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Tags zuvor war an den Fenstergittern des Stadthauses ausgerufen, es solle gebetet werden für Ihre Majestät, Kaiser Karls Gemahlin, die schwanger war, daß sie bald niederkäme.

Am ganzen Leibe zitternd, trat Katheline bei Klas ein.

„Was ficht Dich an, Gevatterin?“ fragte der Biedermann.

„Wehe!“ antwortete sie in abgerissenen Worten. „Diese Nacht / Geister, die Menschen mähten wie Schnitter das Gras / Mägdlein lebendig begraben; auf ihrem Leib tanzte der Henker! Der Stein, der seit neun Monden Blut geschwitzt hat, diese Nacht geborsten.“

„Erbarm Dich unser! Erbarm Dich unser, Herr Gott!“ stöhnte Soetkin, „das ist eine üble Vorbedeutung für das Land Flandern.“

„Sahest Du das mit Deinen Augen oder im Traume?“ fragte Klas.

„Mit meinen Augen“, erwiderte Katheline.