Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches die kluge Mutter König Lemuel's beschreibt, sollte man von der Gattin des Emigranten sagen können, »Sie legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit der andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und arbeitete willig mit ihren Händen, sie besorgte fleißig ihre Wirthschaft und aß ihr Brod nicht umsonst.«

Nichts spricht für einen größern Grad von gesundem Verstand und guten Gesinnungen als heitre und willige Fügung in die Umstände, wie sehr sie auch im Vergleich zu einem früheren Loose zurückstehen mögen; gewiß wird Niemand, der so fühlt und denkt, wie er fühlen und denken sollte, ein Frauenzimmer, wie zärtlich und vornehm es auch immer erzogen sein mag, deswegen verachten, weil es in den neuen Lebensverhältnissen, zu welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine Pflicht erfüllt. Seitdem ich in dieses Land gekommen bin, habe ich die wohlerzognen, höchst gebildeten Töchter und Weiber von Männern, — sowohl See- als Land-Offizieren — keineswegs niedern Ranges, kennen gelernt, die ihre eignen Kühe melken, ihre eigne Butter bereiten und Arbeiten im Hauswesen verrichten, wozu sich wenige Pächter-Weiber verstanden haben würden. Anstatt diese nützlichen Beschäftigungen zu verachten, suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren Stolz darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen Dingen rühmen zu können. Je weniger dummen Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine Emigrantin mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf häusliches Glück und Gedeihen rechnen.

Ich bedaure, bemerken zu müssen, daß in manchen Fällen die weiblichen Familien-Glieder, welche hierher gekommen sind, sich dem Trübsinn hingeben und dadurch die Harmonie ihres häuslichen Heerdes stören und die Energie ihrer Gatten und Brüder durch beständige nutzlose Klagen herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen, ihren Gatten oder Freunden in dieses Land zu folgen, so wird es weiser und besser sein, sich mit gutem Anstand in die Umstände zu schicken und durch redliche Erfüllung ihrer Pflicht die Bürde der Auswandrung erträglich zu machen.

Eine arme Frau, die über das Elend des Landes klagte, mußte doch anerkennen, daß ihre Aussichten viel besser wären, als sie jemals in der alten Heimath gewesen. Was war denn aber eigentlich die Ursache ihrer Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum des Lächelns enthalten, als sie sagte, daß sie Sonnabend Abends nicht mehr in den Material-Laden gehen könne, um für das Wochenlohn ihres Mannes die nöthigen Einkäufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn zu plaudern, während der Krämer seine Kunden bediene, — denn es gäbe ja leider im Busche keinen Kramladen, und sie sei so zu sagen lebendig-todt. Wenn Mrs. N. N. (mit der sie beiläufig gesagt, so lange sie unter einem Dache lebten, beständig zankte,) um sie gewesen, so habe sie sich doch nicht so ganz allein gefühlt.

Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder, wobei sie sich mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch eines Dorfkramladens legen konnte, wollte diese alberne Frau die Vortheile, die wirklichen sichern Vortheile, aufgeben, Land, Vieh und Geflügel, gute Nahrung, eignes Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die Frucht angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder Arbeit, der sie sich, wie ihr Mann klüglich bemerkte, in der Heimath ebenfalls hätte unterziehen müssen, und zwar mit keinem andern Ziel als ein durch Armuth getrübtes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen Hungerleiden in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge.

Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse anlangend, so können sie den geselligen Kreis von Freunden und Verwandten, von denen sie, vielleicht auf immer, geschieden sind, nicht aus den Gedanken bringen; sie seufzen nach den kleinen häuslichen, von Eleganz und Verfeinerung des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die sie in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie haben jetzt wenig oder keine Zeit für dergleichen Einrichtungen, die ihnen sowohl Beschäftigung als Unterhaltung gewährten. Die ihnen jetzt obliegenden Thätigkeiten sind von andrer Art: sie müssen im Zucker- und Seife-Sieden, im Bereiten und Backen großer Brode im Backkessel, wofern sie nicht so glücklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben. Die Hausfrau muß sich mit der Hefenbereitung aus Hopfen für ihr Gebäck, mit dem Einsalzen von Fleisch und Fischen vertraut machen, sie muß Strümpfe, Handschuhe und dergleichen stricken, Garn mit dem großen Rade (dem französisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das Garn färben und zu Tuch und bunten Flanellen für Gatten und Kinder verweben, die Kleider für sich selbst, für Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im Busche giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider.

Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft darf nicht übergangen werden; denn hier zu Lande befolgt man meistens die irische oder schottische Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren, welches in unserm Theil von England unbekannt war. Ich meines Theils bin geneigt, der Rahm-Butter den Vorzug zu geben, mir scheint Letztres ökonomischer, man müßte denn irische oder schottische Dienstleute haben, welche Buttermilch der süßen Milch vorziehen.

Gewiß hat jede von beiden Methoden ihre besondern Vortheile. Die Behandlung der Kälber ist hier sehr verschieden. Einige Ansiedler nehmen das Kalb gleich nach seiner Geburt von der Mutter und lassen es gar nicht saugen, das arme Thierchen muß die ersten vierundzwanzig Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels der Finger mit abgerahmter Milch gefüttert, die es bald mit großer Begierde zu sich nehmen lernt. Ich habe auf diese Weise Kälber sehr gut gedeihen sehen und bin Willens, den nämlichen Plan, als den am wenigsten beschwerlichen, zu verfolgen.

Die alten Ansiedler machen von einem entgegengesetzten Verfahren Gebrauch: sie lassen das Kalb nämlich so lange saugen, bis es ein halbes Jahr alt ist, in der Meinung, daß dann sichrer auf den Milch-Ertrag der Kuh zu zählen sei; da diese andernfalls bisweilen, vorzüglich wenn das Gras in der Nähe der Wohnstätte spärlich wächst, oft tagelang in den Wäldern umherschweift, und man nicht nur die Benutzung der Milch verliert, sondern auch die Kuh, wegen der starken Ausdehnung des Euters, sich leicht wesentlich verletzt und dadurch wenigstens auf die Dauer der Melkezeit unbrauchbar wird. Meiner Meinung nach würde es zur Vermeidung dieses Unfalls gut sein, wenn man seinem Vieh in der Nähe des Melk-Ortes regelmäßig etwas Salz und eine kleine Quantität Futter, wenn auch noch so wenig, gäbe, weil sie dann selten lange ausbleiben würde. Kartoffel-Abgänge, die Blätter der alltäglichen Garten-Gemüse, nebst den obersten Schößlingen des indianischen Korns, welche man abschneidet, um das Bestocken der Pflanze zu befördern, bilden ein lockendes Futter für die Kühe und sichern ihre Rückkehr. Im Herbst und Winter, befördern Kürbisse, Korn, Stroh oder irgend eine andre Futter-Art, die man gerade vorräthig hat, nebst dem Laube, das man von den gefällten Bäumen und Buschwerk erhält, ihr Gedeihen.

Den zu entwöhnenden Kälbern muß man abgerahmte Milch oder Buttermilch, nebst den laubigen Zweigen des Ahorns, wonach sie sehr begierig sind, geben. Ein warmer Schuppen oder eingefriedigter Hofraum ist dem Vieh während der strengen Winter-Monate durchaus nöthig; dies läßt man zu häufig unbeachtet, vorzüglich in neuen Ansiedlungen, und daher trifft gar manchen Ansiedler der Unfall, daß er sein Vieh entweder durch Krankheit oder Kälte verliert. Von Natur ist das canadische Vieh sehr robust und hart, und trotzt, wofern man ihm nur einige Sorgfalt angedeihen läßt, selbst dem strengsten Winter; allein zufolge der Schwierigkeiten, welche sich einer ersten Ansiedlung im Busche entgegen stellen, sind die armen Thiere oft dem Hunger und der heftigen Kälte ausgesetzt, was ihnen eine, oft verderbliche Krankheit »Hohl-Horn« (Hollow Horn) genannt, zuzieht.