Leute von mäßigem Einkommen oder einem hübschen Capital können in Canada Geld gewinnen. Besitzen sie ein gesundes Urtheil und können sie größere Summen verwenden, so werden sie durch gute Einkäufe und Wiederverkäufe ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen.

Allein noch besser wäre es, ich bezeichnete diejenigen, welche nicht zur Auswanderung taugen, als umgekehrt.

Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gewöhnte Gentleman, der nicht Arbeiter genug anstellen kann, um eine hinreichende Bodenfläche in urbaren Stand zu setzen und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts für Canada, vorzüglich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er sich nicht dazu verstehen will, die Axt oder das Hackemesser in die Hand zu nehmen, wird es, sogar bei einer klugen und sparsamen Lebensweise, nicht leicht finden, sich in den ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu erhalten. Manche der letztern Art sind indeß vorwärts gekommen, aber nicht ohne schweres Ringen.

Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten, die nicht für die Wälder paßt; dies sind die Weiber und Familien derjenigen, welche früher wohlhabende Krämer oder Handwerker und an den täglichen Genuß jedes Vergnügens, jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen oder Mode erfinden konnte, gewöhnt waren; deren Begriffe von Glückseligkeit mit einem Kreise von Lustbarkeiten und Gesellschaften und allen Neuheiten in Tracht und Unterhaltung, welche die feine Welt darbieten kann, unzertrennlich verbunden sind. Junge Dämchen, welche in vornehmen Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine Verachtung gegen alles, was auf Nutzen und Ersparniß abzweckt, eingesogen haben, geben sehr schlechte Ansiedler-Weiber ab. Nichts kann unglücklicher sein, als die Lage so erzogner Personen in den Wäldern von Canada; mißvergnügt und mißmuthig über den unangenehmen Wechsel in ihrer Lebens-Weise, unzufrieden mit allen Gegenständen um sie her, finden sie jede Anstrengung lästig und jede Beschäftigung unter ihrer Würde.

Für Leute dieser Art (und leider stößt man nur auf zu viele in den Colonien), ist Canada das schlechteste Land von der Welt. Und ich wollte jedem, der weder Neigung noch die erforderlichen Eigenschaften dazu hat, abrathen, den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn er würde sicher elend, arm und unglücklich werden.

Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen, ja sein Glück machen will, muß folgende Eigenschaften besitzen: Beharrlichkeit, Geduld, Betriebsamkeit, Erfindungsgeist, Mäßigkeit, Selbstverläugnung, und ist er ein Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerläßlich, und ein reichliches noch wünschenswerther. Die Auslage für Ankauf und Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung der nöthigen Utensilien und Vorräthe zur Unterhaltung einer Familie, Besoldung von Dienstboten, nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, können ohne Geld-Mittel nicht bestritten werden; und da der Boden-Ertrag in den ersten zwei oder drei Jahren nur gering ist, so würde es für einen Ansiedler rathsam sein, einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum urbar zu machen und die eben erwähnten Ausgaben zu bestreiten, indem er sich andern Falls bald in große Schwierigkeiten verwickelt finden dürfte.

Jetzt zu Ihrer dritten Frage, »welches ist der vortheilhafteste Weg, sein Geld anzulegen, wofern man nämlich als Ansiedler mehr mit sich hierher bringt, als man für seinen Bedarf braucht?«

Hierüber kann ich natürlicher Weise kein genügendes Urtheil geben. Mein Gatte und seine Freunde, die mit dem Zustande und den Angelegenheiten der Colonisten bekannter sind, sagen, man müsse sein Capital gegen sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der Ankauf von Land ist oft ebenfalls eine gute Speculation, aber hinsichtlich des Gewinns nicht so bestimmt, da man keine Zinsen erhält; und wiewohl sie in Zukunft reichliche Früchte tragen dürfte; so ist es doch nicht immer leicht über den erkauften Grund und Boden, gerade wenn man dessen bedarf, vortheilhaft zu verfügen. Der Besitzer von mehren tausend Morgen Landes in verschiednen Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig Pfund Sterling in Verlegenheit gerathen, wenn er diese plötzlich und unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein ganzes Capital auf die eben erwähnte Weise anzulegen.

Die Aufzählung der verschiednen Gelegenheiten, sein bares Geld vortheilhaft anzuwenden, würde mir schwer fallen. Es ist hier so wenig Geld im Umlauf, daß diejenigen, welche glücklich genug sind, dergleichen in Bereitschaft zu haben, fast alles, was sie wünschen, damit ausführen können.