Auf der inneren Lage der nicht-zelligen Oberfläche lassen sich zuweilen zwanzig gut ausgeprägte parallele Fasern mit zwischenliegenden schmalen Gruben oder entsprechende Abgüsse nachweisen, und ist deren Zahl immer beträchtlich. Die Erhaltungsart gestattete nicht, die wahre Natur der Fasern zu ermitteln, aber nach dem, was bei andern Species entdeckt worden ist, ist zu schlieszen, dasz sie röhrig sind. Ihre Verbreitungsstrecke ist beträchtlich; in dem Exemplar aber, welches ihre Structur am vollständigsten darbietet, sind sie häufig mit kreisförmigen Löchern abgeschnitten. Ihre vollkommene Oberfläche ist minutiös gekörnt. Die äuszere Schicht oder der Rücken der Zweige wird aus einer gleichförmigen Rinde ohne irgend welche Andeutungen von Fasern gebildet, sie wird aber von zahlreichen mikroskopischen Papillen bedeckt mit entsprechenden, die Substanz der Schicht durchbohrenden Poren.

Die einzigen Andeutungen knospentragender Bläschen sind kleine kreisförmige Gruben, welche gelegentlich oberhalb der Mündung liegen und in ihrer Lage mit den Bläschen übereinstimmen, welche bei andern zelligen Gattungen als knospentragend betrachtet worden sind. An dem vorhin erwähnten russischen Exemplar sind ähnliche Gruben sehr gleichförmig zwischen den Abgüssen der Mündungen vertheilt.

Der jüngste Zustand der Coralle ist nicht beobachtet worden, ebensowenig irgend welche vom Alter bedingte ausgeprägte Veränderungen, ausgenommen die allmähliche Verdickung der nicht-zelligen Oberfläche durch das Bekleidetwerden mit der fasrigen Schicht.

Die Grundmasse der Exemplare ist ein dunkelgrauer splinteriger oder ein erdiger Kalkstein.

2. Fenestella internata sp. n.

Becherförmig; zellentragende Fläche innen; Zweige dichotom, comprimirt, Breite variabel; Maschen oblong, schmal; Zellenreihen 2-5 durch longitudinale Leisten getheilt; quere verbindende Fortsätze kurz, ohne Zellen; nicht-zellige Fläche mit scharf fibröser innerer und minutiös granulirter äuszerer Lage.

Durch die Zartheit ihrer Structur ist diese Species leicht von Fenestella ampla zu unterscheiden; und darin, dasz die Zellenreihen von zwei zu fünf schwanken, ebenso in ihrer Entwickelungsweise ergeben sich noch weitere scharf ausgeprägte Verschiedenheiten. Sie scheint beträchtliche Dimensionen erreicht zu haben; es sind Fragmente von anderthalb Zoll Länge und einem Zoll Breite beobachtet worden.

Die Zweige schwanken in ihrer Breite, sie schwellen allmählich nach den Bifurcationsstellen zu an, aber ohne irgend eine Änderung in der Form oder Grösze der Maschen; und so weit es der Zustand der Exemplare gestattet, eine Ansicht zu bilden, kamen auch während der Entwickelung des Bechers keine ausgeprägten Veränderungen vor, mit Ausnahme einer sofort zu erwähnenden. Auf der zellentragenden Oberfläche der Zweige finden beträchtliche, aber gleichförmige Änderungen zwischen den aufeinanderfolgenden Gabeltheilungen statt. Für eine kurze Strecke oberhalb des Trennungspunktes ist der Zweig schmal und eckig, und wird dem Centrum entlang von einer Leiste durchsetzt; auch findet sich nur eine Reihe von Zellenmündungen auf jeder Seite. In dem Masze als der Zweig wuchs, verbreiterte sich die Leiste und wurde schlieszlich zellentragend, indem nun eine Reihe von Mündungen von ihrer Stelle aus entspringen (internata). Die drei Züge zelliger Mündungen waren auf diesem Wachsthumszustande des Zweiges durch zwei Leisten getrennt und diese wiederum verbreiteten sich in dem Masze als die Entwickelung fortschritt, und wurden zellentragend, so dasz nun fünf Zellenreihen durch vier Leisten getrennt sind. Dies ist augenscheinlich der äuszerste Wachsthumszustand, der erreicht wird; unmittelbar hinter ihm findet eine andere Bifurcation statt. An dem zu ältest gebildeten Theile des Bechers herrschen nur zwei oder drei Reihen Zellen vor; und wo die Zahl gröszer ist, ist auch ein gewisser Grad von Unregelmäszigkeit in der linearen Anordnung bemerkbar, welche von einer seitlichen Verbreiterung des Zweiges herrührt.

An den besterhaltenen Exemplaren sind die Mündungen relativ grosz, rund oder oval, und der Rand ist unbedeutend erhoben. In den mittleren Reihen sind sie parallel oder nahezu parallel und liegen in der Richtung der Axe des Zweiges; aber in den seitlichen Reihen sind sie oft schräg gestellt und neigen nach den Maschen. Bei diesen nahezu vollkommenen Exemplaren sind die trennenden Leisten fadenartig und leicht wellenförmig, es findet sich aber keine Spur von den biscuitförmigen Abtheilungen, welche bei Fenestella ampla so deutlich sind. Die Zwischenräume zwischen den Mündungen sind platt oder leicht convex. In weniger schön erhaltenen Exemplaren oder solchen, welche ihrer ursprünglichen Oberfläche beraubt sind, sind die Mündungen nicht gleichförmig im Umrisz und haben keinen vorspringenden Rand. Auch sind die theilenden Leisten verhältnismäszig breiter; und die ganze Oberfläche mit Einschlusz der queren verbindenden Fortsätze ist granulirt oder minutiös tuberculirt.

Die innere Lage der nichtzelligen Fläche ist scharf faserig, und die nämliche Structur läszt sich mehr oder weniger deutlich an den queren verbindenden Fortsätzen erkennen. Die Anzahl der Fasern an den Zweigen überschreitet dem Anscheine nach nicht zwölf, sie sind im Allgemeinen weniger zahlreich. Ihre Verbreitung ist beträchtlich, da stets frische eingeschalten werden, wo sich der Zweig verbreitert; ihre Oberfläche ist minutiös tuberculirt. Es wurden keine besonderen kreisförmigen Löcher bemerkt. Die äuszere Schicht ist gleichförmig körnig, wo sie vollständig ist, aber man kann an jedem Exemplar jeden intermediären Zustand von den scharfen Fasern an verfolgen.