Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate. — Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße des Schnees verursacht. — Schlittenfahrt. — Indianische Orthographie. — Besuch in einem Indianer-Lager. — Ein indianischer Krüpel. — Canadische Ornithologie.

See-Haus, März 14, 1834.

Ich erhielt Ihren letzten liebevollen und höchst interessanten Brief erst diesen Abend. In Folge eines Fehlers in der Aufschrift hatte er die Runde in zwei Gemeinde-Bezirken gemacht, ehe er in Peterborough anlangte; und ob er gleich fast eben so viele Aufschriften hatte als ein Matrosen-Messer neue Klingen und Hefte, so kam er doch zuletzt in meine Hände und war mir, trotz seinem etwas beschmutzten und abgenutzten Reise-Gewande, nicht minder willkommen und schätzbar.

Ich freute mich, von Ihrer wiederkehrenden Gesundheit und frohen Laune zu hören; — mögen sie von langem Bestand sein. Ihre Klagen über mein Exil, wie Sie meinen Aufenthalt in diesem Lande nennen, gingen mir sehr zu Herzen. Lassen Sie meine Versicherung, daß ich mich gegenwärtig eben so glücklich fühle, als zur Zeit, wo ich meine Heimath verließ, sich zum Trost wegen meiner Entfernung von Ihnen dienen. Ist auch meine Lage verändert, so ist es doch nicht mein Herz. Mein Geist ist so lebhaft und heiter wie je zuvor, und zu Zeiten fühle ich eine Aufgewecktheit und Frische in mir, die jeder Sorge Trotz bietet.

Sie fürchten, daß mich die Strenge des canadischen Winters aufreiben werde. Ich erfreute mich nie einer bessern Gesundheit, als seitdem er seinen Anfang genommen. Das Blut wird von der Frische und Reinheit der Luft dergestalt durchströmt und gekräftigt, daß man sich ganz heiter und wohl fühlt. Selbst der Schnee erscheint weißer und schöner als in unserm feuchten neblichen Klima. An sehr kalten hellen Wintertagen sieht man hier oft die Luft mit kleinen gefrornen Wasser-Theilchen gefüllt, die völlig trocken sind, und das Gesicht ganz leicht wie Nadelspitzen berühren, während der Himmel blau und heiter ist. Es herrscht zwischen dem ersten Schnee-Fall und dem in der Mitte des Winters ein merklicher Unterschied. Der erste zeichnet sich durch große weiche Flocken aus und liegt selten lange, ohne zu thauen, aber die Flocken des zweiten, nachdem regelmäßig anhaltende Kälte eingetreten ist, sind kleiner, trockner und von den schönsten Formen, bisweilen spitzig wie Strahlenbüschel, oder sonst auf die merkwürdigste Weise gefiedert.

Meinen Augen ist die blendende Weiße und das Funkeln des Schnees an heitern sonnigen Tagen sehr zuwider und macht mein Gesicht, wenn es derselben ausgesetzt gewesen, auf mehre Stunden äußerst schwach, so daß ich die mich umgebenden Gegenstände nicht deutlich unterscheiden kann. Ich möchte jedem rathen, der hierher kommt, sich mit grünen oder blauen Brillen-Gläsern[40] zu versehen, und den Damen, ja grüne Crep-Schleier mit zu bringen. Große grüne Brillen, wie sie der arme Moses kaufte, würde in Canada als kein so schlechtes Geschäft gegolten haben[41].

Vor einigen Tagen kehrte ich von einem Besuche

bei einer kranken Freundin zurück und weidete mich auf meinem Wege an den Wirkungen des Frostes. Erdboden, Bäume, jedes Reis, jedes dürre Blatt, jeder Stein, worauf mein Auge stieß, blitzten gleichsam von Diamanten, als wären sie von einem Zauberstab berührt worden; Gegenstände, vorher roh und jeder Schönheit ledig, hatten plötzlich einen unbeschreiblich blendenden Glanz angenommen. Man glaubte sich fast in Sindbad's Diamanten-Thal versetzt[42]. Ueberdies war die Luft keineswegs unangenehm oder unerträglich kalt.