Obschon entschieden weniger windig als unsre brittischen Inseln, wird Canada doch zu Zeiten von plötzlichen Stürmen, die sich bisweilen fast dem Orkan und der sogenannten Windsbraut nähern, heimgesucht. Eine Schilderung eines solchen Sturmes habe ich Ihnen in einem früheren Briefe gegeben. Im Verlauf des jetzigen Sommers bin ich Zeuge von einem andern Orkan gewesen, der in seinen Wirkungen noch heftiger und verheerender war.
Der Himmel überzog sich plötzlich mit Wolken, die sehr electrisch waren. Der Sturm brauste von Nordwesten heran, und seine Wuth schien auf eine Breite von einigen hundert Schritten beschränkt. Ich beobachtete mit einigem Interesse die schnellen Bewegungen der grauen, schwarzen und kupferfarbnen Wolken, die über den See hin zogen, als mich plötzlich das Krachen stürzender Bäume auf dem jenseitigen Ufer und noch mehr der Anblick der mit den umherwirbelnden Fichten-Reisern angefüllten Luft, kaum hundert Schritt vom Hause, während auf dem ebnen Boden, wo ich stand, keine Spur von Wind zu fühlen war, nicht wenig überraschte.
In wenigen Secunden hatte sich der Orkan über die Wasserfläche verbreitet und streckte mit unwiderstehlicher Gewalt nicht weniger als dreißig oder vierzig Bäume zu Boden, während er andre wie Schilfrohr niederbog. Es war grauenvoll zu sehen, wie der hohe Forst vor dem Toben des Sturmes zitterte und schwankte, und wie ein Riesenstamm nach dem andern stürzte, wie ein Spiel Karten, die ein Hauch zerstreut. Glücklicher Weise ging der Luftstrom blos über unsre gelichteten Aecker weg und fügte uns keinen Schaden weiter zu, als daß er auf dem hohen Ufer über dem See drei starke Fichten entwurzelte. Allein in der Richtung unsers Nachbars stiftete er großen Schaden an, er zerstörte einen großen Theil der Einfriedigung, zerschmetterte die Saaten durch die niederstürzenden Stämme und Aeste und bewirkte für den Besitzer einen großen Verlust und viel Arbeit, um den Schaden wieder gut zu machen.
Die aufwärts gekehrten Wurzeln der vom Winde umgestürzten Bäume sind eine große Plage auf dem gelichteten Boden, entstellen die Landschaft und sind weit schwieriger zu entfernen als die mit der Axt gefällten Bäume. Einige von den Stummeln dieser durch den Sturm umgeworfnen Bäume richten sich, wenn sie gleich nach ihrem Umsturz von ihren Aesten befreit worden sind, wieder empor, das Gewicht der Wurzeln und des damit emporgerißnen Erdreichs zieht sie an ihre alte Stelle zurück; wir haben diesen Umstand sehr häufig benutzt.
Diesen Sommer über herrschte die veränderlichste Witterung, welche man sich denken kann. Der Frühling war warm und angenehm, aber vom Ende des Mai bis zur Mitte des Herbstes hatten wir schwere Regengüsse, bewölkten Himmel und feuchte heiße Tage; heftige, furchtbar großartige Gewitter, aber wie es scheint weniger verheerend als in England, sind hier zu Hause. Es ist wohl möglich, daß die hohen Waldbäume die Gefahr von den niedrigen Gebäuden abwenden, die hinreichend gegen die Wirkungen des Blitzes geschützt sind. Auch der Herbst war feucht aber kalt. Ich muß hier gestehen, daß ich zur Zeit eben keine günstige Meinung vom hiesigen Klima hege; indeß ist es Unrecht, nach einer so kurzen Bekanntschaft damit über dasselbe aburtheilen zu wollen, besonders da Jedermann sagt, daß dieser Sommer seinen Vorgängern völlig ungleich gewesen.
Die Insekten waren eine große Plage für uns, und ich bewillkommnete den herannahenden Herbst als einen Befreier von ihren Angriffen; denn diese Plaggeister sind zahlreich und von mancherlei Art, und achten keine Persönlichkeit, wie ich zu meinem Leiden erfahren habe.
Ich sehne mich nach Briefen aus der Heimath; lassen Sie mich bald von Ihnen hören.