Ich habe an windigen Tagen in England weit mehr Kälte empfunden als in Canada, bei einem weit niedrigeren Temperatur-Grade. Es herrscht hier in kalten Nächten eine fast entzückende Stille in der Luft, welche die Unannehmlichkeit der Kälte-Empfindung verringert.
Allerdings treten im Verlauf des Winters einige sehr kalte Tage ein, allein diese niedrige Temperatur hält selten länger als dreimal vierundzwanzig Stunden an. Der kälteste Theil des Tages ist von ein oder zwei Uhr vor Sonnen Aufgang bis ungefähr um neun Uhr Morgens; bis dahin haben unser prasselndes Holzfeuer (log-fire) oder unsre eisernen Oefen das Haus durchwärmt, so daß man sich um die drausen herrschende Kälte gar nicht bekümmert. Im Freien fühlt man sich bei gehöriger Bewegung und hinreichender Bekleidung weit weniger unbehaglich, als man glauben sollte. Ohren und Nase sind der Kälte am meisten ausgesetzt.
Leute, die von einer langen Reise kommen, bilden bisweilen eine seltsame Erscheinung, die einem, wären sie nicht zu bemitleiden, ein Lächeln entlocken würde.
Haare, Schnurrbart, Augenwimpern, Bart, alles ist mit Reif überzogen. Ich habe junge Damen in Abend-Gesellschaften gehen sehen, mit Locken, so dunkel wie die Ihrigen, die aber bald durch den kalten Luft-Hauch in Silberweiß verwandelt wurden, so daß man fast auf die Idee gerieth, die schönen Mädchen wären in ihre alten Großmütter metamorphosirt worden, glücklicher Weise für Jugend und Schönheit sind dergleichen Verwandlungen nur vorübergehend.
In den Städten und volkreichen Theilen der Provinz begrüßt man die Annäherung des Winters, anstatt sie zu fürchten, mit wahrer Freude. Reisen sind dann ungehindert und angenehm; selbst unsre elenden Buschstraßen gewinnen im eigentlichen Sinne des Wortes an Werth; und sollte man auch während einer Lustfahrt ein- oder zweimal umgeworfen werden, so sind doch dergleichen Zufälle von keiner großen Gefahr begleitet, auch erweckt ein Burzelbaum in den Schnee vielmehr Gelächter als Mitleiden; daher ist es bei dergleichen Gelegenheiten das Beste, das bischen Schnee, was man etwa aufgeladen, mit gutem Anstand abzuschütteln und in die Lust und Späße der Gesellschaft einzugehen.
Das Reisen auf dem Schlitten ist in der That höchst angenehm; je mehr Schnee, desto besser die Schlitten-Zeit; und je härter er wird, desto leichter ist die Bewegung des Fuhrwerks. Die Pferde sind sämmtlich mit Glocken-Geläute und Schellen sowohl um den Hals als auf dem Rücken geschmückt, und das lustige Geklingel ist keineswegs unangenehm.
Sobald eine hinreichende Menge Schnee gefallen ist, wird alles Fuhrwerk von der Staats-Karosse bis zur Radeberge auf eisenbeschlagne Kufen — den Schlittschuh-Eisen nicht unähnlich — gesetzt. Die gewöhnlichen Reise-Equipagen sind der Doppel-Schlitten, (double sligh) der leichte Wagen und der Cutter; die beiden ersten werden von zwei Pferden, neben einander gezogen, der letztre dagegen, bei weitem das eleganteste Fuhrwerk dieser Art, ist blos für ein Pferd bestimmt und entspricht mehr dem Gig oder der Chaise.
In Büffel-Häute gehüllt, fühlt man keine Unannehmlichkeit von der Kälte, ausgenommen im Gesicht, das man durch einen warmen Biber, einen Hut oder eine Mütze schützen muß; Mützen werden hier selten oder niemals getragen, und zwar aus dem lächerlichen Grunde, weil es nicht Mode ist.
Das rothe, graue und schwarze Eichhörnchen ist in unsern Wäldern häufig. Die Moschus-Ratze bewohnt kleine Häuser, die sie in den binsenreichen Theilen der Seen erbaut. Diese Wohnungen bestehen aus Riethgras und Binsen-Wurzeln, Stöcken und andern ähnlichen Materialien und sind mit Schlamm ausgekleidet, ein dichtes, die Wasserfläche einen Fuß und mehr überragendes Schilfdach schützt das Gebäude von oben; es ist von runder domartiger Gestalt und vom Ufer aus in einiger Entfernung sichtbar. Die Indianer stellen Fallen, um die Thierchen in ihrer Wohnung zu fangen, und verkaufen ihre Felle, welche gegen den Winter sehr dicht und glänzend sind. Der Biber, der Bär, der schwarze Luchs und Füchse werden ebenfalls getödtet und von den Jägern an die Vorratshändler gegen Waaren oder Geld verkauft.