Klas war schier betrübt darüber, aber Soetkin war es noch mehr und rief:

„Unseliger, du hast den Vogel Gottes getötet.“

Hierauf nahm sie den Storch, sah, daß er nur am Flügel verwundet war, ging Balsam holen und sagte, derweil sie seine Wunde verband:

„Storch, Schätzlein, es war nicht gescheit von Dir, daß Du, den man liebt, in den Wolken schwebst wie der Sperber, den man haßt. Auch die Pfeile des Volkes gehen ans unrechte Ziel; tut Dir Dein armer Flügel weh, Störchlein? Lässest Dich so geduldig behandeln, denn Du weißt, daß unsre Hände Freundeshände sind.“

Da der Storch geheilt war, bekam er zu fressen, was er nur wollte; aber mit Vorliebe fraß er den Fisch, den Klas für ihn im Kanal fischen ging. Und allemal, wenn der Gottesvogel ihn kommen sah, öffnete er seinen großen Schnabel. Er folgte Klas wie ein Hund, aber lieber weilte er in der Küche und wärmte seine Brust am Feuer und klopfte Soetkin, die das Mahl bereitete, mit dem Schnabel auf den Leib, als wollte er ihr sagen:

„Ist nichts für mich da?“

Es war aber lustig anzusehen, wie dieser ernsthafte Glücksbote auf seinen langen Beinen in der Hütte einherstelzte.


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