Ich war stets eine Liebhaberin von Schnee-Landschaften, aber weder in diesem Lande noch in der Heimath sah ich je etwas so über alle Vorstellungen Liebliches, als wie mir der Wald in dieser Nacht erschien.
Wir verließen die breite Straße und schlugen einen Nebenweg ein, den die Indianer fest getreten hatten, und bald bemerkten wir den Wigwam an dem röthlichen Rauche, der aus dem offnen, korbgeflechtartigen Dache der kleinen Hütte hervor qualmte. Letztere besteht zunächst aus leichten Stangen, die, in einem Kreise in die Erde befestigt, einen runden Raum von zehn bis zwölf Fuß Durchmesser einschließen. Zwischen diese Stangen sind lange Birken-Rinden-Schichten gezogen oder geflochten, und zwar sowohl innerlich als äußerlich; nach oben, wo die Stangen gegen einander geneigt sind ist eine Oeffnung gelassen, zum Entweichen des Rauches; die Außenwände waren auch mit Schnee belegt oder umdämmt, so daß von unten gar keine Luft eindringen konnte.
Einige von unsrer Gesellschaft, die jünger und leichtfüßiger waren, als wir gesetzten verheiratheten Leute, liefen voraus, so daß wir, als das Tuch, welches als Thüre diente, weggenommen wurde, eine buntscheckige Gesellschaft von dunkelfarbigen Häuten und blassen (weißen) Gesichtern aus den weichen Tüchern und Fellen gelagert fanden, die rings an den Wänden in dem Wigwam ausgebreitet waren.
Die dunkelbraune Hautfarbe, das buschige schwarze Haar und das eigenthümliche Costüm bildeten einen auffallenden Contrast mit den weißen Europäern, die unter die Indianer gemischt dasaßen, der seltsame Anblick wurde noch durch das flackernde, in der Mitte lodernde Holzfeuer erhöht, welches die Gruppe mit seinem röthlichen Schimmer bestrahlte. Die Jagdhunde lagen in träger Behaglichkeit dicht neben dem Holzstoß, während drei oder vier dunkelfarbige kleine Wilde mit einander spielten oder ihrer Erzürnung über die beständigen Neckereien und Affenstreiche des bucklichen Maquin, mit welchem ich Sie bereits bekannt gemacht habe, durch lautes Schreien Luft machten; denn dieser indianische Spiegelberg schien sein größtes Vergnügen im Necken und Quälen der kleinen Papousen zu finden, wobei er von Zeit zu Zeit voll schadenfroher Laune nach den Gästen schielte, und gleich darauf wieder, wenn er die Blicke seines Vaters oder der Squaws auf sich gerichtet glaubte, die ernsteste Miene von der Welt annahm.
Ein leichtes Geräusch unter den Anwesenden bezeichnete unsre Ankunft, als wir eins nach dem andern durch die Thür in die Hütte traten. Unsre Freunde empfingen uns mit fröhlichem Lachen, welches mehr als einer der männlichen Indianer nachhallte, während die Squaws ein eigenthümliches Kichern vernehmen ließen.
Chippewa (S—,) erhielt einen Ehrenplatz neben dem Jäger Peter; und Squaw Peter (Peter's Frau) räumte mir mit großer Zuvorkommenheit und freundlichem Gesicht einen Platz auf ihrem Betttuch ein, zu welchem Behuf zwei Papousen und ein Jagdhund schreiend und wehkagend in die Nachbarschaft ihres Quälgeistes Maquin verwiesen wurden.