Da sie Ulenspiegel so fest sahen, zählten sie ihm sein Geld hin, nahmen eins der Säckchen und begaben sich nach ihrem Bethaus. Allda liefen bald alle Juden zu Hauf, wissend, daß einer der beiden Alten ein Geheimnis erhandelt hatte, durch welches man des Messias Ankunft erfahren und verkünden könnte.

Da ihnen die Sache bekannt war, wollten sie an dem Säcklein saugen, ohne zu zahlen; aber der Älteste, der es gekauft hatte, und der Jehu hieß, wollt’ es allein tun.

„Söhne Israels,“ sprach er, das Säckchen in der Hand haltend, „die Christen spotten unser, wir sind gehetzt unter den Menschen, und man schreit hinter uns her, als wären wir Schelme. Die Philister wollen uns unter den Erdboden erniedrigen; sie speien uns ins Antlitz, denn Gott hat unsere Bogen entspannt und die Zügel vor uns gelockert. Wird es noch lange währen, Herr Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, daß uns Übles geschieht, so wir Gutes erwarten, und daß Finsternis kommt, so wir auf Helligkeit hoffen? Wirst Du bald auf der Erde erscheinen, göttlicher Messias? Wann werden die Christen sich in den Höhlen und Löchern der Erde verbergen, ob des Schreckens, den sie vor Dir haben und vor Deiner Herrlichkeit, wann Du aufstehen wirst, sie zu züchtigen?“

Und die Juden schrien:

„Komm Messias! sauge Jehu!“

Jehu leckte und brach es wieder aus und rief gar kläglich:

„Wahrlich, ich sage Euch, dies ist nichts denn Kot, und der flandrische Pilger ist ein Schelm.“

Da stürzten sich alle Juden über das Säcklein her, öffneten es und sahen, was es enthielt, und gingen in großer Wut auf den Markt, um Ulenspiegel zu suchen.

Der aber hatte mit nichten auf sie geharrt.