Die Squaws haben mich mehre Male besucht, bisweilen aus Neugierde, bisweilen in der Absicht, ihre Körbe, Matten, Enten oder Wildbret, gegen Schweinfleisch, Mehl, Kartoffeln oder zur Kleidung gehörige Artikel zu vertauschen. Bisweilen muß ich ihnen den Kessel zum Kochen borgen, welchen sie mir jedesmal pünktlich zurück geben.

Eines Tages kam eine Indianerin, um ein Waschfaß zu borgen, da ich aber ihre Sprache nicht verstehe, so konnte ich eine Zeitlang den Gegenstand ihres Begehrens nicht entdecken; indeß hob sie einen Zipfel ihres Hemdes auf, deutete auf etwas in der Nähe liegende Seife, begann den Zipfel mit den Händen zu reiben und ahmte den beim Waschen üblichen Vorgang nach, dann lachte sie und zeigte auf ein Faß; endlich hob sie zwei Finger auf, um mir begreiflich zu machen, daß sie es zwei Tage lang zu behalten wünschte.

Dieses Volk scheint einen sanften und liebenswürdigen Charakter zu besitzen, und, so weit unsre Erfahrung reicht, ist es ehrlich. Eines Tages zwar erhielt der alte Jäger Peter etwas Brod von mir, wofür er ein paar Enten zu bringen versprach; als aber die Zeit der Zahlung kam, und ich meine Enten verlangte, machte er ein betrübtes Gesicht und antwortete mit charakteristischer Kürze: »Keine Ente — Chippewa (damit meinte er S—, denn diesen Namen haben sie ihm aus Zuneigung gegeben,) mit dem Canoe hinauf gegangen — kein Canoe — Ente mit der Zeit (by and by);« by and by (mit der Zeit) ist ein Lieblings-Ausdruck der Indianer, womit sie eine unbestimmte Zeit bezeichnen, sie bedeutet eben so gut Morgen oder eine Woche, einen Monat, ein Jahr und darüber. Ein directes Versprechen geben sie selten.

Da es nicht klug ist, sich betrügen zu lassen, wenn man es vermeiden kann, wieß ich kalt jede fernere Aufforderung zum Tauschhandel mit den Indianern ab, bis meine Enten erschienen sein würden.

Einige Zeit darauf erhielt ich eine Ente durch einen Indianer Namens Maquin, eine Art Galgen-Vogel; dieser Bursche ist ein bucklicher Zwerg, sehr verschmitzt und ein wahrer kleiner Teufelsjunge; es scheint ihm großes Vergnügen zu machen die braunen kleinen Kinder in dem Wigwam zu necken oder die geduldigen Jagdhunde zu quälen. Er spricht das Englische sehr geläufig und schreibt als ein Indianer-Knabe ziemlich gut; er begleitet gewöhnlich die Weiber bei ihren Besuchen, dient ihnen als Dollmetscher, und lächelt mit boshafter Freude zu dem schlechten Englisch seiner Mutter und meiner Verlegenheit, wenn ich ihre Zeichen nicht recht verstehe. Trotz seiner äußersten Häßlichkeit schien er mir einen guten Theil Eitelkeit zu besitzen, indem er sein Gesicht mit großer Selbstzufriedenheit im Spiegel betrachtete. Als ich nach seinem Namen fragte, antwortete er: »Indianischer Name Maquin, aber englischer Name Mister Walker, sehr guter Mann;« dies war die Person, nach welcher man ihn getauft hatte.

Diese Indianer sind in ihrer Beobachtung des Sabaths sehr gewissenhaft und zeigen ein großes Widerstreben, an diesem Tage sich in irgend einen Handel einzulassen oder ihren gewöhnlichen Geschäften, der Jagd oder dem Fischfang nachzugehen.

Die jungen Indianer sind sehr geschickt im Gebrauch eines langen Bogens mit hölzernen Pfeilen, die ziemlich schwer und an der Spitze stumpf sind. Maquin sagte mir, er könne Enten und kleine Vögel mit seinen Pfeilen schießen; indeß scheinen sie mir wegen ihrer Schwere eben nicht geeignet, Gegenstände in großer Ferne zu erreichen.

Es ist angenehm, die Indianer Sonntags Abends ihre Hymnen singen zu hören; ihre reinen weichen Stimmen tönen eindrucksvoll durch die stille Nachtluft. Ich habe dem kleinen Chor dieser ihren Schöpfer in der Einfachheit und Inbrunst ihres Herzens preisenden Naturkinder oft mit Vergnügen gelauscht, und ich fühlte einen heimlichen Vorwurf, indem ich die armen halb civilisirten Wandrer allein sich versammeln sah, um das Lob des Allmächtigen in der Wildniß zu verkünden.

Die einfache Frömmigkeit der Frau unsers Freundes des Jägers Peter, einer stämmigen, schwarzbraunen Matrone von höchst liebenswürdigem Ausdruck gefiel mir ausnehmend. Wir tranken eben unsern Thee, als sie leise die Thür öffnete und hereinschaute; ein ermuthigendes Lächeln bestimmte sie zum Eintritt, worauf sie eine braune Papouse (indianischer Name für Säugling oder kleines Kind) auf den Fußboden niederlegte und mit Neugierde und Entzücken in ihren Augen um sich blickte. Wir boten ihr etwas Thee und Brod an und winkten ihr, einen leeren Sitz neben dem Tische einzunehmen. Die Einladung schien ihr zu gefallen; sie nahm ihr Kleines auf den Schooß, goß etwas Thee in die Untertasse und gab dem Kinde zu trinken. Sie aß sehr mäßig, stand, als sie fertig war, auf, hüllte ihr Gesicht in die Falten ihres Umschlagetuchs, senkte ihr Haupt auf die Brust und betete. Dieser kleine Act von Frömmigkeit verrieth keine Spur von Scheinheiligkeit oder Heuchelei sondern sprach ganz für herzliche Einfalt und Aufrichtigkeit. Hierauf dankte sie uns mit freudestrahlendem Gesicht und froher Laune, nahm ihre kleine Rachel in die Höhe und warf sie über die Schultern, mit einem Schwunge, der mich fürchten machte, daß die Arme des kleinen zarten Dinges dadurch ausgerenkt werden könnten, allein die Papouse schien mit dieser Behandlungsweise vollkommen zufrieden zu sein.

Bei langen Wanderungen werden die kleinen Kinder aufrecht in tiefe Körbe von eigenthümlicher Form gesteckt, und die Körbe durch Rieme von Rehleder um den Nacken der Mutter befestigt; aber der Säugling wird in eine Art flache, und, um das Herausfallen des zarten Inhalts zu verhindern, mit biegsamen Reifen oder Baststrängen umwundne Wiege gepackt. In dieser Maschine steckt er so fest, daß er kein Glied rühren kann. Die äußere Decke oder Umhüllung und die Binden, welche die Papouse einengen, sind mannigfaltig aufgeputzt.