Es giebt hier auch eine Kresse, welche in hübschen grünen Büscheln auf dem Boden des Wassers in Buchten und Bächen wächst. Sie ist zarter und von angenehmerem Geschmack als irgend eine Land-Kresse; die Blätter zeigen ein blasses, zartes Grün, sind geflügelt und schlank; die Pflanze nimmt sich unter dem Wasser wie ein grünes Kissen aus. Die Blumen sind gelb, kreuzförmig und unbedeutend. Sie giebt in der ersten Hälfte des Frühlings und im Herbste einen recht angenehmen Sallat. Außerdem kommen mehre Arten Land-Kresse vor, desgleichen einige Gewächse, die einigen unsrer Kohl- und Kraut-Arten gleichen und als Frühjahrs-Gemüse benutzt werden dürften. Ferner findet man verschiedne Spinat-Arten: eine davon ist hier, unter dem Namen Lamb's quarter (Lamms-Viertel) bekannt; sie wächst in beträchtlicher Menge um unsre Gärten, und wird in reicherem Boden zwei Fuß hoch; ihr Blätterwuchs ist äußerst üppig. Die ersten Triebe dieser Pflanze werden an Schweinfleisch gekocht und sind in Ermangelung zarterer Gemüse-Arten sehr nützlich.

Ferner haben wir die indianische Rübe, eine sehr schöne Aron-Wurz (Arum), deren Wurzel, gekocht, der Cassave gleichen soll; die Blätter derselben nehmen sich recht hübsch aus, sie zeichnen sich durch einen schwachen Purpur-Schein aus; die Indianer brauchen die Wurzel als Medicin, und auch als Nahrungs-Mittel; die Ansiedler essen sie oft als Gemüse; ich selbst habe sie noch nie gekostet. Pursh nennt diese Art Arum atropurpureum.

Ich darf hier eine unsrer größten Zierden nicht übergehen, nämlich den Erdbeerspinat[51], oder den indianischen Erdbeerstrauch, wie er verschiedentlich genannt wird. Dieses Gewächs treibt aus einem Hauptstamme viele Seiten-Aeste, die mit schönen Blättern besetzt sind und ihrer äußern Erscheinung nach unserm langblättrigen Garten-Spinat gleichen, die Frucht dieses Strauches ist hell carmosinroth und breiartig, wie die Erdbeere, und enthält eine Anzahl purpurfarbner Samen, die theilweise in der Oberfläche des Fleisches sitzen, gerade so wie die Samen der Erdbeere. Die Früchte sitzen dicht am Stengel, umgeben ihn vollkommen und bilden eine reiche Aehre von schönrothen Beeren. Ich habe fußlange Zweige gepflückt, die dicht mit diesen schönen Beeren bedeckt waren, und bedauerte nur, daß ich sie wegen ihres faden Geschmacks nicht essen konnte. An den Ufern der Einbuchten und auf reicherem Boden wächst dieser Erdbeerstrauch sehr üppig, eine einzige Wurzel treibt zwanzig bis dreißig Aeste empor, die sich unter dem Gewicht ihrer schönen Bürde niederbeugen. Wenn die mittlern und obern Stengel reifen und abwelken, wachsen die Seiten-Aeste in die Höhe, und so trägt der Strauch vom Juli an ununterbrochen Früchte, bis im September die Fröste ihn seiner Schöne berauben.

Die Indianer benutzen den Saft dieser Pflanze zum färben und sollen auch die Beeren essen; man bedient sich ihres Saftes oft als rother Tinte, allein er verschießt sehr schnell, wofern er nicht mit Alaun vermischt ist. Eine meiner Freundinnen erzählte mir, daß sie einen Brief an einen ihrer Verwandten in England mit dieser Erdbeer-Tinte durchkreuzt[52], allein da sie nicht die Vorsicht beobachtet, denselben zu fixiren, so sei die eine Hälfte des sehnlich erwarteten Sendschreibens, als es endlich an seine Adresse gelangt, weil die rothe Tinte fast ganz verschossen, durchaus unleserlich gewesen; und so habe es, anstatt den gehegten Erwartungen zu genügen, dem Leser nur Quälerei und Verwirrung, und ihr selbst Verdruß und Aerger verursacht.

Die Blutwurzel, (Sanguinaria) oder puccoon, wie sie von einigen der eingebornen Stämme genannt wird, verdient von der Blüthe bis zur Wurzel unsre Aufmerksamkeit. Sobald als die April-Sonne den Erdboden erwärmt und von seinen eisigen Fesseln befreit hat, gewahrt man eine Anzahl rein weißer Knospen, die auf nackten Stielen stehen und theilweise in ein schönes, rebenartig gestaltetes Blatt gehüllt sind. Das Blatt ist blaß bräunlichgrün und an der untern Seite seltsam mit blaß orangenfarbnen Adern bezeichnet, es entspringt einzeln aus einer dicken saftreichen fasrigen Wurzel, die, wenn man sie zerbricht, aus ihren Poren eine Quantität hell orangenrothen Saftes ausschwitzt; dieser Saft wird von den Indianern zum Färben und zur Heilung von Rheumatismen und Hautausschlägen benutzt. Die Blüthen der Sanguinaria gleichen dem weißen Crocus sehr genau; bei ihrem ersten Hervorbrechen wird die Knospe von dem oben beschriebnen Blatt unterstützt und ist damit umwickelt; die Blume erhebt sich indeß bald über ihren Beschützer, während das Blatt, nachdem es seine Pflicht, als Hülle der zarten Knospe, erfüllt hat, sich zu seiner vollen Ausdehnung entfaltet. Eine reiche schwarze Dammerde am Saume der Lichtungen scheint diesem Gewächs besonders zuzusagen.

Der scharlachfarbige Akelei ist ebenfalls eine Lieblings-Blume von mir; sie ist hellroth, mit gelben Streifen an den Röhren. Die Nectarien sind länger als bei dem Garten-Akelei, und bilden eine an den Spitzen mit kleinen Kugeln besetzte Mauer-Krone. Gewiß verdient der Akelei, mit seinen glänzenden hängenden Blumen, eine schlanke, zierliche Pflanze genannt zu werden; er wächst im Sonnenschein eben so gut als im Schatten, jedoch wohl nicht in tiefen schattigen Wäldern, sondern da, wo das Unterholz durch das laufende Feuer oder die Axt des Holzfällers entfernt worden ist; er scheint sogar auf armem steinigen Boden fortzukommen und ist fast um jede Wohnstätte herum zu finden. Der gefiederte Akelei liebt nassen, freien Moorboden und die Ufer der Bäche; er erreicht eine Höhe von drei, ja sogar vier und fünf Fuß, und ist eine wahre Zierde.

Veilchen haben wir von jeder Größe und Gestalt, nur das wohlriechende Veilchen (Vîola odorata) unsrer heimathlichen Wälder fehlt uns; doch wüßte ich nicht, warum wir mit diesen zarten Töchtern des Frühlings hadern sollten, weil sie nicht mit dem Wohlgeruch ihrer mehr begünstigten Schwestern begabt sind. Viele Ihrer Waldveilchen, obwohl äußerst schön, sind ebenfalls geruchlos, hier muß die Mannigfaltigkeit der Farben für den Mangel an Parfume einigermaßen Ersatz leisten. Wir haben Veilchen von jedem Blau, einige mit Purpur gestreift, andre mit dunklerem Blau schattirt. Wir haben das zarte, mit Purpur gezeichnete, das hell schwefelgelbe schwarzgeaderte, das blaßgelbe dunkelblaugeaderte Veilchen; die beiden letzten zeichnen sich durch den üppigen Wuchs ihrer Blätter aus; die Blüthen entspringen büschelweise, also mehre aus jedem Gelenk, und hinterlassen nach ihrem Abwelken große, mit einem dicken weißen baumwollenartigen Flaum bedeckte Samen-Kapseln.

In den Wäldern kommt ein Veilchen vor, dessen Blätter außerordentlich groß sind; dasselbe gilt von den Samen-Gefäßen; dagegen ist die Blüthe so klein und unbedeutend, daß man sie blos bei genauerer Untersuchung der Pflanze wahrnimmt; dies hat zu dem Glauben Veranlassung gegeben, daß das fragliche Veilchen (seine Blumen sind blaß grünlichgelb,) unterirdische Blüthen habe. Bryant's schönes Gedicht »das gelbe Veilchen« enthält eine genaue Schilderung von den zuerst erwähnten Veilchen.

Man findet hier ein hübsches Stiefmütterchen (Viola tricolor), welches im Herbste blüht. Seine Farben sind Reinweiß, Blaßpurpurn und Blaßviolett, die obern Blumen-Blätter sind weiß, die Unter-Lippe (die untern Blumenblätter,) purpurn, und die Flügel (seitlichen Blumenblätter) röthlich blaßviolett. Die Schönheit dieser seltnen Blume fesselte mein Auge, als ich während unsrer Reise nach Cobourg einen Abstecher nach Peterborough machte; ich war nicht im Stande, die gesammelten Exemplare zu erhalten, und habe seitdem jene Straße nicht wieder bereist. Die Blume wuchs unter wildem Klee, auf der offnen Seite der Straße; die Blätter waren klein, rundlich und matt dunkelgrün.

Unter den strauchartigen Astern haben wir verschiedne schöne Varietäten, mit großen, blaß hollunderblauen oder weißen Blumen; noch andre haben sehr kleine weiße Blumen und carmosinrothe Antheren, welche wie rothe, mit Goldstaub bepuderte Flaum-Büschel erscheinen. Diese Staubwege stechen gegen die weißen, sternartig angeordneten Blumen-Blätter sehr angenehm ab. Eine Varietät der hochstämmigen Aster kommt auf den Ebnen vor, sie hat Blüthen von der Größe eines Sexpence-Stückes und von sanft perlblauer Farbe, mit braunen Staubwegen. Diese Pflanze erreicht eine ansehnliche Höhe, und von den Hauptstämmen gehen zahlreiche zierliche Blüthenäste ab; die Blätter dieser Art sind an der untern Seite purpurroth, fast herzförmig gestaltet und eben so wie die Stengel mit feinen Härchen besetzt.