Die seichten Stellen unsrer Seen strotzen von mannigfaltigen zierlichen Wasser-Pflanzen; ich kenne keinen lieblichern Anblick als diese kleinen schwimmenden Gärten. Hier erblickt man unfern des Ufers ein Beet mit azurnen, Fleurs de lis, vom blassesten Perlfarben bis zum dunkelsten Violett. Näher am Ufer, wo das Wasser am seichtesten ist, sendet die rosenfarbne Persecaria ihre prächtigen Blüthen empor, deren Stiele sich unter der Wasserfläche hinranken, man sieht die rothen Stengel und glatten dunkelgrünen, an der untern Fläche rosenroth geaderten Blätter; es ist eine höchst reizende Varietät dieser schönen Pflanzen-Gattung. Auf diese folgt eine Schicht weißer Nymphäen, meine Lieblinge, alle in voller Blüthe, die auf dem Wasser schwimmen und ihre gefüllten Blumenkronen an der Sonne entfalten; unweit dieser erhebt sich in stolzer Schöne eine hohe schlanke Pflanze, mit dunkelgrünen lanzettförmigen Blättern und einer dicken Aehre von hellblauen Blüthen. Ich kann den Namen dieser prächtigen Blume nicht ausfindig machen und habe leider ihren botanischen Bau nicht untersucht, daher ich Ihnen keinen näheren Aufschluß zur Auffindung ihres Namens und ihrer Gattung geben kann.

Unsre Reis-Beete verdienen ebenfalls Bewunderung; aus der Ferne gesehen, erscheinen sie wie grüne Inseln auf den Seen, nimmt man seinen Weg über ein solches Beet, wenn der Reis in der Blüthe steht, so gewährt dieser, mit seinen breiten grasigen Blättern und leichten wogenden Aehren einen lieblichen Anblick; die Aehren sind mit blaßgelben oder grünen, zart purpurröthlich schattirten Blumen besetzt, aus welchen drei zierliche strohfarbne Staubfäden hervorragen, die sich bei jedem Lufthauch, bei der leichtesten Erschütterung des Wassers hin und her bewegen. Ich sammelte mehre Aehren, die sich eben erst geöffnet, aber leider zerbröckelten sie bald nach der Trocknung. Nächsten Sommer werde ich einen abermaligen Versuch machen, einige zu trocknen, und vielleicht dürfte ich einen bessern Erfolg haben.

Das niedrige Ufer des Sees ist über und über mit Strauchwerk und Stauden überzogen. Wir haben ein recht hübsches Johanniskraut, mit schönen gelben Blumen. Auch schöne Geisblatt-Arten kamen hier vor, Strauch-Gewächse von ungefähr drei Fuß Höhe; die Blüthen stehen in Pärchen oder zu vieren und hängen unterhalb der lichtgrünen Blätter; sie sind zierlich trompetenförmig und zart grünlich weiß, es folgen ihnen rubinrothe Beeren. Betrachtet man einen Zweig dieser Pflanze, so fällt besonders die zierliche Anordnung der Blüthen längs dem untern Theil der Stengel in die Augen, die beiden Blüthen sind an den Nectarien auf eine eigenthümliche Weise mit einander verbunden. Die Amerikaner nennen diese Geisblatt-Art twinflower (Zwillingsblume). Ich habe unter den Blüthen derselben einige rosenrothe bemerkt, im Ganzen genommen ist sie einer der schönsten Ziersträucher, welche wir besitzen. Ich verpflanzte im letzten Frühjahr einige junge Exemplare in meinen Garten, und sie versprechen ein gutes Gedeihen. In Pursh's Flora finde ich nirgends eine Beschreibung davon; indeß weiß ich gewiß, daß das Gewächs zu den Geisblatt-Arten gehört, Klasse und Ordnung, Gestalt und Farbe der Blätter, die Blüthenstengel, die trompetenförmigen Blumen, alle gleichen einigermaßen unserm heimathlichen Geisblatt.

Ferner ist ein hoher, gerade aufschießender Strauch, mit großen gelben trompetenartigen Blüthen zu erwähnen, welche an den Zweigspitzen erscheinen; das Involucrum (Hülle) bildet einen bootförmigen Becher, welcher die Blüthen, die daraus zu entspringen scheinen, wie bei unserm scharlachblumigen Jelängerjelieber, kreisförmig umschließt. Blätter und Blüthen dieser Gewächse sind grob und keineswegs mit denen der zuerst beschriebnen Art zu vergleichen.

Wir haben eine große Mannigfaltigkeit von merkwürdigen Orchiden (Ragwurz): gelbe, braune blaßfleischfarbne und scharlachstreifige; eine weiße von trefflichem Geruch, und eine zarte rosenrothe, mit einem runden Blumenköpfchen und zart gefranzten Blumen, wie die Wasser-Nelken, welche in unsern Sümpfen wachsen; dies ist eine allerliebste Blume, sie kommt auf den Biber-Wiesen vor.

Letzten Herbst bemerkte ich in dem Fichten-Wäldchen unfern unsrer Wohnung ein höchst merkwürdiges Gewächs, es kam mit nackten braunen Stämmchen, die sich wie die Aeste eines Baumes en miniature verbreiteten, aus der Erde hervor; die Stengel und Stiele dieser Pflanze waren braun, leicht gefleckt und mit kleinen Knötchen besetzt. Ich beobachtete aufmerksam und mit nicht geringem Interesse das Fortschreiten ihres Wachsthums und Reifens bis ziemlich Ende Oktobers; die kleinen Knötchen, die aus zwei eckigen, harten Hüllen bestanden, und wenn man sie völlig ablößte, Aehnlichkeit mit einem Boote hatten, bersteten entzwei und ließen eine blaßstrohgelbe, spreuartige Substanz, die wie feine Sägespähne aussah, wahrnehmen, wahrscheinlich waren dies die Antheren (Staubwege), jedoch glichen sie mehr Samen; dieses sonderbare Gewächs hätte mit einem Mikroscop untersucht werden sollen. Eine Eigenthümlichkeit, die ich bemerkte, war, daß ich beim Ausreißen eines Exemplars mit der Wurzel, dies Blüthen sich unter der Erde öffnen sah, sie entsprangen von den untersten Enden der Blumenstiele und waren in ihrer Reife eben so weit vorgeschritten, als die, welche an den überirdischen Stengeln saßen; ausgenommen, daß sie etwas bleicher waren, ein leicht erklärlicher Umstand, da die Luft nicht auf sie einwirken konnte. Ich kann keine Beschreibung von dieser Pflanze finden, auch scheint Niemand außer mir Notiz davon genommen zu haben. Das Exemplar, welches ich für Sie bestimmt hatte, zerbröckelte, als es trocken war.

Ich habe versprochen, einige der merkwürdigsten der hier wachsenden Blumen für einen der Professoren an der Universität Edinburg zu sammeln.

Wir haben eine sehr schöne Pflanze, die unsrer Kartoffel in ihrem Blüthen-Bau sehr verwandt zu sein scheint; sie wird in günstigen Lagen zwei bis drei Fuß hoch und sendet manche Seitenzweige ab; die Blumen sind groß, rein weiß, nahe am Boden der Corolle (Blumenkrone) mit bräunlichgelben Flecken gezeichnet, die Blumenkrone ist ganz (ungetheilt); jedenfalls ist dieses Gewächs von der cultivirten Kartoffel nicht verschieden (?!), jedoch scheinen sich an seiner Wurzel keine Knollen zu bilden. Die Frucht ist sehr schön, eiförmig und nach erlangter Reife schön apricosenfarben und von glänzendem lockendem Ansehn; der Geruch indeß verräth ihre giftige Natur: öffnet man sie, so bemerkt man einen weichen Brei, der mit glänzend schwarzen Samen gehüllt ist. Die Pflanze blüht vom Juni an, bis die ersten Fröste ihre Blätter welken machen; sie ist bei weitem nicht so grob als die Kartoffel; die Blüthe gleicht, sobald sie sich völlig entfaltet, einem halben Kronenstück und ist ganz flach, ich glaube man nennt dies präsentirtellerförmig. Leichter lehmiger Boden sagt ihr vorzüglich zu, sie wächst auf den aufwärts gekehrten Wurzeln umgestürzter Bäume, wo das Erdreich etwas sandig ist; ich habe sie nie anderswo als auf unsrer eignen Brache gesehn.

Die Hepatica (Anemone hepatica, Leber-Anemone), ist die erste Blume des canadischen Frühlings; sie erfreut uns mit ihren blauen, rothen und weißen Blumen schon in den ersten Tagen des Aprils, nachdem der Schnee kaum von der Erde gewichen ist. Die Canadier nennen sie Schneeblume, (snow flower) weil sie, wie eben gesagt worden, bald nach Entfernung des Schnees erscheint. Wir sehen ihre lieblichen Bouquets in den offnen Lichtungen und den Tiefen des Waldes; auch ihre Blätter sind eine dauernde Zierde in der milden Jahreszeit; man sieht sie auf jedem kleinen Rasen-Hügel, jeder moosbedeckten Wurzel; die blauen Nuancen sind äußerst mannigfaltig und zart; die weißen Staubwege stechen gefällig von den blauen Blumen-Blättern ab.

Die Wald-Kresse, oder Ingwer-Kresse (ginger cress) ist eine hübsche weiße Kreuzblume, und äußerst aromatisch; sie hat eine weiße, fleischfarbige Wurzel von stechendem meerrettigartigem Geschmack. Die Blätter sind mattgrün, scharf eingekerbt und dreilappig. Reiche feuchte Dammerde sagt dieser Pflanze am besten zu, und man findet sie hauptsächlich auf niedrigem, etwas morastigem Boden; der Blüthenstengel ist bisweilen nackt, bisweilen mit Blättern besetzt und endet mit einer losen Aehre von weißlichen kreuzförmigen Blumen.