An diese eigenthümliche Wiege ist eine Schlinge

oder ein Henkel befestigt, der um den Hals der Mutter geht; der Rücken des Kindes kommt auf den Rücken der Mutter zu ruhen, und das Gesicht ist nach außen gekehrt. Das erste, was eine Squaw thut, wenn sie in ein Haus eintritt, ist, daß sie sich von ihrer Bürde befreit und dieselbe an eine Wand, einen Stuhl, Kasten, oder jeden Gegenstand lehnt, der als Stütze dienen kann; und hier steht der passive Gefangene, einer Mumie in ihrem seltsamen Gehäuse nicht unähnlich. Ich habe das Bild der Jungfrau mit dem Jesuskinde in einigen alten illuminirten Meßbüchern gesehen, wo letztres gerade wie eine Papouse in ihren Wickeltüchern und Bändern aussah.

Die Squaws zeigen sich gegen ihre Kleinen sehr zärtlich. Sanftmuth und gute Laune scheinen die vorstechenden Züge in dem Charakter der Indianerinnen zu sein, ob ihnen dieselben angeboren und mit dem wilden Zustande gepaart oder durch die mildernden und sänftigenden Wirkungen des Christenthums erzeugt und erworben sind, kann ich nicht sagen. Gewiß erscheint in keinem Fall die christliche Religion liebenswürdiger, als wenn sie sich, unbefleckt durch den Zweifel und Unglauben moderner Sceptiker, in der Handlungsweise der bekehrten Indianer entfaltet; sie zerbricht die Fesseln des Heidenthums, verbannt das Böse und verbreitet die Früchte der Heiligkeit und Moralität. Die rohen Naturmenschen nehmen die Wahrheiten des Evangeliums wie Kinder mit unverdorbnem Herzen und ungeschwächtem Glauben an.

Die Squaws zeigen in manchen ihrer Handarbeiten großen Erfindungsgeist. Ihre Birkenrinden-Körbe entsprechen vielen Zwecken auf das vollkommenste. Mein Brodkorb, Messer-Behälter, Zuckerkorb bestehen sämmtlich aus diesem schlichten Material. Verzierte und mit gefärbten Federspuhlen gemusterte Körbe dieser Art sind, Sie können mir glauben, keineswegs unelegant. Die Squaws verfertigen allerlei Gefäße aus Birkenrinde so gut, daß man sie auf mancherlei Weise brauchen kann, z. B. zur Aufnahme von Wasser, Milch, Fleischbrühe und jeder andern Flüssigkeit; sie werden mit den zähen Wurzeln des Tamarak- oder Lärchenbaums, oder auch mit Ceder-Bast-Streifen zusammengenäht oder vielmehr gestrickt.

Desgleichen verfertigen sie sehr brauchbare Körbe von der innern Rinde des Matten-Holzes (bass-wood) und der weißen Esche. Einige dieser Körbe, von gröberer Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln, indianischem Korn oder weißen Rüben gebraucht. Die Ansiedler finden in denselben einen sehr guten Ersatz für die im alten Vaterlande üblichen Weiden-Körbe.

Die Indianer sind im Besitz mancher Färbestoffe, womit sie ihre zierlichen Körbe und die Stachelschwein-Spuhlen färben. Unser Wohnstübchen ist mit verschiednen recht hübschen Artikeln ihrer Erfindung und Fabrik geschmückt, welche wir als Noten-Futterale, Brief-Kasten, Blumen-Vasen und Arbeits-Körbe benutzen.

Sie scheinen indeß nützliche Artikel höher zu schätzen als Gegenstände, die blos zur Zierde dienen. In allen ihren Handels-Geschäften sind sie sehr schlau und eifrig und entfalten einen überraschenden Grad von Behutsamkeit in ihrem Thun und Treiben. Mit den Männern läßt sichs weit besser handeln als mit den Weibern; letztere zeigen sich in einigen Fällen äußerst hartnäckig. Haben sie ihre Wünsche auf irgend einen Artikel gerichtet, so kommen sie Tag für Tag und weisen alles andre, was man ihnen etwa anbietet, zurück. Eine von den Squaws hatte sich in einen bunten Zitz-Schlafrock meines Gatten verliebt, und ob ich ihr denselben gleich rund abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine nach der andern, um den »Gown« (Schlafrock), welches Wort sie mit einem eigenthümlich kagenden Ton aussprachen, zu bewundern; und als ich sagte: »Kein Schlafrock zu verkaufen,« (no Gown to sell) so stießen sie einen melancholischen Klagelaut aus und gingen fort.