Wie oft wünsche ich Sie an meine Seite, wenn ich durch die Wälder und Lichtungen streife; die Aufsuchung unsrer botanischen Schätze würde Ihnen große Freude gewähren.

Ich bedaure jetzt nur zu sehr, daß ich, als ich noch in der Heimath war, Ihr gütiges Anerbieten, mich im Blumenmalen unterrichten zu wollen, ausgeschlagen habe; Sie sagten mir damals oft, die Zeit würde kommen, wo ich Ursache haben dürfte, die Vernachlässigung der sich mir darbietenden günstigen Gelegenheit zu bereuen.

Sie haben mir richtig prophezeiht; denn ich beklage jetzt täglich, daß ich Ihnen keine genauen Schilderungen von den Pflanzen meiner neuen Heimath geben oder denselben ihren Platz im System anweisen kann, wie Sie dies thun würden. Mit einigen derselben habe ich mich bekannt gemacht, jedoch traue ich meinen botanischen Kenntnissen zu wenig, um eine wissenschaftliche Beschreibung zu wagen; denn ich fühle nur zu gut, daß ein Verstoß leicht entdeckt werden, und daß ich, wollte ich mich mit Kenntnissen brüsten, die ich nicht besitze, mich lächerlich und verächtlich machen würde. Das einzige botanische Werk, das mir zu Gebote steht, ist Pursh's nordamerikanische Flora, aus welcher ich einige Belehrung geschöpft habe; allein ich muß gestehen, daß mir die Entzifferung der lateinischen Beschreibungen, da ich kein Latein verstehe, außer was mich mein bischen Italienisch errathen läßt, viel Mühe und Langeweile verursacht.

Ich habe von den vorzüglichsten, der Aufmerksamkeit würdigsten Pflanzen in unsrer Nähe, ein Verzeichniß entworfen, es giebt indeß noch viele andere in dem Gemeinde-Bezirk, die mir fremd sind; von einigen derselben weiß ich nicht einmal die Namen. Ich füge von denjenigen Blumen, die mir am meisten gefallen, oder die sich durch irgend eine erwähnungswerthe Eigenschaft auszeichnen, eine leichte Skitze bei, aber nicht mit dem Pinsel sondern mit der Feder.

Auf dem gelichteten Boden wachsen nicht mehr dieselben Pflanzen, welche früher, als er noch mit Waldbäumen bedeckt war, darauf wucherten. Eine andre Pflanzen-Welt kommt zum Vorschein, sobald das Feuer den Boden gereinigt hat. Das Nämliche läßt sich hinsichtlich unsrer Waldbäume sagen. So wie eine Generation abstirbt und verwittert, tritt eine neue, aber von ihr verschiedne an ihre Stelle. Ein zur Erläuterung dieses Umstandes dienendes Beispiel liefert das sogenannte Fichten-Fett, eine harzige Substanz, die man gewöhnlich an Orten findet, wo die lebende Fichte weniger häufig wächst, und wo Eichen, Eschen, Ahorn u. s. w. den Boden einnehmen.

Das Feuer-Kraut, eine Art schlanke Distel von niedrigem, unangenehmem Geruch, ist die erste Pflanze, welche erscheint, nachdem der Boden durch Feuer entwaldet ist; bleibt ein Stück Land den ersten Sommer nach seiner Lichtung ungepflügt liegen, so schießt im nächsten Frühjahr dieses Unkraut in dichten Massen hervor. Die nächste Pflanze, welche sich zeigt, ist der Sumach mit seinem flaumbedeckten Stengeln und sammetartigen hochrothen Blumen, die einen aufrecht stehenden stumpfen Büschel an den Zweigspitzen bilden; die Blätter werden im Spätsommer scharlachfarben. Dieser Strauch, wiewohl er sich sehr schön ausnimmt und recht wohl als Ziergewächs dienen kann, wird doch in alten Lichtungen als eine große Plage betrachtet, weil seine Wurzeln ausschlagen und zahlreiche Schößlinge treiben. Hierauf folgen die Brombeeren und die wilde Stachelbeere in großer Menge, und zahllose Erdbeer-Pflanzen von mancherlei Art überziehen den Boden gleich einem Teppich und vermischen sich mit dem Gras der Weide. Ich sah mich dieses Frühjahr genöthigt, mit schonungsloser Hand Hunderte von Sarsaparilla-Pflanzen, so wie auch den berühmten Ginseng, welcher in unsern Wälder sehr häufig ist, mit der Wurzel auszureißen; der Ginseng war früherhin ein Ausfuhr-Artikel, den die Vereinigten Staaten nach China sendeten, weil seine Wurzel von den Chinesen besonders geschätzt wird.

Letzte Woche bemerkte ich eine saftige Pflanze, die auf einem trocknen sandigen Gange in meinem Garten den Boden durchbrochen hatte; sie scheint eine Art (Mesembryanthemum (?)) zu sein; sie hat sich so schnell ausgebreitet, daß sie bereits einen ziemlichen Raum einnimmt. Die Zweige gehen von der Mitte der Pflanze aus und treiben aus jedem Gelenk Schößlinge hervor. Die Blätter sind mehr klein, dreikantig und zugespitzt, dick und saftig, wie die gewöhnlichen Sedum-Arten, wenn man sie quetscht, so fließt eine grünliche Flüssigkeit aus. Die Stengel sind dick und rund, hellroth und kriechen an der Erde hin; die Blätter entspringen aus den Gelenken, und mit ihnen in ununterbrochner Aufeinanderfolge gelbe Stern-Blumen, die sich ungefähr eine Stunde nach ihrer ersten Entfaltung wieder schließen. Ich werde Ihnen einige Samen von dieser Pflanze schicken, ich bemerkte nämlich eine Anzahl kleiner Schoten, die wie Knospen aussahen, aber, bei näherer Untersuchung sich als die Samenbehälter erwiesen. Die Pflanze bedeckt den Erdboden gleich einer dicken Matte, und ist, wo ihr dieser zusagt, wie man mir sagt, ein lästiges Unkraut.

Ich bedaure nur, daß ich unter meinen getrockneten Pflanzen nicht einige unsrer prachtvollen Wasser-Lilien und Iris-Arten erhalten konnte; allein sie waren zu groß und zu saftig, um sich gut trocknen zu lassen. Da ich Ihnen diese meine Lieblinge nicht mitsenden kann, so will ich sie Ihnen wenigstens beschreiben.

Die erste davon ist eine herrliche Wasser-Lilie, (Nymphaea) welche ich der Unterscheidung halber »Königin der Seen« genannt habe, denn sie prangt gleich einer Krone auf den Gewässern; diese prächtige Blume gleicht in Umfang einer mäßig großen Dahlia, sie erscheint wie gefüllt, und jede Blumen-Blätter-Reihe nimmt nach der Mitte zu allmälig an Größe ab und geht in Farbe nach und nach von dem reinsten Weiß in das lichteste Citronengelb über. Die noch nicht entfalteten Blüthen nehmen sich sehr hübsch aus, man kann sie unter der Oberfläche des Wassers auf verschiednen Stufen ihrer Entwickelung wahrnehmen: — von der noch völlig geschloßnen und in ihren olivengrünen Kelch gehüllten Knospe bis zu der halb aufgeplatzten Blume, welche bereit ist, aus ihrem Wasser-Kerker hervorzutauchen und in all ihrer jugendlichen Schönheit ihren schönen weißen Busen dem hellen Sonnenstrahl und der milden Luft zu entfalten. Aber die Schönheit der Blume ist nicht ihr einziger Liebreiz; sobald sie sich entfaltet hat, verbreitet sie einen reichen Wohlgeruch, dem von frischen Citronen nicht unähnlich. Nicht weniger Aufmerksamkeit verdienen die Blätter: anfangs zeigen sie ein schönes Dunkelgrün, aber mit dem Abwelken der Blume vertauschen sie diese Farbe nach und nach mit einem lebhaften Carmosin. Wo viele dergleichen Lilien dicht beisammen wachsen, verleihen sie der Wasserfläche einen unbeschreiblich schönen Anblick, der schon in einiger Entfernung das Auge auf sich zieht.

Die gelbe Species dieser Gattung ist ebenfalls sehr schön, jedoch fehlt ihr das seidenartige Gewebe und die zarte Farbe der erstern; ich nenne sie »Wasser-König.« Die Blume bietet einen dunkel goldgelben Becher dar, dessen ausgebauchte Blätter in der Mitte eine röthlich braune Schattirung zeigen, welche gegen die hellfarbigen, wie goldne Franzen über einander herabhängenden Antheren stark absticht, die sehr zahlreichen Antheren sind in dicht auf einander folgenden Reihen angeordnet und füllen den hohlen Blumen-Becher völlig aus.