Wir können nicht anders als mit unendlicher Zufriedenheit die wenigen Morgen Landes betrachten, welche im Umkreise unsers Hauses gelichtet und mit Saaten bedeckt sind. Ein Platz dieser Art inmitten des dichten Waldes erfüllt das Herz mit einer Wonne, wovon diejenigen, welche in einer offnen oder auch nur theilweise bewaldeten Gegend wohnen, keine Vorstellung haben können. Die hellen Sonnenstrahlen und der blaue Himmel, die, nicht mehr durch ein dichtes Laubdach zurückgehalten, frei und ungehindert auf uns hereinbrechen, laben das Auge und erfreuen das Herz gewiß eben so sehr, als der kühle erquickende Schatten eines Palmen-Hains den armen abgematteten Wandrer in der afrikanischen Wüste labt und erquickt.

Wenn wir dies so merklich fühlen, die wir uns der Aussicht auf einen offnen See gerade vor unsern Front-Fenstern erfreuen, wie müssen diejenigen thun, die für ihre Niederlassung nur erst ein kleines Fleckchen im Herzen des Waldes gelichtet haben, die rings um von einer dichten Baum-Wand eingehemmt sind, deren endlose Schatten, welche das Auge, in Aufsuchung andrer Gegenstände und Scenen, vergebens zu durchdringen strebt; denn so dicht stehen die Bäume, daß alles, außer der gelichteten Stelle, in dichtes Dunkel gehüllt ist. Ein Ansiedler, der sich zuerst auf der ihm zu Theil gewordnen Parcelle niederläßt, weiß nicht mehr von ihren Grenzen und natürlichen Zügen als von der nordwestlichen Durchfahrt.

Unter solchen Uebelständen kann es vielleicht unter zehn Fällen nur einmal treffen, daß der Ankömmling die beste Lage für sein künftiges Haus wählt. Dies ist ein sehr hinreichender Grund, nicht eher ein größere Unkosten erforderndes Haus zu bauen, als bis das Land zur Genüge gelichtet ist, so daß die Vortheile und Nachtheile der dafür zu erwählenden Stelle besser ins Auge fallen. Manche zu dem in Rede stehenden Behuf vorzüglich geeignete Stellen bieten sich oft dem Auge des Ansiedlers, während er in Lichtung seines Bodens fortfährt, dar, und lassen ihn bedauern, daß er sein Haus an einem Platze erbaut hat, den er noch nicht kennen gelernt hatte. Allein Umstände verstatten selten, den Hausbau im Busche aufzuschieben; eine Wohnung muß so schnell als möglich errichtet werden, und dies gewöhnlich auf dem ersten gelichteten Acker. Der Emigrant tröstet sich indeß dabei mit der Zukunft, er hofft auf eine nicht allzuferne Periode, wo er durch Aufführung einer schönern und bessern Wohnstätte, als sein Block-Haus (Log-Haus) oder seine Shanty ist, die er blos als einstweiliges Obdach betrachtet, sowohl seinem Geschmack als seiner Liebe zur Bequemlichkeit wird genügen können.

Bei meiner ersten Ankunft in diesem Lande überraschte mich nichts mehr als der völlige Mangel an Bäumen um die Wohnhäuser und auf dem gelichteten Boden, die Axt des Holzfällers stürzt unermüdlich alles vor sich nieder. Der Mensch scheint mit den Bäumen des Waldes zu kämpfen, gleichsam als wären sie seine schädlichsten Feinde; denn er schont weder das junge Bäumchen in seinem jugendlichen Grün noch den bejahrten Stamm in seinem hohen stattlichen Wuchse; er kriegt gegen den Forst mit Feuer und Stahl.

Es lassen sich für diesen anscheinenden Mangel an Geschmack verschiedne Gründe angeben. Die Waldbäume wachsen so dicht neben einander, daß es ihnen an Raum gebricht, sich auszubreiten und Seiten-Aeste zu entsenden; im Gegentheil schießen sie zu einer beträchtlichen Höhe empor, nicht unähnlich jungen Saatpflanzen in einem Treibbeete, die nicht gehörig gedünnt worden sind. Dergleichen Bäume sind schlank und schwach und entbehren völlig jener angenehmen Umrisse und jener schönen Laubkrone, die sie als eine Verzierung der Landschaft wünschenswerth machen würde; allein dies ist noch nicht der dringendste Grund zu ihrer Entfernung, vorausgesetzt, daß unter ihnen doch manche von nicht eben ungefälligen Formen vorkommen mögen.

Anstatt tiefe Wurzeln zu treiben, haben die Waldbäume, mit Ausnahme der Fichten, nur einen sehr oberflächlichen Halt in der Erde; die Wurzeln laufen an der Oberfläche des Bodens hin und haben daher nicht Kraft genug, den Stürmen zu widerstehen, welche gegen die Wipfel wüthen, und diese wirken so als mächtige Hebel, um sie aus dem Erdreich heraus zu reißen.

Je höher und schlanker der Baum ist, desto leichter wird er von den Stürmen entwurzelt; und wenn selbst diejenigen fallen, welche im Herzen des Waldes stehen und von allen Seiten eingehemmt sind, so kann man über das gewisse Schicksal eines einzeln stehenden, seiner früheren Beschützer beraubten Baumes, sobald er gegen den Sturm kämpfen soll, nicht zweifeln. Er muß fallen und kann dann leicht durch seinen Sturz in der Nähe befindliches Vieh beschädigen; dies ist der wichtigste Grund, warum man nicht einzelne Bäume auf dem gelichteten Boden stehen läßt. Uebrigens ist es nicht so leicht, bei Lichtung des Waldes diesen oder jenen Baum zu schonen, als ich mir dies anfangs dachte; der Fall eines Baumes zieht oft den von zwei, drei oder mehren kleineren, die in der Nähe stehen, nach sich. Ein geschickter Holzfäller sucht dies so sehr als möglich zu befördern, indem er kleine Bäume in der Richtung, in welcher er einen großen zu fällen beabsichtigt, nur zum Theil durchschneidet.

Ich wünschte sehr, einige hübsche Buchenbäumchen, die mir gefielen, zu erhalten, und bat daher die Holzfäller, dieselben wo möglich zu verschonen. Allein der einzige, welcher der zerstörenden Axt entging, mußte bald eine Feuer-Probe bestehen, wodurch seine frischen grünen Blätter augenblicklich welk und versengt wurden; er steht jetzt als ein trauriger Beweis der Unmöglichkeit da, dergleichen von der Axt verschonte Bäume zu erhalten. Das Einzige, was man thun kann, wenn man Bäume in der Nähe seines Hauses zu haben wünscht, ist, daß man junge dergleichen in günstigen Lagen anpflanzt, wo sie tief einwurzeln und ihre Aeste eben so ausbreiten können, wie die Bäume in unsern Parken und Hecken.

Ein andrer Plan, den wir auf unserm Boden zu verfolgen Willens sind, ist, mehre Acker Wald in passender Lage stehen zu lassen, die alten Bäume als Brennholz von Zeit zu Zeit heraus zu schlagen und den jungen Wuchs als Zierde zu verschonen. Dieses Verfahren, ein Wäldchen zu erhalten, unterliegt nicht den früher dagegen gemachten Einwürfen, und vereinigt das Nützliche mit dem Schönen.

Man fühlt sich, sieht man eine der gigantischen Eichen oder Fichten fallen, seltsam erregt. Stolz und unbeweglich scheinen sie zuerst dem Hagel von Axtschlägen, die von drei oder vier Holzfällern gegen ihren Stamm geführt werden, zu trotzen. Allein nachdem das Werk der Zerstörung eine Zeitlang gedauert hat, nimmt man alsbald eine leichte Bewegung — ein fast unmerkliches Zittern der Aeste wahr. Ganz langsam und allmälig beginnt der Waldriese, sich zu neigen, während das laute Krachen des Stammes endlich anzeigt, daß sein letzter Halt in der Erde aufgehört hat. Die Axt des Holzfällers hat ihre Pflicht gethan; die Bewegung des stürzenden Baumes wird mit jedem Augenblick beschleunigt, bis er unter donnerartigem Geprassel, welches die Erde erschüttert, während die benachbarten Bäume erbeben und sich vor ihm neigen, zu Boden sinkt.