer, einem Betttuch oder Hemde und einem Lockfisch von Holz versehen, begiebt sich an den ausersehnen Ort. Hat er ein Loch in das Eis gehauen, so legt er sich auf Hände und Knie nieder und wirft sein Betttuch über sich, um sowohl das Wasser zu verdunkeln als sich selbst zu verbergen; in dieser Lage verharrt er stundenlang, geduldig das Herannahen seiner Beute abwartend, die er, sobald sie im Bereich seiner Lanze erscheint, mit bewundernswürdiger Sicherheit durchbohrt.
Der auf die eben geschilderte Weise gefangene Masquinongé ist in Geschmack denjenigen überlegen, die später im Jahre gefangen werden, daher man ihn den Indianern gern abkauft, welche sich mit einer geringen Belohnung begnügen. Ich gab ein kleines Brod für einen Fisch, der achtzehn bis zwanzig Pfund wog. Der Masquinongé ist allem Anschein nach eine große Hecht-Art und besitzt die räuberischen Eigenschaften dieses Fisches.
Einer der schmalen Seen des Otanabee heißt der Forellen-See, wegen der großen Menge von Lax-Forellen, die darin hausen. Der Weiß-Fisch kommt ebenfalls in diesen Gewässern vor und ist äußerst köstlich. Die großen Fisch-Arten werden meistentheils mit der Lanze erlegt, nur wenige Leute in diesem Lande, wo es alle Hände voll zu thun giebt, haben Zeit zum Fischfang mit der Angel.
Sobald das Eis aufgeht, werden unsre Seen von zahllosen Flügen wilder Vögel besucht; einige Enten-Arten zeichnen sich durch ihr prächtiges Gefieder aus und sind von trefflichem Geschmack. Ich sehe diesen hübschen Thieren mit Vergnügen zu, wenn sie ruhig auf dem Wasser hinschwimmen, dann plötzlich auffliegen und längs dem Rande des mit Fichten gefranzten Ufers hinstreichen und sich dann wieder niederlassen, wie eine kleine vor Anker gehende Flotte. Bisweilen sieht man eine alte Ente ihre kleine Brut durch Schilf und Binsen führen; die unschuldigen weichen kleinen Dingerchen nehmen sich, wenn sie so um ihre Mutter herum segeln, ganz allerliebst aus, aber beim geringsten Anschein von Gefahr tauchen sie sogleich unter und verschwinden. Die Frösche sind große Feinde der jungen Brut; desgleichen wird dieselbe häufig dem Masquinongé und, wie ich glaube, auch andern großen Fischen, wovon diese Gewässer wimmeln, zur Beute.
Die Enten sind während der ersten Hälfte des Sommers äußerst wohlbeleibt, sie gehen zu dieser Zeit in ungeheuren Schaaren auf die grünen Reisfelder und werden von den noch grünen Pflanzen, die sie gierig verschlingen sehr fett.
Die Indianer sind im Entenschießen sehr glücklich, sie füllen ein Canoe mit grünen Reisern, so daß es einer Art schwimmender Insel gleicht; unter dieser Reiser-Decke liegen sie verborgen und können vermöge dieser List weit näher an die scheuen Vögel herankommen, als dies andern Falls geschehen würde. Unsre Jäger machen ebenfalls häufig, und mit großem Erfolg, von diesem Verfahren Gebrauch.
Eine Indianer-Familie hat ihre Zelte ganz in unsrer Nähe aufgeschlagen. Auf einer der Inseln in unserm See können wir den dünnen bläulichen Rauch ihrer Holz-Feuer aus unsern Vorderfenster zwischen den Bäumen aufsteigen und sich in leichten Windungen über das Wasser kräuseln sehen.