Wir befinden uns jetzt im Angesicht von Grün-Eiland. Es ist die größte und, meines Bedünkens, eine der bevölkertsten Inseln, an denen wir bisher vorbeigekommen sind. Mit jeder Minute nimmt die Scenerei an Schönheit zu.

So weit das Auge reichen kann, sieht man das Ufer dicht mit Dörfern und Meiereien in einer fast ununterbrochnen Linie bedeckt. Auf der Südseite glänzt und funkelt Alles von den Zinndächern der ansehnlicheren Gebäude; die übrigen Häuser sind mit weiß übertünchten Schindeln gedeckt. Letztere gefallen mir weniger als die einfachen (nicht angestrichnen) Schindeln; die weiße Farbe der Dächer der Hütten und Hausstätten blendet das Auge, und vergebens sieht man sich zur Erleichterung nach Schiefer- oder Stroh-Dächern um; die Schindeln, in ihrem natürlichen Zustande, erlangen bald das Ansehn von Schieferplatten, so daß man sie kaum davon unterscheiden kann. Was würden Sie zu einem rosenroth angestrichnen Hause mit einem Dache von derselben muntern Farbe, und auf der Vorderseite mit grünen Fensterladen, grünen Thüren und einer grünen Verandah (Vorhalle) sagen. Jedenfalls ist das Innere in entsprechendem Geschmack verziert. In der Regel bemerkt man in einem canadischen Dorfe, ein oder mehre dergleichen rosenfarbne Häuser, die sich durch ihr prahlendes Aeußere vor ihren bescheidnern Brüdern auszeichnen.

Den elften August. — Gleich unter Grün-Eiland nahmen wir einen wirklichen Lootsen an Bord, den ich indeß, beiläufig gesagt, nicht halb so gut leiden kann, als Herrn Paul. Er ist etwas superklug und scheint sich offenbar nicht wenig auf seine überlegne Kenntniß des Flußes einzubilden. Der gutmüthige Fischer verließ seinen Posten mit recht gefälligem Anstand und scheint mit seinem geschickteren Nebenbuhler bereits ziemlich befreundet zu sein. Ich meines Theils gerieth in große Sorge, als der neue Lootse an Bord kam; das erste was er that, war, daß er uns einen gedruckten Zettel einhändigte, welcher Verordnungen von Seiten des Gesundheit-Ausschusses zu Quebek hinsichtlich der Cholera enthielt, die, nach seiner Aussage, sowohl an diesem Orte als zu Montreal wahrhaft pestartig wüthet.

Diese Verordnungen verbieten sowohl dem Capitain als dem Lootsen, unter Androhung schwerer Strafe im Unterlassungsfall, ausdrücklich, irgend Jemand, sei es von der Schiffsmannschaft oder den Passagieren, ohne vorherige strenge Untersuchung von Seiten der Quarantaine-Anstalt aus dem Schiffe zu entlassen.

Dies war für alle höchst unangenehm und ärgerlich, besonders da der Capitain an demselben Morgen den Vorschlag gethan hatte, daß er uns an einem anmuthigen Orte, Namens Kranich-Insel landen wolle, damit wir den Nachmittag bis zur Rückkehr der Fluthzeit in dem Hause eines angesehnen Schotten zubringen könnten, der die beste Ansiedelung, sowohl in Hinsicht der Gebäude als Anlage des Bodens, die mir bis jetzt zu Gesicht gekommen, daselbst besitzt.

Die Lage der Insel ist an sich selbst sehr schön. Um sie her fluthet der gewaltige St. Laurence-Fluß, auf seinen Wogen den Handel verschiedner Nationen tragend; im Vordergrunde sind die volkreichen und lebhaften Ansiedelungen der südlichen Ufer, während dahinter und weit darüber hinaus sich die hohe Bergkette nach Norden zu erhebt, gegenwärtig dicht mit Dörfern, anmuthigen Meiereien und angebauten Feldern bedeckt. Die Insel selbst zeigte uns ebne freie Plätze und smaragdgrüne Wiesen, nebst Obstpflanzungen und Kornfeldern, die sanft abwärts nach dem Wasser-Rande verliefen. Nach einer Einkerkerung von ziemlich fünf Wochen an Bord des Schiffs, können Sie sich leicht vorstellen, mit welcher Freude uns die Aussicht erfüllte, einige Stunden an diesem einladendem Orte zuzubringen.

Wir hoffen, diesen Abend den Quarantaine-Platz (Gros-Eiland) zu erreichen, wo wir, wie uns der Lootse sagt, drei Tage werden verweilen müssen. Ob wir uns gleich alle einer guten Gesundheit erfreuen, so müssen wir doch, weil wir aus einem inficirten Hafen kommen, Quarantaine halten und dürfen nicht landen.